Ultra-Trail du Mont Blanc Chamonix 2017

Heißer Kampf am kalten Mont-Blanc

Statt selbst zu laufen, musste unser Autor Klaus Dahlbeck beim bedeutendsten Trail-Event der Welt mit dem Journalistenprogramm Vorlieb nehmen. Er verfolgte er über zwanzig Stunden ein Rennen der Extraklasse.

Ultra-Trail du Mont Blanc 2017 - Fotos
UTMB 2017

Unterwegs beim UTMB 2017.

Bild: UTMB® - Pascal Tournaire

Jean-François muss scharf bremsen. In einer Kurve auf dem Weg Richtung nach Balme ist unser Bus auf ein Stauende gefahren. Im nächsten Moment brettert ein weißer Volvo-Kombi aus entgegengesetzter Richtung haarscharf am Bus vorbei. „François D’Haene“ steht auf der Fahrertür. Es ist das Teamfahrzeug eines Mitfavoriten auf den Sieg beim Ultra-Trail du Mont-Blanc (UTMB). Damit ist klar, dass wir die Spitze des Rennens verpasst haben werden, wenn sie im malerischen Schein eines offenen Feuers die Kirche Notre-Dame de la Gorge passiert. In den fünfzehn Jahren UTMB-Geschichte soll das im Journalistenprogramm noch nie vorgekommen sein, hören wir. Stets war man zeitig da, wenn die Führenden vorbeizogen. Sind die Läufer in diesem Jahr so schnell? Oder wir so langsam? Ich schaue auf mein iPhone. Die gemeldeten Zwischenzeiten bei dem als inoffizielle Weltmeisterschaft im Ultratrail geltenden Rennen liegen auf Rekordniveau.

Derweil stellt Claire, unsere Gruppenleiterin, Jean-François genauer vor: „Er war schon beim ersten UTMB 2003 als Busfahrer dabei. Damals hatte man für den Transport von Läufern, Helfern und Journalisten sechs Reisebusse im Einsatz. Inzwischen sind es 65.“ Kein Wunder, dass die Straßen überfüllt sind. Zumal neben den offiziellen Fahrzeugen die Autos tausender Fans den Verkehrsfluss andicken. Sie steuern Kontrollpunkte entlang der Strecke an, schlagen sich von Parkplätzen aus ins Gelände, und feuern die Läufer an. Tag und Nacht. Spitzenathleten genauso wie alle anderen der 2.537 Starter, die am Freitagabend um 18.30 Uhr in Chamonix in das 167 Kilometer lange Abenteuer aufgebrochen sind, das auf einer bergigen Tour einmal um den höchsten Berg Europas führt. Durch Frankreich, Italien und die Schweiz. Maximal 46 Stunden haben sie dafür Zeit. Längst ist aus der verrückten Veranstaltungsidee für ein paar hundert Trailrunner ein Mega Event mit über 8.000 Teilnehmern aus 92 Ländern und mehr als 250.000 Zuschauern geworden, der UTMB selbst nur noch ein Rennen neben fünf weiteren auf unterschiedlichen Distanzen. Okay, streichen wir das „nur noch“. Es ist und bleibt die Königsstrecke.

