WM Aktuell

Kenia-Nacht in Osaka

Innerhalb von nur 20 Minuten holten Kenias Läufer bei der Leichtathletik-WM vier Medaillen.

Ezekiel Kemboi, Brimin Kipruto und Richard Mateelong (von links) feiern ihren Dreifach-Triumph für Kenia im 3.000-m-Hindernislauf.

Es dauerte nur rund 20 Minuten, dann hatte Kenia am Dienstagabend im Nagai-Stadion bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften vier Medaillen gewonnen, darunter zwei goldene. Damit alleine hätten die Kenianer jetzt schon doppelt so viele Plaketten wie die deutschen Athleten nach vier Tagen. Doch vor dieser kenianischen Nacht von Osaka waren die Ostafrikaner bereits zu drei weiteren Medaillen gerannt, darunter war auch das Marathongold von Luke Kibet. Es ist eine Art Comeback für Kenia, denn bei den großen Meisterschaften der letzten Jahre waren sie nach nicht einmal der Hälfte der Entscheidungen längst nicht derart erfolgreich.

Der Stolz der Kenianer war bei Weltmeisterschaften stets der 3.000-m-Hindernislauf. Zwischen 1991 und 2001 kamen alle sechs Weltmeister über diese Strecke aus Kenia. Das änderte sich dann 2003, als der Kenianer Stephen Cherono kurzfristig die Staatsbürgerschaft wechselte, plötzlich Saif Saaeed Shaheen hieß und für Katar an den Start ging. Bei den letzten beiden Welt-Titelkämpfen gewann er den Prestigekampf über die Hindernisse gegen seine früheren Landsleute. Doch nun hat sich Shaheen verletzt. Und die Kenianer nutzten die Gunst der Stunde, zu einem kompletten Durchmarsch: Drei Kenianer waren am Start, alle drei teilten sich am Ende die Medaillen. Es war der erste ,clean sweep’ bei dieser WM. Und es war das zweite Mal nach 1997, dass den kenianischen Hindernisläufern dieses Kunststück bei Weltmeisterschaften gelang.

Der jüngste der drei Kenianer war am Ende als erster im Ziel: Der 22-jährige Brimin Kipruto lief 8:13,82 Minuten und hatte damit den Spieß umgedreht. Denn vor drei Jahren war er bei Olympia Zweiter hinter Ezekiel Kemboi, der nunmehr in Osaka die Silbermedaille gewann in 8:16,94 Minuten. Dritter wurde Richard Mateelong mit 8:17,59. Der Abstand zu Platz vier war mit über zwei Sekunden deutlich. „Ich wusste, dass wir eine Chance haben würden, alle drei Medaillen zu holen“, sagte Richard Mateelong.
„Wir haben als Team zusammengearbeitet und wollten die Medaillen unter uns aufteilen“, erklärte Brimin Kipruto. Die Taktik hat nach einem langsamen Beginn gut funktioniert, und das kenianische Trio hat erfolgreich alle Angriffe abgewehrt. „Ich wusste, dass ich am Ende spurtstark sein würde und habe ausgangs der Kurve das Tempo angezogen“, erklärte Kipruto, der vor zwei Jahren bei der WM Silber gewonnen hatte. Aufgrund des WM-Titels haben die Kenianer nun in zwei Jahren in Berlin die Möglichkeit, sogar vier Hindernisläufer ins Rennen zu schicken. Denn alle Goldmedaillengewinner sind bereits automatisch für die nächste WM qualifiziert.
Eine erstaunliche Vorstellung zeigte danach die neue Weltmeisterin über 800 Meter: Die 24-jährige Kenianerin Janeth Jepkosgei gewann das Rennen in der Jahresweltbestzeit von 1:56,04 Minuten, die zugleich eine persönliche Bestleistung bedeutete. Die Zeit war erstaunlich, aber die Art und Weise wie der Sieg zustande kam noch viel mehr. Denn Janeth Jepkosgei hatte vom Start weg die Führung übernommen und gab sie nicht mehr ab. Spätestens 250 Meter vor dem Ziel hatte man den Eindruck, dass die Konkurrentinnen nun gleich an der Kenianerin vorbeiziehen würden. Doch wann immer eine gefährlich nahe kam, konnte Janeth Jepkosgei einen höheren Gang einlegen und das Tempo forcieren.
„Ich wollte nicht auf die anderen warten, deswegen habe ich gleich die Führung übernommen und mein bestes gegeben“, erklärte die Junioren-Weltmeisterin von 2002, die vom Italiener Dr. Gabriele Rosa betreut wird. Janeth Jepkosgei, die in Osaka die erste WM-Medaille einer kenianischen 800-m-Läuferin gewann, kann in der Zukunft noch für Furore sorgen.
Während die Marokkanerin Hasna Benhassi in 1:56,99 Minuten Silber gewann, wurde Mayte Martinez (Spanien/1:57,62) Dritte. Für Maria Mutola (Mozambique) ging der Traum vom vierten WM-Gold nicht in Erfüllung. Zwar erreichte die 34-Jährige zum neunten Mal ein 800-m-WM-Finale und stellte damit einen Rekord auf, doch sie hatte bei ihrer sicherlich letzten WM keine Chance. Mutola stieg entnervt aus, stolperte dabei noch über einen Fotografen und musste dann verletzt aus der Arena getragen werden.

Janeth Jepkosgei gewinnt die 800 m.