Paderborner Osterlauf

Irina Mikitenko glänzt mit Streckenrekord

Irina Mikitenko lief beim Paderborner Osterlauf die schnellste Zeit einer deutschen Läuferin auf deutschem Boden.

Osterlauf Paderborn

Irina Mikitenko siegte in Paderborn überlegen über die 21,1 km in 1:08:51 Stunden.

Die „weihnachtliche“ Osterzeit ist scheinbar eher etwas für die Kälte erprobten Mitteleuropäer als für die sieggewohnten Afrikaner. Diesen Schluss muss man zweifellos ziehen angesichts der überragenden Auftritte von Irina Mikitenko (TV Wattenscheid) und Markus Pröll (Österreich) bei der 62. Auflage des Paderborner Osterlaufes. Knapp 24 Stunden nach ihrer Rückkehr aus dem kirgisischen Trainingslager stellte sich Irina Mikitenko an der Pader in glänzender Verfassung vor: In neuer persönlicher Bestzeit von 1:08:51 Stunden steigerte die 36-Jährige die 1997 von Joyce Chepchumba (Kenia) aufgestellte Streckenbestzeit von 1:09:24 um eine dreiviertel Minute und lief die schnellste Zeit einer deutschen Läuferin auf deutschem Boden. Den deutschen Rekord hält seit 1995 die Berlinerin Uta Pippig, die in Kyoto 1:07:58 Stunden erzielte. Der Kenianer Charles Ngolepus gewann das Männerrennen in der Kursrekordzeit von 1:01:24.

Mit dem Österreicher Markus Pröll brach über 10 km unerwartet ein Europäer in die Siegerphalanx der afrikanischen Läufer ein, die seit 1999 ununterbrochen den Sieger stellen konnten. Der 28-jährige Hindernisläufer mit einer Bestzeit von 8:13 Minuten düpierte mit einem starken Endspurt die sieggewohnten Läufer aus Kenia und Tansania und gewann in 28:46 Minuten am Maspernplatz knapp vor gleich sechs dunkelhäutigen Athleten. Bei den Frauen kam zwar Sabrina Mockenhaupt (Köln Marathon) nicht an die überragende Vorjahressiegerin Peninah Arusei (Kenia) heran und musste sich mit Rang zwei zufrieden geben, durfte dafür aber über einen neuen 10-km-Hausrekord von 32:07 Minuten jubeln.

Mit 7.802 Anmeldungen gab es bei der 62. Auflage des Paderborner Osterlaufes zwar heuer keine Rekordmeldezahl zu verzeichnen, dennoch war Horst Wiczynski, der seit 34 Jahren beim Osterlauf die Fäden ziehende Präsident des ausrichtenden SC Grün-Weiß Paderborn, mehr als zufrieden, schließlich gab es auf der Halbmarathondistanz durch Irina Mikitenko und Charles Ngolepus zwei neue Streckenrekorde, mit Markus Pröll seit 1998 erstmals wieder einen europäischen Sieger auf der 10 km-Strecke.

„Eigentlich waren die Umstände zu dieser Bestzeit für mich nicht günstig“, sagte Irina Mikitenko im Ziel. „Dafür lief es aber überraschend gut. Ich habe vom Start weg weder einen Mann noch eine Frau um mich herumgehabt und bin einfach nach Gefühl losgelaufen. Erst nach 10 km haben wir mit der Zeit gearbeitet.“ Die Wattenscheiderin kam erst am Freitag von einem vierwöchigen Trainingslager aus Kirgisien zurück, wo sie auf 1600 m Höhe bei durchschnittlich 16 bis 18 Grad Celsius trainieren konnte. Der Blick geht unweigerlich in Richtung London-Marathon, wo sie am 13. April nach ihrem erfolgreichen Marathondebüt von Berlin einen weiteren Schritt in Richtung Weltspitze unternehmen möchte. „In London bin ich keine Favoritin und kann mich unbekümmert hinter den Spitzenläuferinnen orientieren.“ Eine komfortable Situation für die 36-jährige zweifache Mutter, die inzwischen viel Spaß für das längere Straßenlaufen entdeckt hat. „Natürlich werde ich auch das eine oder andere 10-km-Rennen laufen, denn nur zwei Starts im Marathon sind im Jahr doch viel zu wenig.“

Charles Ngolepus (vorne) lief mit 1:01:24 Stunden einen neuen Streckenrekord. Jonathan Maiyo (dahinter) überquerte die Ziellinie 20 Sekunden später als Zweiter.