2013 konnte ich den UTMB finishen. Seither hat er mich nicht mehr losgelassen. Als ich im abgesperrten Pressebereich den Startschuss der 2017er Edition erwarte, sind alle Erinnerung von damals wieder da. Die vielen tausend Zuschauer am Start, einige mit Tränen in den Augen, so sehr fasst sie das große Vorhaben der Läufer an, die ihre Mütter, Töchter, Söhne, Väter sind. Freunde oder einfach nur Brüder und Schwestern im Geiste. Das hundertfache Abklatschen der Kinderhände auf den ersten Kilometern, die schlaflosen Nächte, die Halluzinationen, der magische Sonnenaufgang am Col de la Seigne, die Kameradschaft unterwegs. Ich fühle das jetzt alles und kann den Emotionsschub kaum aushalten. Bloß schnell ablenken, bevor ich losheule wie Cristiano Ronaldo nach dem EM-Finale 2016.
Ich blicke auf die erste Reihe und entdecke, weit links stehend, den Superstar der Szene, Rekordbergsteiger Kilian Jornet. Lachend und flachsend filmt er mit seinem Handy und interviewt dabei Laufkollegen. Ich sehe den riesenhaften François D’Haene mit konzentrierter Haltung ins Nichts blicken und Xavier Thévenard auf den Boden schauen. Diese drei vereinen 3+2+2 Siege beim UTMB auf sich. Keiner von ihnen wurde auf dieser Strecke je geschlagen. Zum ersten Mal treten sie nun beim UTMB gegeneinander an, schon deshalb wird die 15. Austragung in die Geschichte eingehen. Fernsehteams und Reporter aus allen Erdteilen sind angereist, um das Rennen zu verfolgen. Außerdem ist mit Jim Walmsley der Führende der ITRA-Weltrangliste als Herausforderer dabei. Aber die US-Amerikaner haben beim UTMB noch nie siegen können. Selbst der legendäre Scott Jurek nicht. Es scheint wie ein Fluch. Zappelt Walmsley deshalb so herum, weil ihm Erwartungsdruck und Nervosität zusetzen?

Der Startschuss. Die erste Reihe rast los, locker in sub 4er Pace. Kilian filmt immer noch. „Das Video lädt er unterwegs sicher noch hoch,“ raune ich einem spanischen Kollegen zu. Der lacht. Ich bin hin und hergerissen, ob ich Kilians Filmerei cool oder überheblich finden soll. Es ist ein bisschen von beidem.

Der letzte Starter ist noch nicht um die erste Kurve gebogen, da joggen wir mit dem Pressetross schon Richtung Bus. Abfahrt nach Saint-Gervais, wo die Läufer nicht nur 21,3 Kilometer geschafft haben werden, sondern auch satte +954/-1.162 Höhenmeter. Dort angekommen, geleitet Claire uns in die Pur Bar, beim UTMB immer reserviert für die Journalisten. Uns bleiben 15 Minuten für Wantans, grüne Oliven, Baguette und Bier bevor die Läufer kommen und wir die paar Meter rüber an die Strecke gehen. Bis zum Eintreffen der ersten Frau, so gibt es der straffe Zeitplan vor, ist Gelegenheit Fotos zu machen und Eindrücke zu sammeln. Danach wieder ab zum Bus. Jim Walmsley biegt als erster um die Kurve, während er ein paar Zuschauer in der überfüllten Innenstadt des Örtchens abklatscht. Die Uhr zeigt 1:42:15. Gut eine Minute später kommt Kilian durch, kurz dahinter liegen François und Xavier. Verdammt schnell, wenn man bedenkt, dass den Burschen noch die Distanz von sieben weiteren Halbmarathons auf bergigem Terrain bevorstehen. Es scheint tatsächlich die von den Experten erwartete epische Schlacht zu werden. Alle Favoriten geben Vollgas. Als Nuria Picas die Zeitmessung passiert, ziehen wir ab.

Wir stehen immer noch im Stau, und mittlerweile hat es zu regnen begonnen. Schlechtes Wetter war bereits lange vor Rennbeginn prognostiziert worden und hatte die Veranstalter bewogen, nicht nur den Start um 30 Minuten nach hinten zu verschieben, sondern auch zwei felsige Abschnitte aus dem Streckenverlauf zu nehmen, wo die Temperaturen in der Nacht auf den Gefrierpunkt sinken könnten. Gepaart mit den starken Winden und dem nassen Untergrund eine eisige Falle für die Läufer.

