Faszination Rennsteiglauf

Jeder ist Sieger

Jeder Rennsteigläufer darf sich als Sieger fühlen. Heiko Rammenstein lässt sich im Ziel gern die Silbermedaille umhängen.

Siegermedaille im Ziel des Rennsteigslaufs

Gerne lasse ich mir die Siegermedaille umhängen. Sieger? Jawohl, denn jeder Rennsteigläufer darf sich als Sieger fühlen, der diese oder eine andere der angebotenen Strecken bewältigt hat. So schreibt es der Veranstalter, der GuthsMuths-Rennsteiglaufverein, in der Ausschreibung. Die Medaille zeigt auf einer Seite die Aussichtsplattform von „Plänckners Aussicht“. Abseits des Zieles schmeiße ich mich auf den Boden und lehne mich an eine Absperrung, still meinen Erfolg genießend.

Mein Vereinskollege Tim Kuhlmann hat den Marathon absolviert. Sein Start ist um neun Uhr gewesen. Später erfahre ich, dass er bei 4:27 Std. Laufzeit exakt eine halbe Stunde vor mir im Ziel angekommen sein muss. Aussichtslos, ihn in dem Trubel zu entdecken. Als ich nach einer Weile mit ihm telefoniere, befindet er sich bereits auf dem Heimweg.

Dauerklatschmarathon im Ziel

Nach ausgiebiger Versorgung mit Getränken und nun auch Obst begebe ich mich auf die große Wiese, wo die Kleiderbeutel bereitliegen. Schnell finde ich meinen Rucksack und mache es mir auf der Wiese bequem. Beim Anwinkeln der Beine überkommt mich ein Muskelkrampf, der sich sofort wieder löst, indem ich sie ausstrecke. Mein Nebenmann ist so nett, mir die Schuhe auszuziehen. Eine Stunde vielleicht lege ich mich in die wärmende Sonne, nicht ohne mein Gesicht mit einem Shirt abzudecken.

Der Zielsprecher des Rennsteiglaufs ist weiterhin dabei, die Ankömmlinge willkommen zu heißen. Einen Dauerklatschmarathon bewältigen die Zuschauer, die jeden Finisher mit Applaus bedenken. Nach dieser Erholungspause kann ich mich wieder uneingeschränkt bewegen und muss keine muskulären Probleme mehr befürchten. Später labe ich mich am Schwarzbier, zu dessen Erhalt mich ein Schnipsel an meiner Startnummer berechtigt, und an einer Suppe. Das Thüringer Würstchen vom Stand nebenan muss ich selber kaufen, und es schmeckt vorzüglich.

Dankbarkeit nach dem Rennsteiglauf

Das große Festzelt ist bereits gut gefüllt. Dort soll am Abend die Rennsteiglauf-Party vonstatten gehen. Auf mich wartet jedoch die Rückreise nach Eisenach mit dem Bus, daher trotte ich langsam den Berg hinunter zur Bushaltestelle, gemeinsam mit vielen anderen Teilnehmern. Auf der Rückfahrt erklimmt der Bus mancherorts die Höhen, die wir einige Stunden vorher läuferisch entgegengesetzt bestiegen haben. Die Schönheit des Thüringer Waldes ist auch aus dieser Perspektive sehr reizvoll. Nach 70 Minuten gelangt der Bus nach Eisenach, von wo aus ich die Heimreise mit dem Auto antrete.

Der Ausflug zum Rennsteiglauf hat mir jede Menge angenehmer Eindrücke beschert und mich durch eine bezaubernde, wilde und ursprüngliche Landschaft geführt. Der Rennsteiglauf hat mir die Bekanntschaft mit Läuferinnen und Läufern aus allen möglichen Teilen Deutschlands und die Begegnung mit besonders herzlichen Einheimischen bei der Streckenversorgung ermöglicht. Außerdem hat er mir die positive Erfahrung des sportlichen Erfolgs gegeben und das unerwartete Phänomen, auch im letzten Drittel eines so langen Bergrennens noch Power und Ehrgeiz statt Mattigkeit und Gleichgültigkeit an den Tag legen zu können.

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Ein Mittendrin-Report von Heiko Rammenstein