Halbmarathon-WM

Kenianischer Vierfach-Triumph

Bei den Halbmarathon-Weltmeisterschaften gelang Kenias Läufern die große Überraschung, sie holten alle vier WM-Titel.

Florence Kiplagat ist die neue Halbmarathon-Weltmeisterin.

Florence Kiplagat ist die neue Halbmarathon-Weltmeisterin.

Bild: photorun.net

Kenias Läufer sind immer wieder für eine Überraschung gut – so auch bei den Halbmarathon-Weltmeisterschaften in Nanning. Bei den Titelkämpfen am Sonnabend in China gelang es Wilson Kiprop, den großen Favoriten Zersenay Tadese zu schlagen und damit auch dessen einmalige Siegserie zu beenden. Viermal in Folge hatte der Läufer aus Eritrea die Goldmedaille bei diesen Titelkämpfen souverän gewonnen, doch nun hieß der Sieger Wilson Kiprop. Der 23-Jährige war nach 60:07 Minuten im Ziel. Bei den Frauen setzte sich mit der Kenianerin Florence Kiplagat dagegen die Favoritin in 68:24 durch. Die Läufer aus Kenia gewannen in Nanning auch die beiden Team-Titel und erreichten damit einen Vierfach-Triumph.

Als großer Favorit war Zersenay Tadese an den Start des Männerrennens gegangen. Der 28-Jährige hatte nicht nur viermal in Folge den Halbmarathon-WM-Titel gewonnen, er war in diesem Jahr auch so schnell wie kein anderer zuvor: Im Frühjahr hatte Zersenay Tadese den Weltrekord des Kenianers Sammy Wanjiru auf 58:23 Minuten verbessert.

Entsprechend selbstbewusst begann Zersenay Tadese das Rennen bei warmen Temperaturen von knapp über 20 Grad Celsius und einer Luftfeuchtigkeit von gut 60 Prozent. Der Titelverteidiger setzte sich an die Spitze des Feldes. Den 10-km-Punkt erreichte er nach 28:49 Minuten gemeinsam mit rund einem Dutzend Konkurrenten. Deutlich reduziert hatte sich die Spitzengruppe fünf Kilometer später: Am 15-km-Punkt (42:49) konnten nur noch drei Kenianer mit Zersenay Tadese Schritt halten. Neben Wilson Kiprop waren dies Silas Kipruto und Sammy Kitwara, der mit der zweitschnellsten Bestzeit an den Start gegangen war (58:58).

Knapp fünf Kilometer vor dem Ziel entwickelte sich dann der Zweikampf zwischen Titelverteidiger Tadese und Herausforderer Kiprop. Denn zunächst war Silas Kipruto und kurz darauf auch Sammy Kitwara zurückgefallen. Kurzzeitig übernahm Kiprop nun die Führung, doch Tadese reagierte sofort und setzte sich wieder an die Spitze. Doch den Kenianer wurde er nicht los. Kiprop lief clever, setzte auf einen Erfolg im Schlussspurt und wartete bis 100 Meter vor dem Ziel. Dann trat er an, ließ dem Favoriten keine Chance und siegte in 60:07 Minuten. Tadese schien geschockt, verfiel in Jogging-Tempo und überquerte mit vier Sekunden Rückstand den Zielstrich. Die Bronzemedaille sicherte sich Sammy Kitwara mit 60:22 deutlich vor Silas Kipruto und dem zeitgleichen Samuel Tsegay (Eritrea/beide 61:03). Sechster wurde mit Titus Masai ein weiterer Kenianer (61:24).

Wilson Kiprop ist der erste Kenianer seit 2004, der das Männerrennen bei der Halbmarathon-WM gewinnen konnte. Zudem sorgte er gemeinsam mit Florence Kiplagat für den ersten Doppelsieg einer Nation bei diesen Titelkämpfen seit 1999. Damals siegten die Kenianer Paul Tergat und Tegla Loroupe. „Es ist ein großer Erfolg für mich, hier Gold gewonnen zu haben und den vierfachen Gewinner geschlagen zu haben“, erklärte Wilson Kiprop gegenüber der Internetseite des internationalen Leichtathletik-Verbandes (iaaf.org). „Ich konnte mir aber nie sicher sein, denn ich wusste, dass es ein enges Rennen werden würde.“

Der Kenianer war vor eineinhalb Jahren sein Halbmarathon-Debüt in Berlin gelaufen. Damals wurde er mit 60:34 Minuten Sechster. In diesem Frühjahr rannte er sein Marathondebüt in Prag, wo er als Fünfter nach 2:09:09 im Ziel war. Über die 21,0975 km steigerte er sich dann im September als Sieger in Lille auf 59:39 Minuten. Im Sommer hatte er zweimal mit exzellenten Leistungen über 10.000 m auf sich aufmerksam gemacht: Zunächst lief er in der dünnen Höhenluft von Nairobi 27:26,93 Minuten, dann gewann er bei den Afrika-Meisterschaften in Kenias Hauptstadt mit 27:32,91. Jetzt stürmte Wilson Kiprop in Nanning zum bisher größten Erfolg seiner jungen Karriere.

Bei den Frauen war der Sieg von Florence Kiplagat keine Überraschung, obwohl die Kenianerin erst ihr zweites Rennen über die halbe Distanz lief. Die ebenfalls erst 23-jährige Gewinnerin hatte Anfang September in Lille bei ihrem Halbmarathon-Debüt auf Anhieb hochklassige 67:40 Minuten erreicht. Zuvor war Kiplagat allerdings auch schon Cross-Weltmeisterin (2009). In Nanning lief sie nun in Abwesenheit von Titelverteidigerin Mary Keitany (Kenia) in 68:24 Minuten mit zehn Sekunden Vorsprung vor Dire Tune (Äthiopien). ins Ziel. Bronze gewann Peninah Arusei (Kenia) in 69:05. Rang vier ging an Feyse Tadese (Äthiopien/69:28).

„Die Konkurrenz war stark und es war nicht einfach in diesem Klima“, sagte Florence Kiplagat. Schon bald nach dem Start hatten sich die besten Kenianerinnen und die besten Äthiopierinnen in der Spitzengruppe formiert – die stärksten Läuferinnen dieser beiden Nationen liefern sich seit Jahren harte Kämpfe über die Langstrecken auf der Bahn, im Cross und auf der Straße. An der 15-km-Marke (Durchgangszeit: 48:42 Minuten) waren noch jeweils zwei Läuferinnen übrig: Florence Kiplagat und Peninah Arusei in den kenianischen sowie Dire Tune und Feyse Tadese in den äthiopischen Trikots. Bald darauf entwickelte sich ein Zweikampf zwischen Kiplagat und Tune, den die kenianische 10.000-m-Rekordlerin (30:11,53) jedoch eindeutig zu ihren Gunsten entschied. Kiplagat wirkte stärker und löste sich schließlich kurz nach der 20-km-Marke (65:06) entscheidend. Gut zwei Wochen vor ihrem Start beim Frankfurt-Marathon war jedoch auch Dire Tune mit ihrer Leistung zufrieden. „Es war nicht einfach bei diesen Wetterbedingungen“, sagte die Äthiopierin.

Text: race-news-service.com
Foto: photorun.net

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