Endlich erreichen wir die völlig zugeparkte Zufahrtsstraße vor der Kirche Notre Dame de la Gorge. Von weitem schon sehen wir das Feuer lodern. Ich ziehe Regenjacke und Stirnlampe aus dem Rucksack, den ich vollgestopft habe mit warmer Kleidung, Handschuhen, Mütze, Buff, Getränken, Riegeln. Der Aufstieg von hier Richtung La Balme ist zwar nicht lang, maximal 40 Minuten, aber in den Bergen weiß man nie. Erwischt uns eines der angesagten Gewitter, müssen wir vielleicht irgendwo ausharren und frieren uns den Arsch ab. Also besser auf Nummer sicher gehen.

Lächelnd trotz der Strapazen rennen diese beiden beim UTMB.

Bild: UTMB® - photo : Pascal Tournaire

Trotz der miesen äußeren Bedingungen stehen die Fans dicht gedrängt am Streckenrand und feuern an. Ich mache gerade die ersten Schritte den Berg hinauf als Carolin Chaverot mit energischen Stockeinsatz an mir vorbeizieht. Die Französin habe ich als klare Favoriten auf dem Zettel. Alles andere als ihr Sieg bei den Frauen scheint mir abwegig, so sehr hat sie die Ultradistanzen in den letzten eineinhalb Jahren dominiert. Die drei Minuten, die sie aktuell hinter Nuria Picas liegt, würde sie in den nächsten gut zwanzig Stunden sicher wettmachen können. Die Männerspitze war längst über den Berg, den wir jetzt hochsteigen, um reichlich unterhalb des Gipfels in einem Zelt vor der Hütte La Balme ein Abendessen einzunehmen. Auf dem Speisezettel stehen Diots, eine schweinische Wurstspezialität aus dem Savoyen mit Polenta. Dazu gibt’s Flaschenbier. Nach 45 Minuten ist die Pause vorbei, und wir steigen wieder ab Richtung Kirche. Immer noch kommen uns reichlich Läufer entgegen. Sie liegen im ersten Drittel des Feldes. Bis die letzten hier vorbeikommen, werden noch über zwei Stunden vergehen. Aber dann sind wir längst zurück in Chamonix, um uns für eine zweistündige Nachtruhe aufs Ohr zu hauen.

3:30 Uhr. Der Vibrationsalarm meiner Garmin holt mich aus dem Tiefschlaf. Mein erster Griff geht zum Handy. Liveticker. Wie steht’s um die Läufer? Nicht nur aus der Spitze sondern auch aus dem persönlichen Bekanntenkreis im nachfolgenden Feld. Besonders sorge ich mich um Falk, der erst am Vortag nach einer durchfahren Nacht aus Berlin eingetroffen war. Und Benjamin aus Dänemark mit dem ich 2016 beim Tor de Geants zig Kilometer gemeinsam gelaufen bin. Auch wie die deutsche Zugspitz-Ultratrail-Siegerin Lisa Mehl vorankommt, interessiert mich. Stand der Dinge: Alle drei sind noch im Rennen und für ihre Verhältnisse gut in der Zeit. Ich bin beruhigt. Falk nahezu gleichauf mit Lisa, die im Frauenfeld in der Region um Platz 40 liegt. Jim, François und Kilian haben Courmayeur bereits hinter sich gelassen und auch schon den brutalen Anstieg zum Refuge Bertone geschafft. „Dort haben sie den Weg an die Wand genagelt,“ sagt mein alter Laufkumpel Markus immer, wenn wir auf den UTMB zu sprechen kommen. 39 Minuten brauchten Kilian und Co. für die 3,1 Kilometer hinauf.

Es ist Punkt 4 Uhr als ich den Treffpunkt für die Busabfahrt erreiche, und mir dämmert, dass ich schlaftrunken und in der Hektik des Aufbruchs meinen Akkreditierungspass im Zimmer liegen gelassen habe. Böse Sache, denn mein offizieller internationaler Presseausweis ist hier nichts wert, wenn es darum geht in abgesperrte Bereiche vorgelassen zu werden. Aber fürs Zurückrennen fehlt die Zeit. Ich würde mich durchmogeln müssen.

