Die Brüder Krüger

Immer auf der langen Strecke

Der Rennsteiglauf ist ein besonderer Kultlauf. Am 17. Mai ist es wieder so weit. Die Story der Brüder Krüger.

Die Brüder Klaus Krüger aus Berlin und Dr. Bernhard Krüger aus Ludwigshafen sind das einzige Brüderpaar, welches seit 1975, also bis jetzt 33 Mal, ununterbrochen immer die „Lange Strecke“ beim Rennsteiglauf unter die Füße genommen hat. Insgesamt gibt es nur sieben Läufer, die bereits 33 Rennsteiglauf-Teilnahmen auf ihrem Konto haben. Selbst unter misslichen Bedingungen, Klaus Krüger ist einmal die Strecke mit einer Schiene am Bein und Krücken gelaufen, schafften sie diese Herausforderung.

Im Buch „Who is who 2008 – Rennsteiglaufbiografien“, das zum Rennsteiglauf 2008 erscheint, wird die Geschichte ihres ersten Rennsteiglaufs geschildert. Wir dokumentieren dieses Kapitel.

Bernhard (links) und Klaus Krüger 1976 im Ziel in Schmiedefeld.

Mit 3 x Krüger zum Taschenlampenlauf

Ende 1974 sprach mich mein Bruder Bernhard an, ob ich nicht Lust hätte, mit ihm und Michael Klupsch im Mai 1975 an einem „50-Meilen-GutsMuths-Lauf“ teilzunehmen. Uns war dabei nicht ganz klar, ob es nun 50 km oder 50 echte Meilen waren, aber es hörte sich nach Abenteuer und körperlicher Herausforderung an. Es gab für uns kein Zögern, und wir verabredeten auch einen Trainingslauf über ca. 40 km in den Müggelbergen.

Kurz vor der Fahrt nach Thüringen brach sich unser Freund Micha einen Fuß, organisierte jedoch, dass uns der Läufer Winfried Achill mit seinem Auto mitnahm, doch vor der geplanten Reise ging sein Auto kaputt. Wir erhielten aber, was zur damaligen Zeit nicht so einfach war, einen Mietwagen. So kam es also dann, dass wir am Tag vor dem Lauf zu fünft, mit 3 x Krüger (Manfred, Bernhard und Klaus) den Weg nach Thüringen antraten.

Die wenigen Stunden bis zum Nachtstart verbrachten wir bereits in Laufsachen in einem Ferienlager. So vorbereitet, ohne Taschenlampe, ging es dann zur nachtschlafenden Zeit am Heuberghaus los. An die ersten Kilometer kann ich mich heute nicht mehr so richtig erinnern, auf jeden Fall war es dunkel und der Weg nicht gerade leicht zu bewältigen. Riesige Pfützen und Schlammberge sind mir im Gedächtnis. Wie heute sehe ich noch vor mir, wie aus dem Frühnebel das Auto mit Frau Achill vor uns auftauchte und wir auf eine Erfrischung hofften. Das Spezialgetränk war jedoch Tee mit reichlich Salz, aber auch das brachte uns nicht um. Manfred Krüger als Leistungswanderer hatte sich inzwischen von uns verabschiedet und wanderte mit schnellem Schritt durch den Thüringer Wald. Wie es der Zufall wollte, kamen mein Bruder und ich am Bahnhof Rennsteig vorbei, als die Frauen gestartet wurden.

Nun liefen die mit flinken Füßen an uns vorbei und hatten für uns keinen Blick. Als allerdings in einem roten Trainingsanzug eine junge, gut aussehende Läuferin an uns vorbeilief, musste ich sie unbedingt ansprechen, es war Ingelore Winkler. Wir nahmen ihr Tempo auf und liefen längere Zeit gemeinsam, verloren uns dann aber wieder. Natürlich waren wir auch schon ganz schön kaputt und hofften auf ein baldiges Ziel. Vielleicht waren es 10 km vor dem Ziel, da saß doch meine Mitstudentin Ingelore im Wald und wollte nicht mehr so richtig weiter. Wir überredeten sie lange, weiter zu laufen. Gemeinsam sind wir dann nach 10 Stunden und 47 Minuten (Ingelore war natürlich nicht ganz so lange unterwegs) ins Ziel gelangt.