Cross-WM 2009

Kenia hofft auf großes Comeback

Zuletzt dominierte Äthiopien die Cross-WM. 2009 will nun das Läuferland Kenia in Amman ganz nach vorne laufen.

Zum ersten Mal seit 1976 werden bei den Crosslauf-Weltmeisterschaften in Amman (Jordanien) am Sonnabend beide Titelverteidiger fehlen. Während Kenenisa Bekele aufgrund seines im November erlittenen Ermüdungsbruches im rechten Knöchel noch nicht wieder fit ist – er plant ein Comeback beim Grand Prix-Meeting in Henegelo in rund zwei Monaten –, fällt auch seine äthiopische Landsfrau Tirunesh Dibaba verletzt aus. Die Abwesenheit der beiden Doppel-Olympiasieger von Peking (jeweils 5.000 und 10.000 m) wird das Rennen um die Cross-Goldmedaille sicherlich offener gestalten. Am Start sein wird allerdings mit Zersenay Tadese (Eritrea) jener Läufer, der vor zwei Jahren bei der Cross-WM triumphierte und Kenenisa Bekeles Siegserie unterbrechen konnte. Der 27-Jährige steckt allerdings auch mitten in de Vorbereitungen auf sein Marathon-Debüt in London am 26. April.

Seit 2007 gibt es bei den Crosslauf-Weltmeisterschaften keine kürzere Strecke mehr, so dass in Amman neben den beiden Juniorenrennen nur die 12 km der Männer und die 8 km der Frauen auf dem Programm stehen.

Äthiopien dominierte in den vergangenen Jahren immer wieder bei der Cross-WM.

Von der Abwesenheit des Kenenisa Bekele könnten in Amman vor allen die Kenianer profitieren. Über viele Jahre hatten sie die Cross-WM dominiert, doch von 2002 bis 2006 hieß der Sieger über die Mittel- und Langstrecke immer wieder Bekele. Ausgerechnet in Mombasa (Kenia) scheiterte der Äthiopier 2007, doch der Sieger kam damals trotzdem nicht aus Kenia: Zersenay Tadese (Eritrea) gewann das Gold. Ein Jahr später war wieder Bekele vorne. Seit Paul Tergat 1999 hat kein Kenianer mehr die Langstrecke bei der Cross-WM gewonnen.

Einer, der die Durststrecke der Kenianer beenden könnte, ist Moses Mosop. Der 23-jährige Silbermedaillengewinner von 2007 meldete sich nach Verletzungsproblemen bei den WM-Trials in Nairobi im Februar mit einem überlegenen Sieg zurück. „Ich hatte viele Probleme im letzten Jahr aufgrund von Verletzungen und habe daher die Cross-WM 2008 als auch die Olympischen Spiele verpasst. Aber jetzt bin ich wieder da“, erklärte Moses Mosop, der vor zwei Jahren hinter Zersenay Tadese Silber gewonnen hatte.

Stärkster Äthiopier könnte Gebregziabher Gebremariam sein, nachdem der jüngere Bekele-Bruder Tariku kurzfristig ebenfalls verletzt ausgefallen ist. Gute Konkurrenz kommt allerdings auch aus Uganda und aus Katar: Der 5.000-m-Olympia-Vierte Moses Kipsiro (Uganda) wird ebenso am Start sein wie der Hindernis-Weltrekordler Saif Saeed Shaheen (Katar), der in der Olympiasaison verletzt ausgefallen war. Für beide könnten 12 km allerdings etwas zu lang sein.

Bei dem 8-km-Frauenrennen gehören die Äthiopierinnen auch ohne Tirunesh Dibaba zu den großen Favoritinnen. Wude Ayalew hatte sich bei den WM-Trials durchgesetzt. Doch auch Gelete Burka, die 2006 die kürzere Cross-WM-Strecke gewonnen hatte, und die zweimalige Bronzemedaillengewinnerin Meselech Melkamu haben Chancen. Kenia schickt unter anderen die Trials-Siegerin Florence Kiplagat ins Rennen. Die Europameisterin von Brüssel, die frühere Kenianerin Hilda Kibet (Niederlande), hat gute Platzierungschancen. Gespannt sein darf man zudem auf das Debüt bei den Frauen von Stephanie Twell. Die Britin hatte auf europäischer Ebene über Jahre hinweg die Juniorinnenklasse dominiert. Familie Dibaba wird übrigens trotzdem in Amman präsent sein, denn im Rennen der Juniorinnen startet Genzebe Dibaba als Titelverteidigerin.

Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) wird überraschend ebenfalls mit einem Läufer in Amman vertreten sein: Nach seinem zweiten Platz bei den Deutschen Meisterschaften in Ingolstadt wurde Sebastian Hallmann (LG Stadtwerke München) für die Cross-WM nominiert. Im vergangenen Dezember hatten die German Road Races (GRR) in einem offenen Brief, der auch von Otto Klappert (Vorsitzender der IAAF-Crosslauf-Kommission) unterschrieben wurde, beklagt, dass der DLV bei verschiedenen Weltmeisterschaften nicht einmal mehr Teilnehmer an den Start schickt. Gemeint waren hauptsächlich die Crosslauf- und Halbmarathon-Titelkämpfe. Die Nominierung von Sebastian Hallmann wirkt nun wie eine Reaktion aufgeschreckter Funktionäre. Aber vielleicht ist es ein Anfang zu einer zukünftig systematischen Nominierung von Teams. Das wäre ein Weg, um nach Vorbild der US-Amerikaner oder Briten den Laufbereich zu stärken.

Text: race-news-service.com
Foto: photorun.net

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