800-m-Dreikampf in Berlin

Jepkosgei gegen Lewis und Jelimo

Janeth Jepkosgei und Pamela Jelimo aus Kenia sowie Tamsyn Lewis aus Australien sind die Favoritinnen über 800 Meter.

Janeth Jepkosgei

Janeth Jepkosgei, hier bei ihrem WM-Sieg 2007, trifft am Sonntag in Berlin auf starke Konkurrenz.

Bild: photorun.net

Einen ebenso mitreißenden wie schnellen Dreikampf könnte es am kommenden Sonntag beim DKB-ISTAF (Internationales Stadionfest) im Berliner Olympiastadion über 800 m geben. Dabei kommt es bei dem Auftakt der prestigeträchtigen AF Golden League-Leichtathletikserie zum Aufeinandertreffen zweier aktueller 800-m-Weltmeisterinnen sowie der derzeit schnellsten Läuferin des Jahres. Die Kenianerin Janeth Jepkosgei und die Australierin Tamsyn Lewis haben dabei etwas gemeinsam, denn beide gewannen ihre WM-Titel überraschend beziehungsweise sogar sensationell. Die Kenianerin stürmte in Osaka im vergangenen Jahr zum Gold, die Australierin schockte die Konkurrenz bei der Hallen-WM im März 2008. In Hengelo sorgte am Sonnabend Pamela Jelimo für eine Sensation. Die erst 19-jährige Kenianerin stellte mit 1:55,76 Minuten einen Juniorinnen-Weltrekord auf.

In Osaka hatte Janeth Jepkosgei 2007 ein Stück Sportgeschichte für Kenia geschrieben. Denn sie ist die erste Mittelstreckenläuferin des Läufer-Landes, die eine Goldmedaille bei Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen gewann. In diesem Jahr möchte sie in Peking ihren sporthistorischen Erfolg weiterführen. Und die 24-Jährige hat noch ein zweites Ziel in dieser Saison: die AF Golden League. „Es ist eine große Herausforderung, den Jackpot zu knacken. Aber ich werde dafür kämpfen“, sagt Janeth Jepkosgei, die in Regel offensiv von der Spitze läuft und in diesem Stil auch das WM-Gold gewann.

Ursprünglich war Janeth Jepkosgei eine 400-m-Hürdenläuferin. Zu den 800 m kam die Kenianerin einst per Zufall. 1999 wollte sie sich für die Jugend-Weltmeisterschaften qualifizieren, jedoch hatten die kenianischen Funktionäre bei den nationalen Ausscheidungen den 400-m-Hürdenlauf aus dem Programm gestrichen. Kurzfristig entschied sie sich für die 800 m und qualifizierte sich auf Anhieb als Zweite.

Für die Sensation der Hallen-WM im März sorgte Tamsyn Lewis. Die Australierin, die auch eine gute 400-m-Läuferin ist, setzte in einem taktischen Rennen ihre Spurtstärke ein und gewann. Nie zuvor hatte sie bei globalen Titelkämpfen auch nur den Endlauf erreicht. Noch rund eine Stunde nach ihrem Triumph wollte Tamsyn Lewis gar nicht glauben, dass sie gewonnen hatte: „Ich befinde mich in einer Art Schockzustand. Ich war froh im Finale zu sein und hatte nichts zu verlieren. In Australien schlafen meine Freunde und meine Familie ja jetzt noch alle – die werden sich wundern, wenn sie aufwachen!“

Die siebenfache australische 800-m-Meisterin kommt aus einer sportlichen Familie: Ihr Vater Greg startete als Sprinter und ihre Mutter Carolyn als Hochspringerin für Australien. Von ihrem älteren Bruder Justin – ein früherer Sprinter – wird sie zurzeit trainiert.

Doch Jepkosgei und Lewis müssen aufpassen, dass sie nicht von einer Newcomerin geschlagen werden: Die famose Zeit von Pamela Jelimo in Hengelo war nicht nur ein Juniorinnen-Weltrekord sondern auch ein kenianischer Rekord sowie eine Jahresweltbestzeit. Die nationale Rekordmarke von zuvor 1:56,04 Minuten hatte Janeth Jepkosgei bei ihrem WM-Sieg in Osaka aufgestellt. „Beim nächsten Mal kann ich deutlich schneller laufen“, kündigte Pamela Jelimo an. Das nächste Mal ist beim DKB-ISTAF am kommenden Sonntag, wo auch noch eine Reihe von weiteren Lauf-Disziplinen auf dem Programm stehen.