Laufend aktiv als Leser-Reporter

Im Zickzack ins Ziel beim "Keep on running" in St. Wendel

Unser Leser-Reporter Wolfram Brunnmeier lief in St. Wendel gleich zweimal über die Ziellinie.

Brücken und Stege waren Bestandteil der abwechslungsreichen Streckenführung in St. Wendel.

Bild: Wolfram Brunnmeier

St. Wendel ist eine kleine Kreisstadt im Saarland und liegt an dem kleinen Flüsschen Blies und am Fuße des Bosenbergs (485 m). Zum dritten Mal veranstaltete das „Plan B-Team“ in Zusammenarbeit mit Salomon das „Keep on running“ in und um St. Wendel. Drei Läufe konnten hier innerhalb von drei Tagen absolviert werden. Der erste Lauf, der „City Night Sprint“, führt über drei Kilometer quer durch die Innenstadt. Ein weiterer Lauf ist der „Spiemont Trail“ von 31 km Länge mit 676 zu überwindenden Höhenmetern (Hm). Der Letzte im Bunde ist der „Bosenberg Trail“ mit einer Länge von 21,1 km und 538 Hm. Start und Ziel dieser Veranstaltung befinden sich auf dem historischen Schlossplatz von St. Wendel.

Ich hatte mich nur für die beiden Trailläufe angemeldet. In diesem Jahr fand das „Keep on running“ bei fantastischem Wetter statt. Ein Omegahoch bescherte uns Teilnehmern einen wolkenlosen Himmel und Temperaturen bis zu 27°C. Gott sei Dank wurde viel und lange im schattigen Wald gelaufen. Hier zeigte sich die Natur in ihrer beginnenden bunten Herbstfärbung.

Spiemont Trail

238 Teilnehmer hatten sich unter dem Startbogen versammelt. Nach erfolgtem Start ging es durch die historische Altstadt und vorbei an der „Wendalinus Basilika“ aus dem Jahre 1360. Bereits nach Kilometer eins ging es aus St. Wendel heraus, und man erreichte bei Kilometer zwei die 1755 erbaute „Wendalinus Kapelle“ am Fuße des Bosenbergs. Hier ging es in den schattigen Wald und erstmals bergauf. Danach folgte ein ca. 500 m langer Wiesenweg. Kurz darauf zeigte die Laufrichtung steil bergauf. Im Zickzack um Bäume und Wurzeln mussten etliche Höhenmeter bewältigt werden. Nach diesem ersten heftigen Anstieg gelangte man bei Kilometer drei wieder auf einen Wiesenweg und lief ein etwas längeres Stück außerhalb des Waldes. Bei Kilometer vier war man wieder im Wald und es ging nun über Trails und Waldwege ständig auf und ab. Erste Brücken über kleine Bäche und erste Holz- bzw. Naturstufen mussten bewältigt werden. Auch ging es oft an einem kleinen Berghang entlang, an dem man nur noch hintereinander laufen konnte. Langsam aber sicher verlor ich die Orientierung durch das ständige Kreuz und Quer, Rauf und Runter. Gott sei Dank war es dieses Jahr trocken, denn im Jahr 2010 war man bei diesem Trail mehr durch den Schlamm gerutscht als gelaufen. Flachpassagen, die ein wenig Erholung gebracht hätten, waren eher selten. Ständig wechselte auch der Untergrund, sodass man gezwungen war, sehr konzentriert zu laufen. Es ging über Stock und Stein, über Baumwurzeln und unter tiefhängenden Ästen entlang. Fünf Verpflegungsstellen, alle im richtigen Moment, waren mitten im Wald aufgebaut. Hier fand der Trailläufer alles, was ein Läuferherz begehrt; hier konnte sich jeder seinen eigenen Speiseplan zusammenstellen.

