Towerrunning

Italienischer Triumph in Warschau

Über 770 Treppenstufen zum Sieg lief Fabio Ruga beim Bieg na Szczyt Rondo 1 in Warschau.

Bieg na Szczyt Rondo 1

770 Treppenstufen und 37 Stockwerke galt es für Teilnehmer des Bieg na Szczyt Rondo 1 zu bewältigen.

Bild: Sebastian Wurster

Die zweite Auflage des Bieg na Szczyt Rondo 1 2012 war nicht nur Polens bedeutendstes Treppenrennen. Zugleich fand damit das zweite europäische Towerrunning World Cup Masters Race der Saison 2012 statt. Neben den besten osteuropäischen Läufern traten internationale Eliteathleten bei dem außergewöhnlichen Rennen am 19. Mai in Warschau an.

Der schnellste Mann über die 37 Stockwerke des ONZ Rondo 1-Tower war der Italiener Fabio Ruga in 3:39,5 Minuten. Es folgten Tomas Celko, der World Cup-Dritte des Vorjahres (3:42,94) und Viktor Novotny in 3:46,65 Minuten.

Im Frauenrennen setzte sich Anna Ficner (Polen) in 5:08,59 Minuten gegen Cristina Bonacina (5:16,56) und Ola Jakubczak (5:20,74) durch. Siegerin Ficner, die bereits ihr viertes Weltcup-Rennen gewann, erzielte beim Bieg na Szczyt Rondo 1 ihren ersten Masters Race-Triumph.

Der Treppenlauf war aufgeteilt in zwei aufeinander folgende Runden. Die erste Turmbesteigung aller Teilnehmer erfolgte im Einzelzeitverfahren und anschließend starteten die besten zwölf Damen und Herren nochmals in einem Finale mit Massenstart. Die Startaufstellung entsprach dabei wie in der Formel 1 dem Qualifying-Ergebnis. Jeder der beiden Aufstiege umfasste 770 schweißtreibende Stufen und kurvenreiche Flachstücke nach dem Start und auf der obersten Etage. Insbesondere in der engen Zielschikane konnten die Läufer wertvolle Zehntelsekunden verlieren, wenn sie die Ideallinie nicht sauber trafen.

Diese Zehntelsekunden waren vor allem in der ersten Runde von Bedeutung. Die drei schnellsten Läufer beendeten das Qualifying mit nahezu identischer Zeit – getrennt durch 0,55 Sekunden. Viktor Novotny (Tschechien) lag zur Halbzeit eine Nasenspitze vor Piotr Szmyt (Polen) und Fabio Ruga. Fünf Sekunden hinter diesem Trio fand sich Piotr Lobodzinski wieder, der führende polnische Elite-Towerrunner, der nach einer Verletzungspause sein Comeback feierte. Damit verfehlte er knapp den für einen Finalstart aus der ersten Reihe nötigen vierten Platz.

Die zwölf besten Frauen und Männer starteten nach dem Qualifying in einem Finale mit Massenstart.

Bild: Sebastian Wurster

In der Finalrunde dominierten die in Massenstarts erfahrenen internationalen Athleten das Rennen. Nachdem er bereits in Sao Paulo, London und Basel das Podium erklomm, feierte Fabio Ruga den ersehnten ersten Saisonsieg – mehr als 16 Sekunden schneller als im Qualifying (3:56 Minuten). Bester einheimischer Athlet war am Ende Piotr Lobodzinski auf Rang 4, lediglich 2,1 Sekunden vom Podium entfernt. Der neue polnische Towerrunning-Shootingstar und Sieger der Rondo 1-Premiere 2011, Bartosz Swiatkowski, musste sich mit Rang 6 zufrieden geben.

Fabio Ruga

Bild: Sebastian Wurster

Der Italiener Fabio Ruga stand nach dem Bieg na Szczyt Rondo 1 erstmalig an der Spitze der Towerrunning-Weltrangliste.

Durch den Sieg in Warschau und die hierfür erzielten 120 Worldcup-Punkte übernahm Fabio Ruga zum ersten Mal in seiner Karriere die Spitze in der Weltrangliste. Dicht gefolgt von Justin Stewart (USA) und Thomas Dold, der am 27. Mai beim Heimrennen in Berlin die Führung zurückerobern kann.

Gekrönt wurde der erfolgreiche Samstag für das italienische Treppenlaufteam durch das Abschneiden von Worldcup-Champion Cristina Bonacina. Sie führte nach einer deutlichen Niederlage gegen die Lokalmatadorinnen im Qualifying das Finale bis zur 35. Etage an. Dann schwanden ihre Kräfte und sie musste sich Anna Ficner geschlagen geben. Nichtsdestotrotz war Bonacina sehr zufrieden mit dem zweiten Platz.

Die Veranstalter des Bieg na Szczyt Rondo 1 2012 freuten sich, mehr als 4.000 € Spendengelder zugunsten der SOS-Kinderdörfern aufbringen zu können. Dadurch kam der im Towerrunning-Sport oftmals wichtige Charity-Aspekt zur Geltung.

Deutsche Spitzenläufer gingen in Warschau nicht an den Start. Während sich Matthias Jahn und Thomas Dold für die anstehenden Großveranstaltungen vorbereiteten, waren andere wettkampfbedingt auf den heimischen Treppen unterwegs. Besonders erfolgreich erklomm Christian Riedl die Stufen von gleich zwei Events. Zunächst brillierte er bei einem 2-Stunden-Rennen beim Fürther Treppenhauslauf HARDrun, wo er mehr als 4.000 Stufen auf- und abwärts getreu dem Motto „Niemand hat gesagt, dass es nicht wehtut“ – wie es einer Wandinschrift beim Event zu entnehmen war – als Schnellster bewältigte. Bereits am Folgetag erklomm er den Sommerberg in Bad Wildbad beim Stäffeleslauf. Nach erneut fast 2.000 Stufen feierte er den zweiten Sieg innerhalb weniger Stunden, was in dieser Form bislang einmalig in der Towerrunning-Geschichte war. Damit hat Riedl seine Vielseitigkeit und sein Potential erneut unter Beweis gestellt und ist nach seinem Masters-Sieg in Basel ein weiteres Stück an den Klassenprimus Thomas Dold herangerückt.

Die nächsten Towerrunning-Events sind der SkyRun in Berlin am 27. Mai und die ersten European Towerrunning Championships am 3. Juni in Frankfurt.

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Towerrunning Basel 2012