Interview

Irina Mikitenko: „Ich kann schneller laufen“

"Ich kann noch schneller laufen", erklärt Irina Mikitenko nach ihrer deutschen Jahresbestzeit beim Berlin Marathon.

Irina Mikitenko

Irina Mikitenko nach ihrem sensationellen Marathondebüt in Berlin.

Als Zweite hinter Gete Wami (Äthiopien) lief die 35-jährige Athletin des TV Wattenscheid 2:24:51 Stunden – die schnellste Debützeit einer deutschen Läuferin aller Zeiten. Irina Mikitenko wurde damit auf Anhieb zur drittbesten deutschen Marathonläuferin hinter Uta Pippig (2:21:45) und Katrin Dörre-Heinig (2:24:35). Ihre deutsche Jahresbestzeit ist auch die schnellste seit 1999 (Dörre in Hamburg/2:24:35). Noch etwas war bemerkenswert an Irina Mikitenkos Erfolg: Sie ist die erste deutsche Läuferin, die Punkte sammelte bei den World Marathon Majors (WMM). In der Serie 2007-2008 liegt sie nun auf Rang fünf. Auch kein deutscher Mann hat bisher WMM-Punkte gewonnen.

Sie haben beim Berlin Marathon Ihr Debüt auf der Marathondistanz gefeiert. Wie war es?

Irina Mikitenko: „Es war ein tolles Debüt. Ich habe mich lange und intensiv darauf vorbereitet, und auch mental habe ich mich lange Zeit mit dem Marathon und seinen Eigenheiten beschäftigt. Viele sagen ja immer, dass der Marathon einige Erfahrung braucht. Ich wollte aber unbedingt schon gleich beim ersten zeigen, dass ich es kann.“

Wie haben Sie sich speziell auf den Berlin Marathon vorbereitet?

Irina Mikitenko: „Ich war zuletzt insgesamt vier Wochen mit meinem Mann und Trainer im Trainingslager in St. Moritz. Dort habe ich zwischen 180 und 200 Trainingskilometer wöchentlich absolviert. Nach der ersten Hälfte des Trainingslagers bin ich bei den Deutschen Halbmarathon-Meisterschaften gestartet.“

Dort sind Sie dann auch in 1:10:03 Stunden Deutsche Meisterin geworden. Lief also alles nach Plan?

Irina Mikitenko: „Ja, das lief super. Ich wollte dort unbedingt gewinnen, und das habe ich geschafft. Am nächsten Tag bin ich gleich wieder nach St. Moritz zurückgekehrt, um weiterhin meinen Fokus auf den Marathon zu behalten. Ich wusste, wenn ich unter 2:30 Stunden in Berlin laufen möchte, muss ich auch einen schnellen Halbmarathon hinlegen.“

Sie wollten eigentlich schon 2006 einen Marathon laufen, warum blieb der aus?

Irina Mikitenko: „Ich habe mich schlicht und einfach noch nicht perfekt vorbereitet gefühlt. Ich habe zwar körperlich schon einiges drauf gehabt, aber irgendetwas sagte mir, ich solle es noch nicht wagen. Ich glaube, es war eine gute Entscheidung bis 2007 zu warten.“

Ihnen standen auch noch andere Rennen für Ihr Debüt zur Auswahl – warum haben Sie Berlin gewählt?

Irina Mikitenko: „Die Strecke und der Zeitpunkt waren entscheidend. Ich wollte bei meinem Debüt unbedingt unter 2:30 Stunden bleiben. Die Strecke in Berlin ist für ihre Schnelligkeit bekannt, und das wurde ja auch einmal mehr bewiesen – nicht nur bei mir, sondern auch mit einem neuen Weltrekord bei den Männern.“

Ihr Mann hat Sie auf der Strecke in Berlin begleitet und Ihnen oft etwas zugerufen. Was hat er Ihnen gesagt?

Irina Mikitenko: „Alexander sagte mir immer, dass der Marathon noch nicht angefangen hat und ich ruhig bleiben sollte. Bei 30 Kilometer habe ich ihm das ja noch geglaubt, da ja alle sagen, der Marathon fängt erst nach 30 Kilometern an weh zu tun. Bei 35 Kilometer hat er das dann aber immer noch gesagt, und irgendwie war ich ein bisschen genervt. Als er das dann zwei Kilometer danach noch einmal sagte, hatte ich genug und bin einfach schneller gelaufen. Ich habe mich ja die ganze Zeit gut gefühlt, und schon im Vorfeld sagte ich, dass ich stärker bin als der Mann mit dem Hammer.“

Glauben Sie, dass Sie schneller hätten laufen können?

Irina Mikitenko: „Ich glaube das schon, aber ich wusste einfach nicht wie es sein würde, einen Marathon zu laufen. Das nächste Mal werde ich aber mehr auf meinen Körper hören und weniger auf meinen Trainer. Ich denke, ich weiß mittlerweile ganz gut, was mein Körper kann und was nicht. Schneller als 2:24 Stunden kann ich laufen – zumindest würde ich das jetzt sagen.“

Ihr Sohn Alexander war dieses Mal nicht in Berlin dabei?

Irina Mikitenko: „Er muss ja zur Schule – und das geht vor. Aber er hat mich am Fernseher verfolgt und extra dafür auf sein Fußballspiel verzichtet. Ich habe ihn gleich nach dem Rennen angerufen, und er sagte mir, dass er stolz auf mich ist. Das war schön zu hören.“

Vor Ihrem Marathondebüt waren Sie sich nicht sicher, ob sie in Zukunft diese Strecke als Freizeit- oder Profisportlerin laufen werden. Dürfen wir Sie jetzt als Profi im Marathon bezeichnen?

Irina Mikitenko: „Ja, das können Sie jetzt. Ich werde weitermachen, und ich freue mich, weiterhin auf dieser Strecke zu laufen. Es macht wirklich viel Spaß, besonders in Berlin bei der tollen Stimmung. Die Strecke ist wie für mich gemacht. Das Training ist zwar schon hart, denn man muss wirklich viel und lange trainieren, aber bei so einem Rennen ist das schnell wieder vergessen.“

Was machen Sie denn jetzt als Erstes nach diesem Erfolg?

Irina Mikitenko: „Ich werde mich erst einmal wieder richtig mit meinen beiden Kindern, Alexander und Vanessa, beschäftigen. Die sind in den letzten Monaten etwas auf der Strecke geblieben. Wir fahren nächste Woche zusammen in den Urlaub nach Kreta und erholen uns richtig. Dann geht es wieder ins Training.“

Wann werden Sie Ihren nächsten Marathon laufen?

Irina Mikitenko: „Ich möchte jetzt unbedingt bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking Marathon laufen. Weiteres weiß ich noch nicht genau.“