Fantastisch war die Streckenmarkierung mit Schildern und Bändern an und zwischen den Bäumen. Ganz toll war, dass jeder Kilometer im „Countdown-Prinzip“ angezeigt wurde. Natürliche Hindernisse aus Bruchholz mussten ab und an übersprungen oder umlaufen werden. Außerhalb des Waldes wurde eher selten gelaufen, jedoch konnte man diese kurzen Passagen zur Erholung nutzen. Kaum war man wieder im Wald, wurde es sofort crossmäßig und es ging weiterhin rauf und runter zwischen den Bäumen hindurch. Ein Traum für Liebhaber des Geländelaufs.

Malerische Kulisse in St. Wendel.

Bild: Wolfram Brunnmeier

Zwei Kilometer vor dem Ziel erreichte man wieder St. Wendel. Auf gepflasterten Wegen und asphaltierten Straßen ging es zurück in die Altstadt und noch einmal an der „Basilika“ vorbei, leicht bergab ins Ziel auf dem Schlossplatz. 31 schöne und interessante Kilometer fanden hier ihr Ende und haben Spuren in der Beinmuskulatur hinterlassen. Hoffentlich bin ich zum zweiten Lauf wieder fit.

Bosenberg Trail

Einen Tag später stand ich wieder unter dem Startbogen auf dem historischen Schlossplatz von St. Wendel. Es war genauso schön wie am Vortag, aber etwas frischer. Wieder waren alle angetreten, die den Trail- und Crosslauf lieben. An diesem Tag waren es nur 21,1 km, um die arg strapazierte Beinmuskulatur ein wenig zu schonen. Die ersten 4 km waren dieselben wie am Vortag. Wieder ging es an der „Basilika“ vorbei, wieder gelangte man bei Kilometer zwei an die „Wendalinus Kapelle“, wieder ging es über den herbstlichen Waldweg, man bewältigte den gleichen steilen Anstieg noch einmal, lief noch einmal über den Wiesenweg außerhalb des Waldes bis Kilometer vier. Anstatt rechts ab, ging es geradeaus weiter zum Bosenberg. Noch war der Waldweg breit wie eine Straße und es ging nur mäßig bergauf. Entlang eines Ackers ging es plötzlich links in den Wald und über einen Wurzelpfad ziemlich steil bergab. Nach der Überquerung der Landstraße L307 musste ein heftiger Anstieg, hinauf zur Bosenbergspitze, bewältigt werden. Lang und steil ging es nur im Wanderschritt voran. Kurze Flachpassagen wurden genutzt, um Zeit gutzumachen. Aber was bedeutet bei so einem Traillauf schon Zeit? Solche Läufe genießt und erlebt man. Sie sind das Revier des Genussläufers. Plötzlich, wie aus dem Nichts, erschien die Erste von drei Verpflegungsstellen, nach 6,6 km, mitten im Wald. Auch an diesem Tag war das Angebot an Speisen und Getränken vielfältig. Ab und an öffnete sich der schöne Wald, man lief über kleine Lichtungen mit herrlichem Wildwuchs. Auf dem ersten Drittel der Laufstrecke waren die Wege breit, man konnte bequem nebeneinander laufen und sich unterhalten.

Bild: Wolfram Brunnmeier

Treppen und steile Hänge erhöhten den sportlichen Anspruch.

