Krebs-Patientin beim Wolfsburg-Marathon

Halbmarathon trotz Chemotherapie

Unsere Leserreporterin Angela Hartmann ließ sich durch Brustkrebs-Diagnose und Chemotherapie nicht unterkriegen und finishte in Wolfsburg den Halbmarathon.

Laufen nach Chemotherapie

Angela Hartmann fing schon zehn Tage nach Brustkrebs-OP und Chemotherapie wieder mit dem Laufen an, schaffte dann den Halbmarathon in Wolfsburg und denkt jetzt sogar über den Marathon im nächsten Jahr nach. Ihr Motto: "Ich beherrsche die Krankheit und nicht umgekehrt"

Bild: Privat

Zwei Tage nach dem Hamburg-Marathon kam die Diagnose: Brustkrebs! Wäre ich nicht zum Screening gegangen, sähe das Ganze wohl heute anders aus. Erst war ich völlig erschlagen, dann gerät man in eine Art Therapiestudel. Zufällig war dann auch noch zeitgleich ein Artikel über eine Betroffene in der RUNNER’S WORLD. Sie hatte ein halbes Jahr nicht laufen können! Bei den Gesprächen für die OP und auch für die anschließende Chemotherapie wurde ich immer wieder auf die Notwendigkeit und Effizienz von Bewegung hingewiesen. Allerdings war Laufen nicht die erste Option.

Halbmarathon trotz Chemotherapie

Trotz allem habe ich am zehnten Tag wieder begonnen, langsam zu traben. Zunächst schaffte ich nur 100 Meter, das war sehr frustrierend! Irgendwann konnte ich aber trotz zeitweise massiv auftretender Übelkeit wieder fünf bis sechs Kilometer laufen. Dann erschien in der Zeitung die Ankündigung für den Wolfsburg-Marathon am 14. September 2014 – es wurden Helfer gesucht. Seit sieben Jahren war ich in Wolfsburg den Halbmarathon immer selbst gelaufen. Und da keimte die Idee: Halbmarathon trotz Chemo.

Angela Hartmann trug ihr persönliches Laufmotto in Wolfsburg auf dem T-Shirt.

Bild: Privat

Okay von den Ärzten

Meine Onkologin war zwar nichts wirklich begeistert, hat aber auch nicht komplett abgeraten. Da ich selbst Ärztin bin, habe ich noch einen Freund, der Onkologe ist, sowie einen Oberarzt in der deutschen Sporthochschule in Köln gefragt. Beide haben das Okay gegeben. Das Training war anfangs mühsam, das Fehlen roter Blutkörperchen machte sich an jedem Berg bemerkbar. Was ich früher nicht kannte: nach ungefähr 90 Minuten ging mir die Kraft aus, ich musste gehen! Die Lösung: ich hatte durch die Chemo und die damit verbundene Übelkeit acht Kilogramm verloren und konnte nicht wie früher nüchtern laufen. Mit einer Banane als Frühstück lies sich auch das meistern.

Lauftraining im Urlaub

Nach drei Wochen Urlaub in bergigem Terrain und einigen Läufen ans Meer hatte ich meine Zuversicht zurück. Angemeldet habe ich mich aber trotzdem erst drei Tage vor dem Wolfsburg-Marathon. Am Samstag habe ich noch versucht, einen Mitläufer für die letzten Kilometer zu finden – und mit Sarah, einer Freundin meiner Kinder, eine Mitläuferin für die gesamte Distanz gefunden.

Laufen nach Chemotherapie

Bild: Privat

Angela Hartmann lächelnd unterwegs beim Halbmarathon in Wolfsburg.

Wolfsburg-Halbmarathon oben ohne

Der Lauf an sich war dann richtig toll. Um auf mich aufmerksam zu machen bin ich "oben ohne", also ohne Mütze oder Cap, gelaufen. Durch eine Verbesserung der Streckenführung – es geht jetzt um das Wolfsburger Schloss – ist nächstes Jahr vielleicht sogar der Marathon interessant. Ich bin sowieso eher eine Laufschnecke; um mich nicht zu überfordern, wollte ich beim Halbmarathon unter drei Stunden bleiben. Am Ende hat sogar für 2:30 Stunden gereicht.

Anderen Chemotherapie-Patienten Mut machen

Und ein kleines Schmankerl gab es oben drauf: einer meiner Patienten hatte die Zeitung informiert. So konnte ich uns am nächsten Morgen sogar mit einem Foto bewundern. Mit meiner Geschichte möchte ich anderen Patienten mit Chemotherapie Mut machen, sich nicht einzuigeln. Meine Standard-Sprüche sind; "Schön ist anders", aber "Ich beherrsche die Krankheit und nicht umgekehrt"!

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