Faszination Rennsteiglauf

Herrliche Ausblicke von den Höhenzügen

Zur Streckenhälfte lichtet sich der Wald bei sonnigen 10 Grad und den Läufern bieten sich herrliche Ausblicke in die Gegend.

Wald als öffentliche Toilette

Der Wald wird beim Rennsteiglauf zur öffentlichen Toilette. Ungeniert stellen sich die Männer an den Wegesrand zum Urinieren, während es die Frauen ins Unterholz verschlägt. Selbiges bleibt den Männern für die größeren „Geschäfte“ ebenfalls nicht erspart, es sei denn, sie nutzen eines der Dixi-Klos an den Versorgungspunkten. Noch auf der ersten Streckenhälfte des Rennsteiglauf verliere auch ich bei zwei Zwangsaufenthalten abseits des Weges kostbare Zeit. Ein Blick auf die Uhr bei der halben Distanz verrät mir, dass es bei 4:05 Stunden und einer erwartbaren Zunahme des Erschöpfungszustandes verdammt eng werden würde mit meiner Wunschzeit von unter acht Stunden.

An der Versorgungsstelle Ebertswiese bei Kilometer 37,5 weist ein Schild darauf hin, dass die Streckenhälfte geschafft ist. Wie tröstlich! Genau genommen ist sie schon überschritten. Hat der letzte Weg dorthin eine Weile bergab geführt, erinnert der nächstfolgende Abschnitt auf beschwerlichste Weise sofort wieder daran, dass es sich beim Rennsteiglauf um einen Berglauf handelt.

Läufer werden zu Wanderern

Die Temperaturen übersteigen mittlerweile die 10-Grad-Marke, und es ist sonnig geworden. Die Höhenzüge bieten herrliche Ausblicke in die Gegend, sofern der zu durchlaufende Wald sich lichtet. Mehrfach liegen kraftraubende Hammeranstiege wie der zum Inselsberg auf der Strecke des Rennsteiglaufs. Irgendwann wird es mir zu warm, sodass ich meine Kopfbedeckung abnehme. Vor allen Dingen in der zweiten Phase des Rennsteiglaufs sehe ich am Wegesrand etliche Gestrandete, die von Muskelkrämpfen geplagt werden und Dehnübungen veranstalten. Oder die selbst auf gerader Strecke das Laufen eingestellt haben und zu Wanderern geworden sind.

Unter den vielen Rennsteig-Läuferinnen und -Läufern, die mir noch am Morgen enteilt sind, erkenne ich im fortwährenden Verlauf einige wieder, die ich nun überhole, da sie mit ihren Kräften am Limit angelangt sind. So erging es mir im letzten Jahr, auch bedingt durch meine damalige Verletzung. Jetzt fühle ich mich immer noch gut, nehme in regelmäßigen Abständen meine Energietuben und mache auch an den Versorgungsstellen halt. Der Haferschleim macht irgendwie süchtig. Ansonsten trinke ich warmen Tee, Isogetränke und im späteren Verlauf auch Cola.

Unter-8-Stunden-Ziel fest im Blick

Nach Kilometer 54,2 und 837 m NN besteht am Grenzadler bei Oberhof, einer der Verpflegungsstellen mit Zwischenzeitnahme und gleichzeitig auch Zielankunft der Nordic Walker, die Möglichkeit des Ausstiegs und des Bustransfers zum Zielort Schmiedefeld. Von dieser Notwendigkeit bin ich weit entfernt. Dauernd wandert mein Blick auf die Uhr. Fieberhaft kalkuliere ich meine wahrscheinliche Zielzeit durch. Um Zeit einzusparen, und weil ich mich immer noch kräftig genug wähne, lasse ich diesen Halt aus und laufe einfach weiter.

Die Halbmarathonläufer sind um halb acht in Oberhof gestartet und allesamt längst im Ziel. Geblieben sind ihre Kilometermarkierungen, an denen auch wir Supermarathonis uns gut orientieren können. Denn auch die Halbmarathonläufer sind zum Grenzadler gelaufen und haben von dort aus denselben Weg genommen, den wir noch vor uns haben. Erschrocken nehme ich zur Kenntnis, dass diese Kilometerangaben mit denen meiner Uhr nicht übereinstimmen. Und zwar zu meinem Nachteil. Fast 1 ½ Kilometer hinken die Schilder meiner Uhr hinterher. Aus dem scheinbar sicheren Erreichen meines Minimalziels „U8“, dass in greifbare Nähe gerückt scheint, wird ein Vabanquespiel, das keine großen Verzögerungen mehr erlaubt.

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