Sperren für äthiopische Läufer

Haile verschont, Bekele erbost

Während Haile Gebrselassie sich clever verhalten hatte und beim Pflichttraining erschien, zeigt sich Kenenisa Bekele über den „Amoklauf“ der Funktionäre erbost.

Nicht auf der Liste der gesperrten Athleten findet sich übrigens der Name von Haile Gebrselassie. Der äthiopische Volksheld gilt als quasi unantastbar, und er hat sich wohl auch cleverer verhalten. „Ich habe mit Haile gesprochen. Er ist ein paar Mal zu dem offiziellen Training gegangen“, sagte Valentijn Trouw und fügte hinzu: „Haile wäre sicherlich eine Person, die bei diesem Problem hervorragend vermitteln könnte. Aber ich denke, die Situation kann sich auch so lösen, zumal die Athleten individuell mit den Verbands-Funktionären sprechen müssen.“

Erbost zeigte sich Kenenisa Bekele nach dem „Amoklauf“ der Funktionäre. Er hatte, wie Vanlentijn Trouw bestätigte, von seiner Sperre nicht einmal direkt von den Verantwortlichen erfahren sondern aus dem Fernsehen. Gegenüber seinem Management erklärte der Olympiasieger und Weltrekordler in einer ersten Reaktion sogar: „Dann laufe ich eben für ein anderes Land!“ So weit wird es sicherlich nicht kommen, und Bekeles Drohung erklärt sich auch mit der mangelnden Achtung, die ihm trotz seiner Erfolge für sein Land nicht entgegengebracht wird. „Sie haben keinerlei Respekt für mich“, sagte Kenenisa Bekele in einem Telefonat mit Jos Hermens, der gegenüber der britischen Webseite „insidethegames.biz“ erklärte: „Kenenisa hatte dem Verband erklärt, dass er nicht auf der Bahn des Nationalstadions von Addis Abeba trainieren möchte. Denn diese Bahn ist zu hart und kann zu Verletzungen führen.“

Bevor die Äthiopier vor einigen Jahren in dem Stadion eine Mondo-Bahn einbauen ließen, hatten Bekele und Gebrselassie die Funktionäre gewarnt und auf das Verletzungsrisiko für Langstreckenläufer hingewiesen. Dennoch entschieden sich die Verbands-Vertreter für die harte Mondo-Bahn, die Sprintern entgegen kommt. Auf dieser Bahn findet nun das Verbands-Training für die Läufer statt. „Wir sprechen von einer Nation, die immer wieder viele der besten Langstreckler der Welt hervorbringt – und sie legen eine Sprintbahn ins Nationalstadion. Das ist unglaublich“, erklärte Jos Hermens. Sowohl bei Kenenisa Bekele als auch bei Tirunesh Dibaba stehe die Ursache für Verletzungen der jüngeren Zeit im Zusammenhang mit der harten Bahn in der Hauptstadt, sagte Valentijn Trouw. Auch deswegen baut Kenenisa Bekele zurzeit auf eigene Kosten einen Sportkomplex mit Hotel rund 10 km außerhalb der Hauptstadt. Dort wird es dann in wenigen Monaten eine 400-m-Bahn mit einem weicheren Belag geben. Bis dahin ist die Sperre sicherlich kein Thema mehr.

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Äthiopien läuft „Amok“: Bekele erbost nach Sperre