Im Bus sehen wir uns Kilian’s Video vom Start an. Der Typ hat es tatsächlich unterwegs hochgeladen und schon tausende Likes kassiert. Was wir noch nicht wissen: dass es am Ende 31 Minuten sein werden, die er unterwegs mitgeschnitten hat.

Der Bus nimmt Kurs auf Lac Combal, den für mich magischsten Ort des Rennens. Ein abgelegenes Hochtal im Grenzgebiet von Frankreich und Italien, Naturschutzgebiet, knapp 2.000 Meter über dem Meeresspiegel gelegen. Die Berge spiegeln sich in einem kleinen See. Man kann sich kaum satt sehen an der Szenerie dort oben, wo auch ein Kontroll- und Verpflegungspunkt eingerichtet ist. Bereits viele Kilometer vor Lac Combal müssen wir vom großen Bus in Mini-Vans umsteigen. Und auch die können uns nur noch ein kleines Stück voranbringen. Zu Fuß geht es im Morgengrauen weiter bis zum See. Die Läuferinnen und Läufer, die uns jetzt begegnen sind im hinteren Drittel unterwegs. Plötzlich wird die Ruhe von einem pulsierenden Dröhnen zerrissen. Ein Hubschrauber, aus dem gefilmt wird, fällt ins Tal ein. Der UTMB-TV-Kanal, der nonstop über das Rennen berichtet, braucht unablässig neuen Stoff. Dank internetfähiger Fernseher ist der Rennverlauf auch in vielen Bars, Restaurants und Cafés rund um den Mont-Blanc live zu sehen.

Kaum ist der Hubschrauber weg, vernehme ich ein Surren und schaue hoch. Eine Kameradrohne fliegt über uns und die Läufer hinweg. Claire will wissen wie es um Xavier Thévenard steht, der aus ihrer Heimat stammt und dem sie für das Rennen besonders die Daumen drückt. Ich habe Netz, 3G sogar, und schaue nach. „Pas bon“ rufe ich ihr zu. Um den Franzosen, den ich mit Kilian und François auf dem Podium gesehen habe, als wir im Kollegenkreis auf den Ausgang des Rennens tippten, schien es wirklich nicht gut zu stehen. Aktuell nur Platz 9. Xavier hatte mir beim Transvulcania erzählt, dass er beim UTMB streng nach Zeitplan laufen und sich nicht ans Tempo der anderen hängen würde. Auf deutlich unter 21 Stunden soll es für ihn hinauslaufen. Aber die Kursänderung wenige Stunden vor dem Start hat ihn ein wenig nervös gemacht, verriet mir seine Managerin noch kurz vor dem Start. Wahrscheinlich war auch bis zu ihm durchgesickert, was Kilian im kleinen Kreis verlauten ließ. Obwohl die Änderung mit drei Kilometern Verkürzung nur maximal 30 Minuten Einsparung bedeuten würde, geht der in Norwegen lebende Katalane davon aus, dass eine Zeit von 19 Stunden unterboten werden könnte, wenn es gut läuft. Sub 19 Stunden, das ist mal eine Ansage. Der Streckenrekord von François D’Haene liegt bei 20:11 Stunden aus 2014.

