Skandal in Russland

Gedopte Liliya Shobukhova zahlte hohe Schmiergelder

Der Dopingskandal um die mehrfache Chicago-Marathon-Siegerin Shobukhova weitet sich zu einem sportpolitischen Skandal aus. Sie soll nicht nur gedopt sondern auch hohe Schmiergelder gezahlt haben.

Liliya Shobukhova

Die mehrfache Chicago-Siegerin Liliya Shobukhova.

Bild: photorun.net

Der Dopingfall der Marathon-Weltklasseläuferin Liliya Shobukhova erreicht neue Dimensionen und hat sich zu einem sportpolitischen Skandal ausgeweitet. Wie die französische Sportzeitung L’Équipe und die ARD berichteten, zahlte die Russin nach entsprechenden Angeboten der Funktionäre ihres Landes Schmiergelder in Höhe von insgesamt rund 450.000 Euro, um den Fall zu vertuschen und dadurch bei den Olympischen Spielen 2012 in London starten zu können. Im April dieses Jahres war bekannt geworden, dass Shobukhova wegen Dopings vom russischen Leichtathletik-Verband schließlich doch gesperrt wurde.

Shobukhova selbst bestätigte die Zahlungen in einem Interview mit der ARD, während L’Équipe diese Informationen offenbar über Quellen des internationalen Leichtathletik-Verbandes (IAAF) erhielt, deren Ethik-Kommission sich zurzeit mit dem Fall beschäftigt. Gegenüber dem unabhängigen Gremium soll Shobukhovas Manager Andrei Baranov zu den Schmiergeldzahlungen ausgesagt haben. Involviert sein sollen hier nicht nur russische Funktionäre sondern laut ARD-Informationen auch eine Person der IAAF.

Doping-Netzwerk in Russland

Nach dem Bericht der ARD handelt es sich in Russland offenbar um ein weitläufiges Doping-Netzwerk, in das längst nicht nur Athleten und Trainer sondern auch hochrangige Funktionäre, Doping-Kontroll-Organe und möglicherweise sogar Politiker verstrickt sind – ein Stil, der an das frühere DDR-Dopingsystem erinnert. Verantwortliche der internationalen Anti-Doping-Agentur WADA reagierten geschockt auf die Reportage.

Unter starken Dopingverdacht geriet auch eine weitere russische Läuferin: Die aktuelle 800-m-Olympiasiegerin Mariya Savinova. In den letzten Monaten hatte eine Kette von positiven Dopingfällen bei russischen Gehern für Aufsehen und Empörung gesorgt. Das Fachblatt „Athletics International“ beruft sich auf einen Bericht der internationalen Nachrichtenagentur AP demzufolge inzwischen mindestens 17 Geher des nationalen Trainingszentrums in Saransk (rund 800 Kilometer südöstlich von Moskau) wegen Dopings gesperrt wurden.

Olympiastart nach Schmiergeldzahlung

Nach den Schmiergeldzahlungen an russische Leichtathletik-Funktionäre konnte Liliya Shobukhova tatsächlich bei den Olympischen Spielen in London an den Start gehen. Im Marathon gab sie dort dann jedoch verletzungsbedingt auf. Nachdem sie schließlich im April 2014 doch gesperrt wurde – offenbar aufgrund von Druck gegen den russischen Verband seitens internationaler Funktionäre – verlangte Shobukhova eine Rückzahlung der Schmiergelder. Zwei Drittel der Summe wurden tatsächlich zurück überwiesen. Dabei soll laut ARD der Präsident des russischen Leichtathletik-Verbandes, Valentin Balakhnichev, eine entscheidende Rolle gespielt haben. Er sitzt auch im Council und zudem im Finanzausschuss der IAAF.

Während Shobukhova im Frühjahr noch rechtliche Schritte gegen ihre Sperre angekündigt hatte, sind diese nunmehr hinfällig. Die IAAF versucht, vor dem internationalen Sportgerichtshof (CAS) anstelle der normalen zweijährigen Sperre einen vierjährigen Bann gegen die Läuferin durchzusetzen. Liliya Shobukhova gewann dreimal in Folge den Chicago-Marathon (2009 bis 2011) sowie 2010 den London-Marathon. 2011 wurde sie bei dem US-Rennen mit 2:18:20 Stunden zur zweitschnellsten Marathonläuferin aller Zeiten hinter Paula Radcliffe (Großbritannien/2:15:25). Die World Marathon Majors (WMM)-Serien 2009-2010 und 2010-2011 hatte sie jeweils für sich entschieden – verbunden mit einem Preisgeld von insgesamt einer Million US-Dollar. Diese Ergebnisse werden in absehbarer Zeit nun alle gestrichen, denn Shobukhova wurde anhand von Blutprofilen der Einsatz von unerlaubten Mitteln über einen langen Zeitraum nachgewiesen.

Irina Mikitenko vor nachträglichem WMM-Gewinn

Nachträglich wird Irina Mikitenko, die ihre Karriere inzwischen beendet hat, damit zur ersten deutschen Siegerin beim Chicago-Marathon. 2009 war sie hinter Shobukhova Zweite. Zudem wird Mikitenko rückwirkend eine weitere World Marathon Majors (WMM)-Serie gewinnen. Infolge der Disqualifikationen, die nunmehr nur noch Formsache sind, wird die WMM-Serie 2009-2010 an die deutsche Läuferin gehen. Die Kenianerin Edna Kiplagat gewinnt dann nachträglich die WMM-Serie 2010-2011.

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