Urbanathlon Hamburg 2012

Kein Pardon für Pussys

Über 4.000 Sportler nahmen am Urbanathlon Hamburg 2012 teil. Beim spektakulären Hindernisrennen mittendrin: RUNNER'S-WORLD-Redakteur Urs Weber.

Men's-Health-Urbanathlon 2012 - Bilder: 31 Fotos

RUNNER'S-WORLD-Redakteur Urs Weber erlebte den Urbanathlon Hamburg 2012 hautnah - als Starter. Hier seine Eindrücke:

Vor mir türmt sich die über drei Meter hohe Halfpipe auf, die eine Hälfte einer Halbkehle, die Skateboarder und BMX-Radfahrer mit viel Schwung für ihre Kunststücke nutzen: Die gilt es für uns Läufer jetzt auch zu erklimmen. Da müssen alle der über 4.000 Starter beim Urbanathlon an Hamburgs Elbufer drüber. Das geht nur mit viel Anlauf, so weit wie möglich hochlaufen, und wenn die Sohlen an der steilen Stahlwand den Grip verlieren schnell eines der von oben herabhängenden Taue greifen – und hochziehen. Aber von oben ziehen schon zwei Mitläufer am Tau, helfen mir ruckzuck auf die Halfpipe. Ich löse einen der Helfer ab – und wir ziehen die Läufer hinter mir hoch. Und auf der anderen Seite helfen die armdicken Taue ebenfalls wieder beim Runterrutschen von der Halfpipe. Fotografische Eindrücke vom Urbanathlon finden Sie in der Bildergalerie über diesem Absatz.

Halfpipe oder Pussy-Lane - diese Frage stellten sich mehr als 4.000 Athleten beim Urbanathlon Hamburg 2012.

Bild: Urs Weber

Es gibt freilich eine Abkürzung: Die wird Pussy-Lane genannt. Wer will, kann sich nämlich auch links an der Halfpipe vorbeischleichen, muss dabei zwar durch wassergefüllte Kinderplanschbecken waten, spart sich aber die kräftezehrende Halfpipe. Nicht erspart bleibt freilich das Gejohle der anderen Läufer, die wie ich vor der Halfpipe warten mussten: „Pussy“ schallt es aus den Kehlen. Aber alles mit einem fröhlichen Unterton. Und das ist stellvertretend für die gesamte Stimmung beim Urbanathlon.

Freilich, die elf Kilometer lange Strecke, die unterhalb des Altonaer Balkons zwischen Fischmarkt und Museumshafen Övelgönne entlang des Elbufers auf und ab schwurbelt, hat es in sich. Immerhin gilt es etwa 1.000 Treppenstufen und 200 Höhenmeter zu bewältigen; und die Hindernisse bringen die Läufer immer wieder aus dem Takt. Aber das ist ja der Reiz – und die Teilnehmer nehmen es mit Spaß und mit Gemeinschaftssinn.

An keinem der zwölf Hindernisse wird ein Läufer alleingelassen, viele starten auch in kleinen Grüppchen: Sie motivieren sich am Monkey Business, einer acht Meter langen Gerüstkonstruktion am Holzhafen, an der man sich entlanghangelt wie ein Orang Utan. Und an der Wall Street wird schon mal von hinten auf die 1,70 Meter hohe Wand hochgeschoben, wer droht, wieder abzurutschen. Starke Anfeuerung von den Zuschauern gibt es beim Sand Bag Attack: Hier laufen die Urbanathleten mit einem 10 Kilo schweren Sandsack eine Sprintstrecke durch den weichen Elbsand, die Zuschauer am Elbestrand haben sich bei dem prächtigen Badewetter eigens ihre Strand-Liegesessel zurecht gerückt, um das Spektakel hautnah verfolgen zu können.

Großen Spaß macht schließlich auch das letzte Hindernis, Traffic Jam. 14 Schrottautos stehen hier Stoßstange an Stoßstange auf der Straße – und wir Läufer dürfen einfach über Motorhauben, Dächer und Kofferraum springen. Das ist moderne Stau-Bewältigung, denn 100 Meter später ist das Ziel erreicht, erschöpft, vergnügt – und mit großem Durst auf das alkoholfreie Bier im Zielbereich.


Eine weitere Fotogalerie vom Urbanathlon 2012 in Hamburg finden Sie unter diesem Absatz.

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Bildergalerie: Men’s-Health-Urbanathlon 2012 - Bilder Teil 2
Foto: Urs Weber

Urs Weber finishte das Rennen als 639. in 1:04:59 Stunden. Hier die Ergebnisse an der Spitze:

Mit einer Zeit von 41:27 Minuten konnte Florian Reichert, Lehrer aus Göttingen, das Rennen erstmals für sich entscheiden. Sein Trainingspartner und Vorjahressieger Knut Höhler kam mit einer Zeit von 43:33 Minuten auf den zweiten Platz. Dritter wurde Dr. Matthias Weippert mit 43:53 min.

Bei den Frauen schaffte Katharina Josenhans aus Hamburg mit 52:13 min. den dritten Sieg in Folge. Zweite wurde Rebecca Barthel aus Darmstadt (52:28), Michaela Weiß sicherte sich mit 57:18 min. den dritten Platz.

In der Mannschaftswertung war das Team „Haudegen“ nicht zu schlagen. Die besten vier, Dr. Matthias Weippert, Patrick Raabe, Peter Heydemann und Urs Schumann benötigten in Summe 3:05:20 Stunden, um nach dem Start am Cruise Center Altona die Elbmeile zwischen Fischauktionshalle, Övelgönne und dem Elbhang zu bewältigen.