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Foto: Franck Oddoux/Pascal Tournaire - UTMB®2017

Als ich den aktuellen Stand in Englisch an einen Kollegen aus Ungarn weitergebe, dreht sich ein Läufer zu mir um. „Who’s in the lead?“ fragt er und stellt sich als Thierry vor. Ich laufe ein Stück mit ihm, berichte vom aktuellen Renngeschehen an der Spitze, und er erzählt mir, dass es bereits sein siebter UTMB ist. Sechs mal konnte er schon finishen, zuletzt 2011, als Kilian Jornet seinen letzten von drei Siegen einfuhr. Seither ist es deutlich schwieriger geworden, einen Startplatz zu ergattern. Neben den verschärften Qualifikationsanforderungen stieg auch die Zahl der Bewerber. Die Chance auf einen Startplatz steht aktuell bei etwa 1 zu 2,5. Ein Losverfahren regelt die Vergabe. Ausgenommen sind Spitzenläufer, die im Ranking der Internationalen Trailrunning Association (ITRA) über die nötige Punktzahl verfügen.

Unsere Gruppe biegt von der Rennstrecke ab und steigt hinauf zum Rifugio Elisabetta auf 2.200 Metern gelegen. Endlich Frühstück. Mein Magen knurrt schon eine Weile. Obwohl knapp auf italienischem Boden gelegen, ist das Frühstück ziemlich französisch. Baguette, Konfitüre, süße Kekse, Kaffee. Noch bevor ich zubeiße, zieht es kariös in den Zähnen. Aber wer will bei so einem Rennen zimperlich sein, egal ob laufend oder begleitend? Ich gehe zeitig wieder hinaus, um noch eine Weile den Blick von hier oben auf das Val Veny und Lac Combal zu genießen. Die Läufer sind nur als kleine bunte Punkte vor gewaltiger Felskulisse zu erkennen.

Next Stop: Courmayeur-Dolonne, wo die Laufspitze schon vor über acht Stunden durchzog. Das Wetter ist sonnig, und wir haben Gelegenheit ins Allerheiligste des Kontrollpunkts vorgelassen zu werden. Dorthin, wo die Läufer ihre Drop Bags in Empfang nehmen und Kleidung und Schuhe wechseln können. Wo sie eine warme Mahlzeit bekommen, und Gelegenheit besteht, sich von persönlichen Betreuern umsorgen zu lassen. Blasen aufstechen, Wunden versorgen, mentalen Zuspruch einholen. „Accreditation?“ fragt mich eine Dame am Eingang. Ich versuche mein Problem zu erklären, hole meinen Presseausweis aus der Tasche und bin schließlich dankbar, dass mir Kollege Tom zur Seite springt, der seine Zugangsberechtigung vorzeigt und bezeugt, dass ich zum Pressetross gehöre. Ärger steigt kurz in mir hoch. Wie konnte ich nur so gedankenverloren losziehen, ohne Ausweis. Minimalschlaf ist keine Entschuldigung.

Drinnen eine Melange aus Gerüchen, wie ich sie nur von hier kenne. Tomatensauce, Pferdesalbe, Hirschtalg, Schweiß, Käsemauken. Ich schaue mich um, suche nach bekannten Gesichtern unter den Hunderten, die halbnackt auf Bänken hocken und ihr Geraffel sortieren. Aber ich sehe keine. Meine keineswegs zimperliche Nase hat trotzdem bald genug, und ich verlasse das Etablissement, treffe aber am Eingang noch Gabi und Yvonne, zwei Läuferinnen aus Deutschland, die mir im Laufe der Jahre bei diversen Veranstaltungen in der Heimat schon über den Weg gelaufen sind. Ein paar aufmunternde Worte und weiter im Bus Richtung Chamonix, wo man sich auf das Einlaufen der Spitze vorbereitet. Gleich hinter dem Tunnel, auf der Nordwestseite des Mont-Blancs, ist es mit der Sonne vorbei. Statt dessen Regen, Wind und kühle Temperaturen. Ein Graus für die Läufer, die jetzt da durch müssen, übermüdet und abgekämpft. Im Zielbereich haben sich bereits Tausende Zuschauer versammelt und verfolgen auf der Videoleinwand das Geschehen. François D’Haene kommt am letzten Kontrollpunkt in La Flegere durch. Er führt 15 Minuten vor Kilian Jornet und 50 Minuten vor Tim Tollefson (USA). Da passiert nichts mehr. Das Ding ist durch. Dann geht ein Raunen durchs Publikum. Auf der Leinwand ist zu sehen wie Xavier Thévenard mit kraftvollem Tritt an Jim Walmsley vorbeizieht. Von Platz 9 hat er sich auf Platz 4 zurückgekämpft. Wird er auch noch Tollefson kassieren und aufs Podium springen?