Bei den Männern stürmte trotz der ungünstigen Bedingungen der Kenianer Charles Ngolepus nach 1:01:24 ebenso zu einem neuen Streckenrekord und verbesserte die bisherige Bestmarke seines Landsmannes Moses Kigen aus dem Jahr 2006 um sechs Sekunden. Bester Deutscher im Feld der 2300 Halbmarathonläufer wurde als 13. der Bergläufer Timo Zeiler (TSV Trochtelfingen) in 1:08:07.

„Ich wollte unter 29 Minuten bleiben“, sagte ein glücklicher Markus Pröll. Der aus Freistadt in Oberösterreich stammende Hindernisspezialist, der den Sieg bei den U-23-Europameisterschaften 2003 als seinen bislang größten Erfolg bezeichnete, attackierte nach acht Kilometern gegen sechs afrikanische Konkurrenten erfolgreich. „Die wollten mich immer wieder ausbremsen. Deshalb habe ich es mit einem langen Spurt probiert“, freute sich Pröll, der sich wegen einer Sehnenverletzung im linken Fuß erst spät in der Saison mit seiner Spezialdisziplin beschäftigen wird und zuvor die Jagd auf die Olympianorm über 5.000 m und 10.000 m beginnen möchte. „Mit diesem Sieg fängt für mich die Saison wirklich gut an. Der erste Test stimmt mich zuversichtlich, dass ich die Olympianorm von 28:08 laufen kann.“

Hinter Markus Pröll kamen mit einer Sekunde Rückstand die beiden Kenianer Boash Mayaka und John Kales zeitgleich auf die Plätze zwei und drei. Als Achter schlug sich Falk Czierpinski (SG Spergau) in diesem Klassefeld mit 29:48 recht ordentlich, während Stefan Koch (TV Wattenscheid) wegen einer Verletzung das Ziel nicht erreichte.

Bestens vorbereitet gingen zumindest die beiden Tageschnellsten im Frauenfeld ins Rennen, denn trotz des eher ungemütlichen Wetters mit Schneeregen und Temperaturen um drei, vier Grad Celsius gab es sowohl für Peninah Arushei als auch für Sabrina Mockenhaupt es eine persönliche Bestmarke. „Die Kenianerin konnte ich nicht schlagen, die war einfach zu stark“, sagte Sabrina Mockenhaupt im Ziel. Vier Wochen nach ihrem überraschenden Sieg beim Tokio-Marathon stellte sich Claudia Dreher bereits wieder in einem Wettbewerb, nachdem sie am Vorabend erst aus dem Trainingslager in Potchefstroom in Südafrika zurückkehrt war. „Ich habe den Marathon gut verkraftet und werde jetzt etwas für meine Tempohärte tun müssen“, sagte Claudia Dreher, die inzwischen für den SV Ihleläufer Burg startet und sich trotz der starken Konkurrenz innerhalb der deutschen Marathonfrauen für Peking qualifizieren möchte. Als Siebente lief sie in 34:44 ins Ziel und lag dabei knapp vor der früheren Weltklasseläuferin Claudia Lokar, die sich mit 35:09 Minuten als ambitionierte Hobbyläuferin mit nunmehr 44 Jahren zeigte. Im weiteren deutschen Vergleich hatten Veronika Ulrich (35:11) und auch Luminita Zaituc (36:28) klar das Nachsehen.

Eine ausführliche Fotogalerie mit über 100 Bildern des Paderborner Osterlaufes finden Sie hier.

Text: race-news-service.com/Wilfried Raatz
Fotos: Britta Heinemann




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