Leser-Reporter

Erpressung mit Schokolade

Nur mit Hilfe schokoladiger Versprechungen bringt Tatjana Scholl ihren Schweinehund zum Laufen.

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Schweinehund Norbert lässt sich nur durch Erpressung zum Laufen überreden.

Bild: Tatjana Scholl

Ich habe ein Haustier. Nicht eines dieser süßen, flauschigen Exemplare, die apportieren oder einem liebevoll das Gesicht ablecken. Ich habe einen Schweinehund von der Größe einer Deutschen Dogge. Ich nenne ihn Norbert. Sicher, meiner Leidenschaft für das Laufen verdanke ich, dass ich auch nach der Weihnachtsfresserei meine Zehen noch sehen kann, aber Norbert macht mir regelmäßig das Sportlerleben schwer, denn in einem Punkt unterscheidet er sich gewaltig von einem gewöhnlichen Haustier. Egal wie sehr ich versuche ihn zu erziehen. Er ist und bleibt der Chef in unserer Beziehung.

Zwischen zwei und vier Mal die Woche schlüpfe ich in meine ausgelatschten Turnschuhe, um draußen Wind und Wetter zu trotzen. Doch kaum öffne ich die Haustür, fängt Norbert an zu knurren. Im Winter ist er besonders schwer zu bändigen. Es ist eisig kalt und dunkel, und meinem Schweinehund fallen sofort mindestens zehn Gründe ein, zu Hause zu bleiben. Am Ende schaffe ich es nur ihn zu überreden, indem ich ihm eine Belohnung verspreche, die leider allzu häufig mit Schokolade überzogen ist.

Wenn wir dann endlich unterwegs sind, mault Norbert ununterbrochen. Im Winter zwicken seine Ohren wegen des eisigen Windes und seine Nase läuft. Eigentlich ist das nicht schlimm, denn bei diesen frostigen Temperaturen gefriert ihm der Rotz sofort an die Oberlippe. Im Frühling hat er von dem Pollensmog knallrote, geschwollene Augen, und im Herbst prasselt ihm der Regen unaufhörlich auf die billige Regenjacke, die dank der fehlenden Atmungsaktivität innen nasser ist als außen.

Doch auch jenseits schwieriger Wetterbedingungen ist Norbert ein richtiger Jammerlappen. Laufen wir auf Feldwegen, ist ihm der Asphalt zu hart. Laufen wir auf Waldwegen, stolpert er ständig über Baumwurzeln, und wehe wir gelangen an eine Steigung. Dann schmerzen plötzlich seine Oberschenkel und er presst angestrengt hervor, dass der verdammte Berg so steil sei, dass er jeden Moment das Laub mit seinem Mund vom Boden aufheben könne. Alle fünfzig Meter fragt er mich, wie lange er das noch aushalten muss, und ich vertröste ihn, indem ich ihn an die Belohnung erinnere. Das besänftigt ihn ein wenig, zumindest bis wir den steilen Abhang hinunterrennen. Dann kreischt der, weil er fürchtet, dass ihm jeden Moment die Kniescheiben wegspritzen.

Gegen Ende der Strecke resigniert Norbert. Zum einen weil er merkt, dass meine Beine sich von seinem Genörgel nicht beeindrucken lassen, und zum anderen, weil er allmählich benommen ist von dem ganzen Endorphin. Kaum sind mein Schweinehund und ich wieder zu Hause, schläft er erschöpft ein und ich bekomme ihn nicht mehr zu Gesicht, ehe ich meine Laufschuhe anziehe um ihn aufs Neue herauszufordern.


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