Kimetto bricht Streckenrekord

Irina Mikitenko läuft auf starken dritten Platz in Tokio

Dennis Kimetto siegte beim Tokio-Marathon in 2:06:50 Stunden. Irina Mikitenko erkämpfte in in 2:26:41 Stunden Platz drei.

Tokio-Marathon

Dennis Kimetto gewann das WMM-Rennen in Tokio.

Bild: photorun.net

Dennis Kimetto setzte seine eindrucksvolle Erfolgsserie fort: Der Kenianer gewann den Tokio-Marathon, der erstmals zu den World Marathon Majors (WMM) gehört, mit einer Streckenrekordzeit von 2:06:50 Stunden. Schnellste Frau war Aberu Kebede, die das Rennen nach 2:25:34 für sich entschied. Die Äthiopierin verschenkte möglicherweise den Streckenrekord von 2:25:28, weil sie auf den letzten paar hundert Metern bereits anfing zu jubeln. Einen hervorragenden dritten Platz belegte Irina Mikitenko (Eintracht Frankfurt), die nach einem starken taktischen Rennen in 2:26:41 Stunden nur gut eine Minute Rückstand auf Siegerin Aberu Kebede hatte. „Ich bin sehr zufrieden mit diesem dritten Platz“, sagte Irina Mikitenko. Rund 35.000 Läufer gingen in Tokio an den Start.

Bei kalten und teilweise windigen aber sonnigen Wetterbedingungen war die Spitzengruppe der Männer deutlich langsamer unterwegs als geplant. Im ersten Jahr der Zugehörigkeit zu den WMM hatten die Verantwortlichen des Rennens gehofft, in Tokio die schnellste je in Japan gelaufene Zeit zu erreichen. Doch dieser Plan musste frühzeitig ad acta gelegt werden. Der Äthiopier Tsegaye Kebede war 2009 in Fukuoka 2:05:18 Stunden gelaufen. Als am Sonntag die Halbmarathonmarke nach gut 64 Minuten passiert wurde, war diese Zeit schon außer Reichweite. Zu dem Zeitpunkt als die Tempomacher nach 30 km (1:31:21 Stunden) aus dem Rennen gingen, war die Spitzengruppe auf dem Weg zu einer Endzeit um 2:08:30 Stunden.

Trotz des besonders im letzten Teil des Rennens starken Windes wurde das Tempo an der Spitze nun deutlich schneller. Es war zunächst James Kwambai, der die Initiative ergriff und sich gemeinsam mit seinen Landsleuten Dennis Kimetto sowie Vorjahressieger Michael Kipyego absetzte. Nach 34 km übernahm dann der 28-jährige Dennis Kimetto die Spitze. In 28:35 Minuten lief der Kenianer den Abschnitt zwischen 30 und 40 km. Trotzdem war es lange Zeit knapp, denn Michael Kipyego hatte gut einen Kilometer vor dem Ziel lediglich drei Sekunden Rückstand. Doch am Ende wurde Kipyego, der im vergangenen Jahr in Tokio Haile Gebrselassie besiegt hatte, langsamer.

Mit Dennis Kimetto setzte sich der Favorit durch. Ihm und nicht dem Titelverteidiger hatten die Japaner die Startnummer 1 gegeben. Mit seiner Zielzeit von 2:06:50 Stunden verbesserte Kimetto die fünf Jahre alte Kursbestzeit des Schweizers Viktor Röthlin um 33 Sekunden. Die Kenianer dominierten das Männerrennen des Tokio-Marathons. Michael Kipyego wurde mit 2:06:58 Stunden Zweiter, Rang drei belegte sein kenianischer Landsmann Bernard Kipyego in 2:07:53. Bester Japaner war Kazuhiro Maedo, der als Vierter mit 2:08:00 ins Ziel lief. Hinter ihm folgten mit James Kwambai (2:08:02) und Gilbert Kirwa (2:08:17) zwei weitere Kenianer.

„Die Tempomacher waren mir ein bisschen zu langsam und ich hatte überlegt, an ihnen vorbei zu laufen. Aber dann entschied ich mich, in der Gruppe zu bleiben“, sagte Dennis Kimetto, der im vergangenen Jahr mit Halbmarathonsiegen in Ras Al Khaimah (Vereinigte Arabische Emirate) und Berlin, einem 25-km-Weltrekord in Berlin (1:11:18 Stunden) sowie Platz zwei beim Berlin-Marathon in 2:04:16 überrascht hatte. „Als nächstes will ich nun entweder bei den Weltmeisterschaften in Moskau starten oder beim Berlin-Marathon den Weltrekord angreifen“, erklärte Dennis Kimetto, dem zuzutrauen ist, die aktuelle Bestzeit von 2:03:38 Stunden zu unterbieten.

Anders lief das Rennen der Frauen in Tokio. Aberu Kebede, die Japanerin Azusa Nojiri und die Kenianerin Caroline Kilel passierten die 10-km-Marke nach 33:31 Minuten – eine Zwischenzeit, die auf eine 2:21er Zielzeit hinausläuft. Die Japanerin fiel bald zurück. Nachdem Caroline Kilel, die Boston-Marathon-Siegerin 2011, plötzlich aus dem Rennen ging, wurde das Tempo langsamer. So schloss Yeshi Esayias zu ihrer Landsfrau Aberu Kebede auf. Rund 10 km liefen die beiden gemeinsam an der Spitze, doch dann setzte sich die Berlin-Marathon-Siegerin des vergangenen Jahres, Kebede, entscheidend ab.

Nicht ihr Jubel sondern der Wind habe den Streckenrekord verhindert, erklärte Aberu Kebede, nachdem sie mit 2:25:34 Stunden die Kursbestmarke nur um sechs Sekunden verpasst hatte. „Es war besonders schwer bei 37 und 41 km, denn da war es nicht nur windig sondern ging auch noch bergauf“, sagte Aberu Kebede, die vor Yeshi Esayias (2:26:01), Irina Mikitenko (2:26:41), Albina Mayorova (Russland/2:26:51) und Yoshimi Ozaki (Japan/2:28:30) gewann.

Ihr eigenes Rennen lief von Beginn an Irina Mikitenko. „Als ich am Morgen sah, dass es windig ist, habe ich mich für ein taktisches und kein schnelles Rennen entschieden. Es ging mir nicht um die Zeit“, erklärte Irina Mikitenko, die praktisch durchweg auf sich alleine gestellt war. In der Kälte hatte sie dann frühzeitig Probleme mit der hinteren Oberschenkelmuskulatur und musste sogar einmal stehen bleiben. „Ich habe die Muskulatur gedehnt und massiert. Ich dachte mir, oh je, das passiert mir schon bei Kilometer 15. Aber danach ging es dann besser“, erzählte Irina Mikitenko, die die Halbmarathonmarke nach rund 1:13 Stunden auf Platz neun erreichte. Danach startete Irina Mikitenko ihre Aufholjagd. Während sie durchweg ein relativ konstantes Tempo rannte, wurden fast alle vor ihr laufenden Athletinnen langsamer. Am Ende konnte Irina Mikitenko noch einmal zulegen und sicherte sich damit Platz drei vor Albina Mayorova.

Dass sie in Tokio den offiziellen Masters-Weltrekord (ab 40 Jahre) nur um knapp eine Minute verpasste, störte sie nicht besonders. Diese offizielle Bestmarke lief die Russin Lyudmila Petrova mit 2:25:43 in New York 2008. „Für mich ist dieser dritte Platz ein wirklich sehr gutes Ergebnis. Den Rekord hebe ich mir für den Herbst auf“, sagte Irina Mikitenko.