WM-Portrait

Farah als nächstes gegen Bekele

Im September wartet die nächste Herausforderung auf Mo Farah. Beim Great North Run trifft er über die Halbmarathondistanz auf Haile Gebrselassie und Kenenisa Bekele.

Mo Farah

Mo Farah feiert eine weitere Goldmedaille in Moskau.

Bild: photorun.net

Mo Farah ist durch seinen Doppelsieg bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Moskau in der Rangliste der größten Läufer aller Zeiten wieder ein Stück nach vorne gekommen. Ein Jahr nachdem der Brite in London bei den Olympischen Spielen sowohl über 5.000 als auch über 10.000 m Gold gewonnen hatte, schaffte er diese Ausnahme-Leistung auch bei der WM. Die Frage ist nun: Was kann der 30-Jährige in den kommenden Jahren noch erreichen?

Im September wartet die nächste Herausforderung auf Mo Farah. Beim Great North Run trifft er in Newcastle über die Halbmarathondistanz auf jene beiden Äthiopier, die in den vergangenen zwei Jahrzehnten die Langstrecken geprägt haben: Haile Gebrselassie und Kenenisa Bekele. Der Marathon ist dann das nächste ganz große Ziel von Mo Farah. In London wird er im April 2014 sein Debüt laufen. Wer weiß – vielleicht startet er dann bei den Olympischen Spielen in Rio 2016 sogar über die klassischen 42,195 km.

Wo Mo Farah zurzeit steht, darüber diskutierten unter anderen die BBC-Kommentatoren bei den Weltmeisterschaften. Für Brendan Foster, den früheren 3.000-m-Weltrekordler und 10.000-m-Olympiadritten von 1976, ist Mo Farah schon jetzt der beste britische Leichtathlet aller Zeiten. Mit seinem erneuten Doppelsieg sei er an Zehnkämpfer Daley Thompson und Mittelstreckenstar Sebastian Coe vorbeigezogen, meinte Brendan Foster. Nicht festlegen will sich dagegen Steve Cram. Der mehrfache Mittelstrecken-Weltrekordler und 1.500-m-Weltmeister von 1983 erklärte, er wolle erst noch mehr von Mo Farah sehen. „Ich will ihn siegen sehen und schnell laufen sehen – vielleicht sogar Weltrekorde laufend. Ich bin sehr gespannt auf sein Marathon-Debüt in London und hoffe, dass seine Erfolgsserie noch lange andauert“, sagte Steve Cram.

Einen bemerkenswerten kontinentalen Rekord hatte Mo Farah im vergangenen Monat überraschend gebrochen – allerdings war dies nur eine Art „Nebenprodukt“, nachdem er an seiner Schnelligkeit gearbeitet hatte. Über 1.500 m verbesserte Mo Farah den 16 Jahre alten Europarekord des Spaniers Fermin Cacho um 14 Hundertstelsekunden auf 3:28,81 Minuten. Damit war Steve Cram auch seinen britischen Rekord los. Doch über seine Spezialstrecken, 5.000 und 10.000 m, ist Mo Farah noch relativ weit weg von den Weltrekorden von Kenenisa Bekele. Der Äthiopier lief vor knapp zehn Jahren 12:37,35 und 26:17,53 Minuten. Farah erreichte bisher 12:53,11 und 26:46,57 (Europarekord). Medaillen hatten bisher Priorität für Mo Farah, der als Achtjähriger aus Somalia nach London gekommen war und in Großbritannien aufwuchs. Man muss abwarten, wie er im nächsten Jahr die Saison nach dem London-Marathon im April gestalten wird. Theoretisch könnte er bei den Commonwealth Games in Glasgow weitere Titel sammeln.

Kenenisa Bekele ist in den vergangenen Jahren über die Bahn-Langstrecken längst nicht mehr so stark wie früher. 2009 gewann er – ebenso wie Mo Farah – bei den Weltmeisterschaften beide Distanzen, nachdem er sich 2008 in Peking auch beide olympischen Goldmedaillen gesichert hatte. Farah und Bekele sind die einzigen beiden Athleten, die in den Männer-Wettbewerben dieses Langstrecken-Doppel-Doppel schafften. Allerdings gibt es die Weltmeisterschaften auch erst seit 1983. Wenn Kenenisa Bekele in der Zukunft noch eine Rolle spielen kann, dann wohl am ehesten auf den Straßen-Langstrecken. Insofern wird das Aufeinandertreffen mit Mo Farah im nächsten Monat in Newcastle sehr interessant.

Mo Farah, der schon vor Jahren längere Zeit in Kenia und Äthiopien zusammen mit den einheimischen Topläufern trainierte, hatte sich Anfang 2011 der Trainingsgruppe von Alberto Salazar in Oregon (USA) angeschlossen. Unter dem früheren Marathonläufer – der zum Beispiel auch den US-amerikanischen Olympia-Zweiten über 10.000 m, Galen Rupp, betreut – machte er die entscheidenden Schritte zur Nummer eins in der Welt. Schon bei der WM in Daegu (Südkorea) hatte Mo Farah vor zwei Jahren Gold über 5.000 m sowie Silber über 10.000 m gewonnen.