Leserreporter Helmut Linzbichler

Harte Etappen beim Himalayan Stage Run

Helmut Linzbichler lief am Fuße des Himalaya einen Ultra-Trail. Die Etappen hatten es nicht nur streckentechnisch in sich.

Himalayan Stage Run Indien: 22 Fotos

Leserreporter Helmut Linzbichler Ziel

Die beiden Gesamtsieger Kellie Emmerson und Tegyn Angel, beide aus Australien, im Ziel der 5. und letzten Etappe, zurück in Manebandjyang.

Bild: Helmut Linzbichler

Vier Jahreszeiten an einem Tag

Es war ein durchaus schöner Morgen, mit Trommeln und Blasmusik wurden wir auf die Reise geschickt. Ich hatte den Eindruck, dass alle es eher gemütlich angingen, doch bald schon setzte sich der 18-jährige Kanadier Macgregor Prawdzik an die Spitze und gewann diese erste Etappe in 5:08 Stunden vor dem australischen Paar Kellie Emmerson und Tegyn Angel, die 9 Minuten später die Ziellinie überschritten. Nicht so gut ging es den langsamen Läufern. Unerwarteterweise kam noch vor Mittag Nebel auf und auf einmal erlebten wir alle vier Jahreszeiten auf einmal. Es begann zu regnen, dann zu graupeln, welches in Hagel überging und zuletzt begann es auch noch zu schneien, das hatte es bisher nur ein einziges Mal überhaupt gegeben. Vollkommen durchnässt und durchfroren erreichte ich nach 7:56 Stunden zusammen mit Ewald Komar aus Deutschland Sandakphu.

Am nächsten Tag schien alles wie gewohnt: strahlend blauer Himmel, Bodenfrost und die Achttausender zum Greifen nah. Aber schon nach kurzer Zeit zogen Wolken auf und verhüllten die Sicht auf die Berge. Wenigstens blieb es trocken, aber es war den gesamten Tag richtig kalt. Wieder gewann Macgregor vor dem australischen Paar (3:33 h zu 3:39 h).

Tag 3 – Marathondistanz

Alles trieft vor Nässe, wir stecken hier in dichtem Nebel. Ich beschloss an diesem Tag nicht zu laufen, eingedenk einer leichten Verletzung im linken Knie. Die nassen Pflastersteine und der wahrscheinlich schlüpfrige Abstieg nach Rimbik waren mir zu gefährlich. So wanderte ich mit den Walkern über eine Abkürzung hinunter und lernte dabei eine Strecke kennen, die ich bisher nicht kannte. Die Australier und der Kanadier kommen zeitgleich nach 6:10 Stunden ins Ziel.

Tag 4 – die Kurzdistanz

Es geht auf einer löchrigen Asphaltstraße zuerst von Rimbik bergab und dann etwa zehn Kilometer stetig bergauf, wenngleich auch nicht steil. Hinunter hatte ich leichte Probleme mit meinem Knie, aber hinauf ging es wie am Schnürchen, es war Genuss pur und der Lohn war nach 2:30 Stunden ein Platz im Mittelfeld.

Angesichts dieser Dimensionen relativiert sich unweigerlich das Sagen von der „Größe des Menschen“. Kangchenzönga mit Kabru links, im Bild Jeffrey B. Levy und Courtney Scaife (beide USA).

Bild: Helmut Linzbichler

Während die beiden Australier weiter wie ein Uhrwerk liefen (Etappenzeit 1:50 Stunden), hatte Macgregor einen rabenschwarzen Tag. Er kam nicht in Fahrt, klagte über Unwohlsein – schloss jedoch einen verdorbenen Magen kategorisch aus und war deprimiert über seine schwache Endzeit von 2:18 Stunden.

Tag 5 – das Finale

Macgregor warf das Handtuch und fuhr mit dem Jeep ins Ziel, während Kellie und Tegyn wie in den Tagen zuvor die Etappe gemeinsam beendeten (2:49 h) und damit unangefochten Damen- und Herrenklasse für sich entschieden. Für mich das Bild wie am Vortag, nur umgekehrt. Die rund zehn Kilometer bergauf am Anfang konnte ich fast mit der Spitzengruppe mithalten. Als es dann aber bergab ging, war es vorbei. Ich versuchte trotzdem die gesamte Etappe so richtig zu genießen, auch in dem Bewusstsein, dass ich nie mehr hierher zurückkommen würde. Und plötzlich war auch Ewald wieder an meiner Seite. Zusammen überquerten wir die Ziellinie in Manebandjyang nach 4:03 Stunden, so wie wir es auch in der ersten Etappe gemacht hatten.

Wir kehren noch am gleichen Tag nach Mirik zurück, wo mit einem Galadinner und der Siegerehrung die Veranstaltung offiziell endet. Tags darauf gemeinsamer Rückflug nach Delhi und dann zerstreut sich die ganze Gruppe wieder über den gesamten Globus.

Abschied mit Tränen in den Augen

Deutschland war mit sechs Teilnehmern (vier Frauen und zwei Männer) hinter Großbritannien mit zwölf Teilnehmern die zahlenmäßig zweitgrößte Nation und konnte mit Heidemarie Michaelis-Steck und Gerlinde Hochstein die Plätze 5 und 6 in der Gesamtwertung belegen. Berücksichtigt man zudem noch das Alter der beiden (60 und 62 Jahre), war dies eine tolle Leistung.

Zum ersten Mal in der Geschichte des Rennens gab es für Damen und Herren die gleiche Gesamtsiegerzeit (19:45 h) durch Kellie Emmerson und Tegyn Angel (beide Australien), die alle Strecken gemeinsam gelaufen waren. Platz 2 und 3 bei den Damen erreichten Linda Wilson (Kanada, 22:26) und Heidemarie Michaelis-Steck (Deutschland, 23:37), bei den Herren waren dies Simon John Puttock (Großbritannien, 22:28) und Jeffrey Brett Levy (USA, 24:11).

Pandey verabschiedete uns mit Tränen in den Augen, er hatte sich endgültig seinen Traum von 25 Jahren Himalayan Stage Race erfüllt. Namaskar und alles Gute weiterhin, Pandey!

Alle Informationen über diese Veranstaltung inklusive Ergebnisse und Kosten sowie die Daten für 2016 können unter www.himalayan.com bequem abgerufen werden.

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Ein Mann, ein Traum, ein Rennen