Olympia spezial

Erneutes Doppelgold für Äthiopien

Kenenisa Bekele konnte nach seinem Erfolg über die 10.000 m nun auch den 5.000 m-Lauf dominieren.

Einen Tag nach dem Triumph seiner Landsfrau Tirunesh Dibaba zog Kenenisa Bekele nach und gewann ebenfalls seine zweite Goldmedaille bei den Olympischen Spielen von Peking. Sechs Tage nach dem 10.000-m-Sieg setzte sich der Äthiopier auch über die 5.000 m durch. Dabei war er im Spurt einmal mehr nicht zu schlagen und war am Ende in 12:57,82 Minuten sogar mit rund fünf Sekunden Vorsprung im Ziel. Die Zeit ist ein olympischer Rekord. Die beiden Kenianer Eliud Kipchoge (13:02,80) und Edwin Soi (13:06,22) belegten die Plätze zwei und drei.

Kenenisa Bekele aus Äthiopien gewann bei den olympischen Spielen in Peking gleich zweimal Gold.

Nach dem Finnen Hannes Kolehmainen (1912), dem Tschechen Emil Zatopek (1952 plus Gold im Marathon), dem Russen Vladimir Kuts (1956), dem Finnen Lasse Viren (1972 und 1976) sowie dem Äthiopier Miruts Yifter (1980) schaffte nun auch Kenenisa Bekele den olympischen Doppelsieg. Und noch etwas war neu bei Bekele: Bei der anschließenden Pressekonferenz brauchte er keinen Dolmetscher mehr sondern beantwortete die Fragen auf Englisch direkt. Zwar verstand Bekele noch nicht alles auf Anhieb, aber auch auf diesem Gebiet macht er Fortschritte.

„Das ist ein fantastischer Erfolg für mich“, sagte Kenenisa Bekele. „Nach einem 10.000-Meter-Finale noch 5.000 Meter zu laufen, das ist hart, denn man hat schon viel Energie über die längere Strecke verloren.“ Auf dem letzten Kilometer des 5.000-m-Rennens hatte Bekele an der Spitze das Tempo forciert. Schließlich konnten nur noch Kipchoge und Soi mithalten. Doch auf der letzten Runde hatten sie gegen den Spurt von Bekele keine Chance. Keine Chance hatte in diesem Tempo-Steigerungslauf Weltmeister Bernard Lagat: Der US-Amerikaner wurde Neunter in 13:26,89 Minuten.

Im dritten Versuch hat Kenenisa Bekele nun erstmals nach einem 10.000-m-Rennen bei einem globalen Titelkampf auch über 5.000 m gewonnen. Bei der WM 2003 in Paris hatte ihn Eliud Kipchoge geschlagen, ein Jahr später in Athen war Hicham El Guerrouj (Marokko) schneller. „Bei Olympia in Athen war ich noch zu jung und machte wahrscheinlich taktische Fehler im Lauf, vor allem beim Spurt. Jetzt bin ich stärker und denke mehr über das Rennen nach“, erklärte der 26-jährige Bekele, dessen Bruder Tariku Sechster wurde in 13:19,06 Minuten. Fünfter war der dritte Äthiopier, Abreham Cherkos (13:16,46). „Wir hatten den Rennverlauf besprochen, aber wir machten dann nicht das, was wir besprochen hatten“, antwortete Kenenisa Bekele auf die Frage, ob es taktische Absprachen mit seinen Landsleuten gegeben habe. „Wir wollten eigentlich das Rennen nach 2.000 Metern schnell machen, aber dann haben wir es schon nach einer Runde gemacht. Schade, dass die anderen keine Medaille gewonnen haben.“

Gefragt, ob er sich vorstellen könne, wie einst Emil Zatopek und Lasse Viren, bei den Olympischen Spielen 2012 in London auch noch im Marathon zu rennen, wenn es der Zeitplan zuließe, antwortete Bekele: „Das ist eine schwere Frage, ob ein Dreifach-Start möglich wäre – das kann ich jetzt einfach noch nicht beantworten.“

Einen in solch einem Finale seltenen Start-Ziel-Sieg schaffte über 800 m der Kenianer Wilfred Bungei. Der 28-jährige Hallen-Weltmeister des Jahres 2006 feierte in 1:44,65 Minuten den größten Triumph seiner Karriere und gewann das erste kenianische Olympiagold über 800 m bei den Männern seit William Tanui, der 1992 in Barcelona triumphiert hatte.

Vom Start übernahm Bungei zunächst gemeinsam mit seinem Landsmann Alfred Yego die Spitze und passierte die 400-m-Marke nach 53,35 Sekunden. Als auf der Gegengerade dann der Angriff von Ahmed Ismail (Sudan) kam, hielt Bungei gegen. Der Kenianer war stark genug, um den Vorsprung bis ins Ziel zu verteidigen. Ismail wurde Zweiter in 1:44,70 Minuten, Yego, der zwischenzeitlich auf Rang fünf zurückgefallen war, holte auf den letzten 70 Metern noch auf und gewann Bronze in 1:44,82. „Ich war schon früher ein Frontrunner, aber eigentlich hatte ich das hier so nicht geplant“, erklärte Wilfred Bungei, der 2004 bei Olympia in Athen Fünfter gewesen war. Sein bisher größter Erfolg war ein zweiter Platz bei der WM 2001 in Edmonton. „Ich werde jetzt nach Kenia zurückkehren und meinen Olympiasieg feiern. Danach überlege ich, ob ich meine Karriere fortsetze.“

„Dies ist ein toller Abend für die Kenianer. Als wir ins Stadion kamen, wussten wir nicht so genau, was wir erreichen könnten – jetzt haben wir zwei Goldmedaillen gewonnen“, sagte Wilfred Bungei. Die zweite Goldmedaille für das Läuferland war dabei eine echte Überraschung und ein Durchbruch für Kenia: Nancy Langat wurde Olympiasiegerin über 1.500 m. Nie zuvor hatte eine Kenianerin über diese Strecke bisher eine Medaille gewonnen, nicht einmal eine Platzierung unter den ersten Acht gab es bei Olympischen Spielen. Nun stürmte Nancy Langat am Tag nach ihrem 27. Geburtstag zum Gold in persönlicher Bestzeit von 4:00,23 Minuten.

300 Meter vor dem Ziel hatte sich die Favoritin Maryam Jamal (Bahrain) an die Spitze gesetzt und schien dem Sieg entgegenzulaufen. Doch Nancy Langat wurde sie nicht los. Und die Kenianerin ging ihrerseits noch auf der Gegengeraden an der Weltmeisterin von Osaka 2007 vorbei. Jamal brach dann auf der Zielgeraden ein und blieb am Ende als Fünfte in 4:02,71 Minuten ohne Medaille. Silber und Bronze gingen an die beiden Ukrainerinnen Iryna Lishchynska (4:01,63) und Nataliya Tobias (4:01,78), Vierte wurde die Britin Lisa Dobriskey (4:02,10). „Das hätte ich nicht für möglich gehalten – ich bin stolz“, sagte Nancy Langat.



Text: race-news-service.com
Foto: photorun.net