Das Ehepaar Mämpel

Geschichten vom Rennsteiglauf

Der Rennsteiglauf zieht auch Familien an. Am 17. Mai ist es wieder so weit. Die Story der Eheleute Mämpel.

Rennsteiglaufbuch

„Who is who 2008 – Rennsteiglaufbiografien“.

Dass der Rennsteiglauf eine familienfreundliche Veranstaltung geworden ist, verdankt er vor allem dem starken Rückgang der Teilnehmerzahlen nach der politischen Wende ab 1991. Damals wurden neue Strecken notwendig. So zeichnet sich der Rennsteiglauf heute mit seinen Wanderungen, dem Halbmarathon und den Kinderläufen durch sportliche Angebote für die ganze Familie aus.

Es gab aber auch schon zuvor einige Ehepaare, die regelmäßig gemeinsam beim Rennsteiglauf starteten. Zum Rennsteiglauftermin am 17. Mai 2008 wird das Buch "Who is who - Rennsteiglaufbiografien 2008" erscheinen. Hier berichten sechs Ehepaare, die zur Gruppe der Traditionsläufer gehören, über ihre Rennsteiglauferfahrungen. Das Ehepaar Bernd und Marion Mämpel aus Stützerbach kommt zusammen auf 58 Rennsteiglaufteilnahmen. Im Buch erzählen sie folgende Geschichte:

"WENN DU JETZT ETWA GEHST..."

Familie Mämpel nach dem Unwetter-Rennsteiglauf 2006 im Ziel in Schmiedefeld

Bernd kam aus Jena zurück und erzählte, dass Mitstudent Emil aus Steinach am Sonnabend in aller Frühe so gegen 5:00 Uhr hinauf zum Rennsteig pilgert, denn da kommen Läufer aus Schmiedefeld über den Rennsteig gelaufen. So hörten wir zum ersten Mal etwas vom Rennsteiglauf. Wir waren gerade jung verheiratet und erwarteten unser erstes Kind. Wir fuhren nach Schmiedefeld auf den Sportplatz, wo auch heute noch das Ziel des Rennsteiglaufes ist und waren begeistert über die vielen Läufer, vom Ersten und Schnellsten bis zu denen, die erst am späteren Nachmittag das Ziel erreichten.

Ich erinnere mich noch genau an einen Läufer, der mit Skistöcken ins Ziel kam. Er wurde von vielen belächelt. Heute heißt diese Disziplin "Nordic Walking". Da wir bisher regelmäßig gelaufen waren, sagten wir uns, das können wir auch. Im nächsten Jahr sind wir dabei. Unser Nachwuchs wurde Ende September erwartet, danach war noch genügend Zeit, sich auf den Lauf im Mai vorzubereiten. Dann war es soweit.

Unser erster Rennsteiglauf war am 21. Mai 1977. Mit meinem Vater und meinem Bruder Rolf fuhren wir im 311er Wartburg zum Start nach Steinheid. Der Start war damals am Sportplatz in Steinheid. Es war neblig und kalt. Das Thermometer zeigte 6 Grad über Null. Am Start gab es heißen Tee aus Gulaschkanonen von unserem "Großen Bruder". Wir liefen damals den Originalrennsteig. Das Wetter änderte sich nicht, es nieselte leicht. Am Schwalbenhaupt warteten Rolf und mein Vater. Wir liefen zusammen. In Neustadt kam der Mann mit dem Hammer. Ich wollte gehen, doch Bernds Worte zwangen mich weiter zu laufen: "Wenn du jetzt etwa gehst, kannst du auch nach Hause gehen." Ich war wütend und sauer, doch ich lief weiter. Ich überwand die Schwächephase, und es ging wieder gut.

Auch Bernd hatte seinen Schwachpunkt, wie er mir danach gestand. In Schmiedefeld ging es vorbei am Bahnhof und die Treppe hinauf in Richtung Sportplatz. Ich zog mich am Geländer hoch, an lockeres Laufen war nicht mehr zu denken. Wir liefen zusammen durchs Ziel in drei Stunden und ich weiß nicht in wie viel Minuten, ich wurde Sechste. Im nächsten Jahr übrigens auch. Es war ab sofort klar: Jedes Jahr im Mai sind wir dabei.