Great North Run

Farah, Bekele und Gebrselassie in Newcastle am Start

Beim Great North Run treffen erstmals die drei dominierenden Bahn-Langstreckler der letzten zwei Jahrzehnte aufeinander.

Mo Farah in London. Kenenisa Bekele an vierter Stelle.

Mo Farah gewinnt olympisches 10.000-m-Gold in London, Kenenisa Bekele folgt an vierter Stelle.

Bild: www.photorun.net

Das gab es noch nie, weder bei einem Bahn- noch bei einem Straßenrennen: Am Sonntag stehen im nordostenglischen Newcastle Mo Farah, Kenenisa Bekele und Haile Gebrselassie am Start des Great North Run. Damit treffen erstmals die drei dominierenden Bahn-Langstreckler der letzten zwei Jahrzehnte aufeinander. Doch gemessen an der zu erwartenden Zeit könnten ihnen in diesem Halbmarathonrennen die Frauen sogar die Show stehlen. Denn hier laufen die äthiopischen Superstars Tirunesh Dibaba und Meseret Defar erstmals über die 21,0975 km gegeneinander. Mit über 55.000 Anmeldungen ist der Great North Run, der von Newcastle nach South Shields führt, eines der größten Straßenrennen der Welt.

Mo Farah, Kenenisa Bekele und Haile Gebrselassie – zusammen haben sie alle olympischen 10.000-m-Goldmedaillen seit Atlanta 1996 gewonnen. Der Äthiopier Bekele hält immer noch die Weltrekorde über 5.000 und 10.000 m, die er seinem Landsmann Gebrselassie abnahm. Farah, der bei Olympia in London 2012 und nun bei der WM in Moskau vor einem Monat jeweils die 5.000 und die 10.000 m gewann – was vor ihm lediglich Bekele gelungen war –, ist der 10.000-m-Europarekordler.

Es war bei seinen letzten Rennen zu sehen, dass Haile Gebrselassie mit nunmehr 40 Jahren die sehr hohe Geschwindigkeit fehlt. Es ist daher unwahrscheinlich, dass der frühere Halbmarathon-Weltrekordler (58:55 Minuten/2006) am Sonntag eine Siegchance hat. Doch Gebrselassie sagt: „Ich kann immer noch auf höchstem Level mithalten und werde es den anderen beiden schwer machen. Das wird ein hartes Rennen für uns alle, was bestimmt zu einem aufregenden Wettkampf führen wird.“

Kenenisa Bekele, der in den vergangenen Jahren nach mehreren Verletzungsproblemen seine Bestform nicht mehr erreichte, wird darauf aus sein, zu zeigen, dass er in der Zukunft im Straßenlauf eine große Rolle spielen kann. Der 31-Jährige wird am Sonntag sein Halbmarathon-Debüt laufen. Bisher ist er im Wettkampf nie weiter als 15 km gelaufen. „Ich freue mich auf mein Halbmarathon-Debüt. Es wird nicht leicht für mich, denn die anderen haben viel mehr Erfahrung über diese Distanz“, sagte Kenenisa Bekele.

Mo Farah ist allerdings auch erst zweimal Halbmarathon gelaufen (wenn man seinen Lauf bis zur Hälfte des London-Marathons im April nicht mitzählt). Er hat dabei beide Wettkämpfe gewonnen: 60:23 Minuten lief er 2011 in New York und 60:59 in diesem Februar in New Orleans. Der 30-jährige Londoner, der als Kind aus Somalia nach Großbritannien gekommen war, ist bisher zweimal über 10.000 m gegen Kenenisa Bekele gelaufen. Und Farah ist wohl einer der ganz wenigen, die nie gegen den Weltrekordler verloren haben. Bei der WM 2011 ging Bekele aus dem Rennen und Farah wurde Zweiter, beim olympischen Finale siegte der Brite und der Äthiopier belegte Rang vier. „Ich habe Erfahrungen im Straßenlauf, aber es wird auch erst mein dritter Halbmarathon sein. Ich hoffe, dass es mein dritter Sieg wird“, erklärte Mo Farah. Zwei weitere Nicht-Afrikaner könnten am Sonntag eine gute Rolle spielen: Der Italiener Daniele Meucci (Bestzeit: 61:06) und der Australier Collis Birmingham (60:56).

Nachdem die äthiopischen Leichtathletik-Funktionäre bei der WM in Moskau das mit Spannung erwartete Duell zwischen Tirunesh Dibaba und Meseret Defar platzen ließen – sie nominierten beide nur für eine Strecke, so dass Dibaba über 10.000 m gewann und Defar über 5.000 – besiegte Defar in Zürich über 5.000 m Dibaba. Doch diese zeigte drei Tage später, dass sie in Topform ist. Mit 30:30 Minuten lief Dibaba in Tilburg (Niederlande) einen äthiopischen 10-km-Rekord, der bezogen auf die Halbmarathondistanz einiges erwarten lässt.

Die 27-jährige Tirunesh Dibaba kehrt übrigens als Titelverteidigerin zum Great North Run zurück. Vor einem Jahr lief sie dort mit 67:35 Minuten eines der schnellsten Halbmarathon-Debüts aller Zeiten. Am Sonntag tritt sie erst zum zweiten Mal über die 21,0975 km an. Die zwei Jahre ältere Meseret Defar ist bisher zweimal Halbmarathon gelaufen. 2010 gewann sie ihr Debüt in Philadelphia mit 67:45, in diesem Februar steigerte sie sich beim Sieg in New Orleans auf 67:25.

„Ich freue mich auf dieses Duell und denke, dass wir einen faszinierenden Kampf sehen werden“, sagte Peter Riley, der für die Eliteathleten des Rennens zuständig ist. Allerdings hat er eine Läuferin verpflichtet, die versuchen wird, den zwei Äthiopierinnen die Show zu stehlen: Priscah Jeptoo hat sich in diesem Jahr bereits auf 66:11 Minuten verbessert. Damit wurde sie in Ras Al Khaimah (Vereinigte Arabische Emirate) im Februar Zweite. Die Kenianerin gewann dann im April den London-Marathon.

Hinter dem afrikanischen Trio könnten drei Europäerinnen um die nächsten Plätze kämpfen: Jessica Augusto (Portugal/Bestzeit: 69:08), Lisa Stublic (Kroatien/69:18) und Gemma Steel (Großbritannien/70:46).