Zoff im Kenia-Team

Heimvorteil dahin?

Gleich zwei prominente Starter fehlen, wenn Kenia im eigenen Land den Cross-Titel verteidigen will.

Ausgerechnet vor dem Heimspiel in der Hafenstadt Mombasa ist in die intensive Vorbereitungsphase der Kenianer auf die 35. Cross-Weltmeisterschaften kräftig Zoff geraten. Nach einem Disput mit Teammanager Paul Mutuii im Trainingslager und seiner Nicht-Nominierung für die Männer-Mannschaft brach der 5000-m-Weltmeister von 2003, Eliud Kipchoge, die Vorbereitung ab. Ebenso wurde Martin Mathathi nicht nominiert, so dass gleich zwei prominente Starter fehlen, wenn am Sonnabend auf der Golfanlage am Stillen Ozean Kenia den im Vorjahr in Fukuoka errungenen Team-Titel verteidigen will.

Um die Einbindung von Eliud Kipchoge in die Vorbereitung hatte es bereits im Vorfeld schon Diskussionen gegeben, denn er ging bei den alles entscheidenden Trials vorzeitig aus dem Rennen. Der zeitweise in Japan lebende 21-jährige Vorjahres-Dritte Martin Mathathi fehlte zu allem Überfluss bei den Trials und steht ebenso wenig im Team.

„Eliud fühlte sich unwohl“, sagte Kipchoges Coach Joseph Chelimo in Eldoret, „es gibt Anzeichen für Malaria!“ Nach der Aussage von Chelimo wird Eliud Kipchoge, der Junioren-Cross-Weltmeister von 2002, mit Medikamenten behandelt und wird sich auf die Aufgaben der Sommersaison vorbereiten. Und diese sehen immerhin Weltmeisterschaften in Osaka vor.

So ruhen Kenias Hoffnungen auf eine Einzelmedaille auf Hosea Mwok Macharinyang, den mehrfachen Medaillengewinner bei Junioren-Weltmeisterschaften und Vorjahres-Sechsten. „Ich hoffe auf einen großen Auftritt“, sagt Macharinyang, der 2004 international als Sechster der Cross-WM in Brüssel debütierte.

Inzwischen hat sich die Anzahl der Nationen auf 66 reduziert, die bei den 35. Cross-Weltmeisterschaften, der dritten Austragung nach Stellenbosch (1996) und Marrakesch (1998) auf afrikanischem Boden, starten werden. Dies sind immerhin sieben mehr als im Vorjahr in Fukuoka. Erstmals seit längerem wird der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) mit einer Juniorenmannschaft starten. Die DLV-Vertretung wird mit Nachwuchs-Bundestrainer Werner Grommisch (Essen) am Donnerstag nach Ostafrika reisen.

Mit Kenenisa Bekele, Tirunesh Dibaba, Gelete Burka und der kenianischen Juniorensiegerin Pauline Korikwiang sind immerhin vier der Vorjahressieger unter den knapp 600 gemeldeten Athleten auf dem Mombasa Gold Course am Start. Für den 24-jährigen Ausnahmeläufer Kenenisa Bekele geht es um den sechsten Sieg in Serie über die Langstrecke – eine Kette, die bisher keiner erreicht hat.

Wilfried Raatz aus Mombasa
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