Laut Roadbook sollte das zweite Drittel der spektakulärste Abschnitt des „Bosenberg Trails“ sein. Und richtig, nur ein paar hundert Meter später ging es tiefer in den Wald hinein und wieder kreuz und quer zwischen den Bäumen hindurch auf einem Trailweg steil bergab. Nach einer kurzen und steilen Rampe, auf der man nur wandern konnte, ging es wieder in den Wald hinein. Ab hier war dann Hüpfen und Springen angesagt. Der über Stufen und Stege führende Pfad wurde zunehmend anspruchsvoll. Unten angekommen ging es an einem kleinen Bachlauf kurz an einem Berghang entlang, um über einen wackeligen Holzsteg zur nächsten Treppenpassage zu gelangen. Wären hier keine Stufen am steilen Hang gewesen, hätte man diesen Anstieg bestimmt auf allen Vieren bewältigen müssen. Hatte man diesen Aufstieg geschafft, ging es über flaches Felsgestein und Strauchwerk weiter. Auch der folgende Anstieg war spektakulär, denn es mussten wieder diverse Stufen aus Holz und Felsgestein erklommen werden. Immer dichter wurde der Wald, und immer enger der Pfad. Hier wuchs der Farn mehr als einen Meter hoch, und die Felsen waren mit dichtem Moos bewachsen, einfach nur traumhaft schön. Über Serpentinen zog sich der Pfad entlang eines Felsbruches wie durch einen Märchenwald den Berg hinauf. Starkes Gegenlicht kündigte das Ende dieser Trailpassage an. Schade eigentlich, denn das hatte ich gesucht, hier machte es besonders viel Spaß zu laufen oder schnell zu wandern. Nachdem dieser herrliche Streckenabschnitt vorüber war, erreichte man wenig später bei Kilometer 12,1 die zweite Versorgungsstation. Hier gönnte ich mir etliche Becher kaltes Wasser, die ich mir nacheinander über den Kopf kippte. Anschließend genehmigte ich mir ein bereits aufgerissenes Tütchen Power Gel. Ich trank drei Becher Iso und gönnte mir einige Orangenstücke. Mehr passte nicht hinein, obwohl all die anderen köstlichen Sachen lockten. Nach dieser Versorgungsstation ging es aus dem Wald hinaus und entlang an Wiesen und abgemähten Feldern. Vor den Läufern erschien ein kleines Waldstück mit einem fantastischen Laubengang. Hier hatten sich die Baumspitzen wie zu einem Tunnel vereint. Leicht bergauf ging es auf einem Wiesenweg weiter, an Feldern vorbei, zum Einstieg in das nächste Waldgebiet. Mittlerweile lief ich alleine, da mein Mitläufer die Strapazen des Vortages spürte. Dies war mein Tag, und so enteilte ich ihm. Im Ziel kam ich sechs Minuten vor ihm an. Aus dem Mischwald war mittlerweile ein Fichten- und Tannenwald geworden. Es ging auf einem schmalen Pfad am Hang ständig bergab, über Wurzeln und Stufen zu einem schönen kleinen Waldsee. Kurz hinter dem See bei Kilometer 16,1 erreichte man dann die letzte Versorgungsstation. Auch hier kippte ich mir etliche Becher Wasser über meinen Kopf, gönnte mir ein Power Gel und trank einen Becher sehr kalte Cola. Wenig später gelangte man wieder an die Landstraße L307, allerdings an einer anderen Stelle als zuvor. Auf der anderen Straßenseite ging es über eine kleine, relativ neue Holzrampe kurz und knackig bergauf. Auch hier ging es weiterhin kreuz und quer, zwischen den Bäumen hindurch, zu dem Acker und der Stelle, an der man vor Stunden in diesen Wald eingetaucht war. Ab hier war die weitere Laufstrecke mit der Strecke des Hinwegs identisch. Tendenziell ging es von nun an bis ins Ziel bergab. Bei Kilometer 19,1 lief man noch einmal an der „Wendalinus Kapelle“, und 300 m vor dem Ziel an der „Basilika“ vorbei. Unter dem Jubel vieler Einheimischer ging mit dem Zieleinlauf ein weiterer schöner Traillauf zu Ende.

Fazit: Das „Keep on running“ ist eine tolle Laufveranstaltung. Zwei schwere Trailläufe in einer fantastischen Landschaft rund um St. Wendel. Der „Spiemont Trail“ ist der etwas schwerere Lauf, da es ständig auf und ab geht. Der „Bosenberg Trail“ ist der schönere und spektakulärere Lauf durch ein Waldgebiet mit urigen Pfaden und urwüchsiger Natur. Dieses Laufevent kann ich jedem Läufer, der gerne in der Natur läuft, wärmstens empfehlen.

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