Mein erstes Mal

Erster Halbmarathon beim Rennsteiglauf

Leserreporterin Susanne Schwebs wurde vom Laufmuffel zur ambitionierten Läuferin. Hier berichtet sie von ihrem ersten Halbmarathon beim Rennsteiglauf.

Leserreporterin Susanne Schwebs läuft ihren ersten Halbmarathon in Schmiedefeld

Leserreporterin Susanne Schwebs lief ihren ersten Halbmarathon von Oberhof nach Schmiedefeld.

Bild: privat

Vom Laufmuffel zum Finisher

2012 noch als Zuschauer fasste ich schnell den Entschluss: Mensch das will ich auch mal! Rennsteiglauf. Einziges Problem: ich war ein Laufmuffel, der es bis dato gerade so die Straße joggend runter schaffte. Also erstmal anfangen, vernünftige Schuhe waren schnell gefunden. Nun bedurfte es noch eines Ziels. War auch schnell gesteckt: ankommen! Himmel, das Streckenprofil zeigt die ersten 9 km fast nur Steigung. Nix wie ab zum Training!

Nun war er da, der große Tag und er begann denkbar ungünstig. Stau vor dem Startort Oberhof und schlechtes Zeitmangament drohten meinen Start noch zu verhindern. Als ich endlich einen Parkplatz gefunden hatte, musste es schnell gehen, Mama flink zeigen, wo der Bus nach Schmiedefeld, zum Ziel, fährt und dann die Beine in die Hand nehmen und einmal quer durch die Stadt zur Startlinie geflitzt. Zum Glück startete ich erst in Block 5 und zu dessen Startzeit legte ich eine Punktlandung hin. Verschnaufen war nicht, der Schuss fiel, schön Sabrina Buchholz (ehem. Biathletin) zuwinken, die die Läufer verabschiedete und ich war auf der Strecke. Naja, die Pulsuhr zeigte mir, dass ich immerhin gut auf Betriebstemperatur war.

Am Ende der Straße freute ich mich, endlich auf den Rennsteig einzubiegen. Hurra, die Bäume hatten ihn noch versteckt, aber nun war er gut zu sehen: der erste Anstieg. Zähne zusammenbeißen und hoch da. Rechts und links kapitulierten schon einige und gingen den Hügel nach oben, ich biss mich durch bis zum Scheitelpunkt und freute mich gleich auf die kleine Bergabpassage. Nach knappen 30 min war ich dann auch wieder in Oberhof, irgendwie ein seltsamer Moment, da war ich doch los gelaufen. Ab hier hatte ich Teile der Strecke bereits mit dem Mountainbike erkundet und wusste: Jetzt wird’s hart. Recht steiler Aufstieg und viel unebener Waldboden, also auf keinen Fall unaufmerksam sein!

Nach den ersten biestigen Bergen kam ein kleiner Abstieg, den man aber sofort 3- und 4-fach wieder hoch musste. Jede Zelle meines Körpers schrie und flehte mich an, stehen zu bleiben. Aber nicht mit mir, dafür hab ich nicht so hart trainiert! Endlich war auch die erste Versorgungstation erreicht, hier stellte ich fest, was ich leider nicht trainiert hatte: Trinken aus einem Plastikbecher während des Laufens. Meine Jacke bekam mehr Wasser ab als mein Mund. Also bei den nächsten Stationen kurz verschnaufen und im Gehen trinken bevor ich hier dehydriere.

Leserreporterin Susanne Schwebs auf den letzten Metern vor dem Ziel.

Bild: privat

Höchsten Punkt passiert

Nach schier endlos wirkenden 90 Minuten passierte ich das erlösende Schild „höchster Punkt der Strecke“. Sehr gut, nun konnte es nur besser werden. Ich beschloss Zeit und Plätze gut zu machen und bergab Gas zu geben, dafür bekam ich am nächsten Tag die Quittung. Einen Berg rennt man eben nicht einfach so im Vollspeed runter, das weiß ich jetzt auch.

Jetzt wurde es auch langsam Zeit für ein paar Kohlenhydrate, ich hatte dieses Energiegel vorher nie probiert und musste in dem Moment feststellen, dass das Zeug schmeckt, als hätte ich Marmelade pur gegessen. Nach wenigen Metern stellte ich aber fest, dass es mir direkt besser ging und der seltsame Geschmack war vergessen. Die kleinen Pausen an den Verpflegungsstationen nahm ich gerne an und versuchte sogar zu lächeln, wenn ich an einer Kamera vorbei kam. Ein Unterfangen, welches nicht sehr erfolgreich war, wie sich später herausstellte.

Immer öfter begegneten mir jetzt die Quads, die die von der Strecke sammelten, die sich übernommen hatten oder eben doch nicht aufmerksam genug auf dem uneben Boden liefen, und brachte sie zu den Erste-Hilfe-Stationen. Kilometer 17, mal wieder Zeit für etwas Marmelade aus der Tube. Das sollte nach Banane schmecken, da kann man sicher streiten. Bereits einen Kilometer später passierte ich den Skihang von Schmiedefeld, von hier aus war das schönste Ziel der Welt bereits zu sehen und mir stiegen erstmals Tränen in die Augen. Ich hatte es fast geschafft! Nun ging es nur noch bergab und als mir die nette Männerstimme meiner Lauf-App auch noch immer schneller werdende Kilometerzeiten nannte legte ich nochmal ein paar Schritte zu.

Noch 1.000 m bis zum Ziel beim Rennsteiglauf

Dann war auch schon der Hinweis „Noch 1.000 m bis zum Ziel“ zu sehen und es wurden nochmal lange 1.000 m. War das Dorf ein Jahr zuvor auch schon so groß? Die Anwohner, die in ihren Gärten arbeiteten, klatschten, als wir sie passierten, und endlich war auch die Ziellinie in Sicht. Die ersten paar Meter hielt ich noch Ausschau, ob ich denn die Mama sehe, dann entschloss ich mich zu einem Zielsprint. Und zu meiner eigenen Überraschung war der auch noch drin. Ich entdeckte meine Mutter auf der Ziellinie, da sie wild mit den Armen fuchtelnd nach mir rief.

Mir wurde direkt eine der Finishermedaillen mit einem „Herzlichen Glückwunsch“ umgehangen. Ich war aber erstmal auf der Suche nach Wasser, denn die letzte Versorgungsstation hatte ich ausgelassen. Nach Auffüllen der Wasserresserven und der erfolgreichen Suche nach Mama, fiel ich ihr erschöpft und abermals mit Tränen der Freude in den Augen in die Arme. Bereits den Gedanken im Kopf: Nächstes Jahr wieder! Mein Ziel? Ankommen, vielleicht ja etwas schneller.