Silvesterlauf Bozen

Imane Merga gewinnt Fotofinish vor Wilson Kiprop

Imane Merga und Maryam Jamal heißen die Sieger des bestbesetzten Silvesterlaufes der Welt. Sie gewannen den prestigeträchtigen BOclassic im Südtiroler Bozen.

Silvesterlauf Bozen

Imane Merga gewinnt in Bozen haarscharf vor Wilson Kiprop.

Bild: BOclassic/Daniele Mosna

Wie Olympiasieger Mo Farah (Großbritannien) vor drei Jahren musste nun auch Wilson Kiprop die Spurtstärke von Imane Merga bei dem italienischen Klassiker anerkennen. In einem extrem spannenden 10-km-Rennen setzte sich der äthiopische Titelverteidiger in Bozen hauchdünn mit nur einer Zehntelsekunde Vorsprung vor dem Halbmarathon-Weltmeister von 2010, Wilson Kiprop (Kenia), durch. Der lang gezogene Endspurt über 300 Meter war wohl der spannendste, den der BOclassic je gesehen hat. Bis auf den letzten Meter kämpften beide um den Sieg. Zeitgleich in 28:44 überquerten sie den Zielstrich. Der Marokanner Aziz Lahbabi – Dritter der Junioren-WM 2010 über 5000 m – hatte von Beginn an für Tempo gesorgt und wurde dafür mit Rang drei in 29:00 Minuten belohnt.

Nur Sergey Lebid (Ukraine/5 Siege) und Edwin Soi (Kenia/4) haben in Bozen öfters gewonnen als Merga, der zum dritten Mal triumphierte. Edwin Soi, der Olympiadritte von 2008, hatte am Dienstag schon bei Halbzeit keine Chance mehr, mit Lebid gleichzuziehen. Er wurde am Ende hinter Jairus Birech (Vierter in 29:05), Leon Ndiema (beide Kenia/Fünfter in zeitgleichen 29:05) sowie Solomon Mutai (Uganda/Sechster mit 29:49) Siebenter in 30:00.

„Dass ich hier zum dritten Mal gewinnen konnte, erfüllt mich mit Stolz. Das war ein ganz spezieller Sieg, denn Kiprop hat es mir sehr schwer gemacht“, erklärte Imane Merga, der 2013 Silber bei den Crosslauf-Weltmeisterschaften gewonnen hatte. Der knapp geschlagene Kenianer erklärte: „Ich muss zufrieden sein. Ein zweiter Platz ist ein hervorragendes Ergebnis, und Merga hat verdient gewonnen. Natürlich wollte ich gewinnen, aber es kann eben nicht zwei Sieger geben. Es tröstet mich, dass es Olympiasieger Mo Farah in Bozen nicht besser ergangen ist. Jetzt warte ich auf eine Nominierung für die Halbmarathon-Weltmeisterschaften.“

Den 5-km-Lauf der Frauen gewann Maryam Jamal, die zweifache Weltmeisterin über 1500 m. Die gebürtige Ähtiopierin, die seit 2004 für Bahrain startet, ließ der 10000-m-Vize-Weltmeisterin Gladys Cherono aus Kenia auf den letzten 300 Metern keine Chance, obwohl es knapp war. Genau 16:00 Minuten war die Siegerzeit der Olympia-Dritten von London 2012. Jamal ist die erste 1500-m-Spezialistin, die in Bozen gewann. Nur eine Sekunde hinter ihr lief Cherono auf Platz zwei. Auf den Rängen drei und vier folgten die beiden Äthiopierinnen Afera Godfay (16:19) und Worknesh Degefa (16:25). Beste Europäerin war die Italienerin Margherita Magnani als Fünfte mit 16:27.

„Das war nicht einfach, denn Cherono ist auf den längeren Distanzen eine der besten der Welt. Als ich aber 300 Meter vor dem Ziel anzog, wusste ich, dass ich gewinnen werde. Ich war das erste Mal in Bozen am Start. Das ist eine tolle Veranstaltung, die Stimmung war einmalig“, sagte Maryam Jamal, während die zweitplatzierte Gladys Cherono erklärte: „Ich habe alles versucht, um Jamal abzuschütteln, denn ich wusste, dass sie im Finish sehr stark sein würde. Aber das ist mir leider nicht gelungen. Dennoch kann ich auch mit dem zweiten Platz zufrieden sein.“