Conquest of Paradise, die Hymne des UTMB dröhnt aus den Lautsprechern. Die Moderatorin ruft „Last kilometer for François D’Haene!“ Auf der Leinwand ist jetzt nahezu jeder Schritt des Franzosen zu sehen. Wie er sich durch die Pulks der Zuschauer Richtung abgesperrte Zielzone bewegt, siegesgewiss lächelnd. Dann wird es laut. François biegt auf die letzten 50 Meter ein. Die Zuschauer trommeln mit ihren Händen gegen die aufgespannten Werbebanner an den Absperrgittern. Sie schreien und jubeln. Hände strecken sich François entgegen, der sie der Reihe nach abklatscht. Dann ist er drin. Nach 19:01 Stunden. Eine Fabelzeit. Kilian folgt in 19:16, gratuliert François fair zum Sieg, und es es scheint als freut er sich sogar ein Stück für seien Kollegen aus dem Salomon-Team mit. denn nichts liebt Kilian mehr als Rennen mit Konkurrenten, die ihm das letzte abverlangen. Außer sich vor Freude läuft Tim Tollefson als Dritter ein (19:53) vor Xavier Thevenard (20:03) und Jim Walmsley (20:11). Noch nie lagen die Top 5 im Ziel so eng beieinander. Bei den Frauen gewinnt Nuria Picas (25:46) ganz knapp vor Andrea Huser (25:49) und Christelle Bard (26:03). Caroline Chaverot musste in Arnuva (km 95) verletzungsbedingt aussteigen. Lisa Mehl lief in 33:20 Stunden als beste Deutsche auf Platz 29 im Frauenfeld ein. Schnellster Landsmann war Michael Chromik in 29:49 auf Platz 114.

Der UTMB 2017 hielt sein Versprechen, als spannendster und hochkarätigster Ultratrail aller Zeiten in die Geschichte einzugehen. Alle Favoriten haben alles rausgehauen, was sie hatten. Keiner stieg aus. Keiner enttäuschte. Und das beste ist wahrscheinlich der Sieg von Francois D’Haene. Denn Kilian Jornet, der nach sechs Jahren Abstinenz erstmals wieder dabei war, wäre nach einem Sieg vermutlich nicht mehr zurückgekehrt. Jetzt wird er es nochmal wissen wollen. Und er wird besser vorbereitet sein als in diesem Jahr, wo der Aufstiegsrekord am Everest im Mittelpunkt stand. Wenn dann auch Luis Alberto dabei sein kann und Jim Walmsley psychisch stabiler wird, könnten wir 2018 ein noch spannenderes Rennen erleben. Und vielleicht bin ich dann auch wieder mittendrin statt nur dabei.

Der UTMB 2017 in Zahlen:



Streckenlänge: 167,5 km
Höhenmeter: +9.457
Teilnehmer: 2.537
Finisher: 1.686
Did not finish (DNF): 851 (33,5%)
Schnellste Zeit: 19:01:54
Langsamste Zeit: 46:15:23
(Wer bis km 160 km immer unterhalb der Zwischenzeitlimits bleibt, wird auch nach Ablauf der Zielschlusszeit von 46 Stunden noch gewertet)

Weitere Rennen: TDS (119 km), CCC (100 km), OCC (56 km). Dazu der PTL als Team-Orientierungslauf und der YCC für Jugendliche zwischen 16 und 22 Jahren. Alle Infos dazu auf der Seite des UTMB.

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