Nacht der Zehner Hamburg 2017

Erfolgreiche Premiere im Hammer Park

Die Premiere der Nacht der Zehner in Hamburg war trotz Verlegung von der Jahnkampfbahn in den Hammer Park ein voller Erfolg - auch aus sportlicher Sicht.

Nacht der Zehner Hamburg 2017 Start Parklauf

Der 10-km-Parklauf ergänzte das umfassende Programm mit gleich fünf Läufen über die 25-Runden-Distanz im Stadion.

Bild: BMS - Die Laufgesellschaft

25 Runden, also 10.000 Meter um den Sportplatz drehen? Das ist nicht die beliebteste Disziplin bei Läufern. Vielleicht einige Dutzend Hamburger tun das, ganz anders als zehn Kilometer auf der Straße zu laufen: dort sind alleine beim Alsterlauf tausende dabei. Dass diese Bahn-Langstrecke trotzdem nicht nur die Sache weniger Spezialisten sein muss, sondern sogar in Party-Stimmung enden kann, zeigte sich am Freitagabend, den 11. August bei der Premiere der Nacht der Zehner. Insgesamt fünf Läufe über die 25 Runden und ein Parklauf über zehn Kilometer zogen viele begeisterte Läufer an den Start.

Wegen kurzfristiger Reparaturen auf der eigentlich als Veranstaltungsort angedachten Jahnkampfbahn musste alles innerhalb kürzester Zeit in den Hammer Park verlegt werden. Die Strecke für den 10-km-Lauf, der zusätzlich zu den Läufen auf der Bahn im Programm stand, musste neu vermessen werden - und dann fand sich genau am Start auch noch ein Wespennest, um das der Startbogen vorsichtig herumgebaut werden musste. Die Stimmung hielt sich durch den Regen am Nachmittag zunächst ein wenig in Grenzen, als um 17:15 Uhr die Teilnehmer für den ersten Lauf (Qualifikationszeit: 46 bis 50 Minuten) an den Start gingen.

Musik gab es allerdings von Anfang an und für alle - denn egal, wie schnell man die 25 Bahnrunden laufen kann: anstrengend ist es allemal, nach zehn Runden kennt man die Strecke auswendig und Motivation von außen kommt gut. Für alle, vom 50 Minuten- bis zum 30 Minuten-Eliteläufer standen Rundenzähler bereit, wie es die Leichtathletik offiziell vorsieht. Schon beim ersten Lauf gab es reichlich persönliche Bestzeiten. Richard Vahlhaus machte mit 40:56,50 Minuten einen großen Leistungssprung - obwohl ihm irrtümlicherweise schon eine Runde zu früh signalisiert wurde, dass er im Ziel wäre - und er dadurch nach dem Zielsprint noch eine weitere Runde drehen musste.

Um 20:45 Uhr fiel mit dem Elitelauf der letzte Startschuss des langen Abends.

Bild: BMS - Die Laufgesellschaft

Im zweiten Zeitlauf (Quali: 24-46 Minuten) fanden sich schon ein paar bekannte Hamburger Namen, wie der nach längerer gesundheitsbedingter Wettkampfpause endlich wieder angetretene Birger Schröder oder Ultra-Spezialistin Silke Gielen vom Harburger SC. Die Show stahl ihnen Sarina Kothe (Grün- Weiß Harburg): mit 40:50,56 Minuten war sie 40 Sekunden schneller als der erste Mann (Gérard Otremba, Hamburger Sportclub). Beim dritten Zeitlauf (Quali: 38-42 Minuten) ging Andreas Ludolph (SG HSH Nordbank) das Rennen so scharf an, dass man sich fragte, ob er sich nicht gehörig verschätzt hätte. Bahnläufe, besonders über längere Distanzen, geben den Zuschauern natürlich viel Gelegenheit, die Taktik der Läufer zu begutachten. Tatsächlich konnte Dirk Stelzner aufschließen und die beiden boten eine gute Show - aber einholen ließ sich Ludolph nicht, sondern konnte sich wieder absetzen: in 38:09 Minuten rettete er sechs Sekunden Vorsprung über die Ziellinie - und freute sich lautstark. Sandra Renschke (hamburg running) hatte keine Konkurrentin - sie lief in einer Männergruppe mit und blieb mit 39:47,93 Minuten deutlich unter der 40 Minuten Marke.

Das Wetter hatte sich gebessert, das Tempo der Läufer angezogen, der Adrenalinspiegel stieg, und damit auch die Stimmung. Parallel lief neben dem Stadion der 10-km-Parklauf. Auf genau vermessener, aber kurvenreicher und darum anspruchsvoller Strecke gewannen Julia Jablononowski (hamburg running) und Lorenz Bell (LG Vulkaneifel). Bahnlauf Nummer vier lag mit einer Quali von 34 bis 38 Minuten schon im leistungssportlichen Bereich. Hier ging es zur Sache. Brrhane Gerebrhan (fit4run) und Lasse Bo Ladewig (HSV) boten eine 17:08-min-Zwischenzeit über 5.000 Meter - leider stieg Ladewig kurz danach aus. Die Karten wurden neu gemischt, und eine Sechser-Gruppe, die dann in zwei Dreiergruppen zerfiel, lag vorne. Mit 20 Läufern war dieser Lauf auch so dicht besetzt, dass taktische Spielchen möglich waren. Fynn Timm (hamburg running) machte in 33:49,07 Minuten das Rennen. Schnellste Frau dieses und aller Läufe - beim nachfolgenden Elitelauf waren nur Männer gemeldet - wurde Lisa Heimann (LAZ Puma Rhein-Sieg) in 34:34,92 Minuten.

Nacht der Zehner Hamburg 2017 Sieger

Bild: BMS - Die Laufgesellschaft

Yannick Stubbe (links) und Lisa Heimann (2. von rechts) waren die Schnellsten bei der ersten Nacht der Zehner 2017.

Der Höhepunkt des Abends und mit der stärksten Unterstützung durch Fanclubs begann um 20:45 Uhr. 23 Läufer standen an der Startlinie, etwa die Hälfte von auswärtigen Vereinen. Christian Schreiner (LAZ Puma Rhein-Sieg) legte mit 71-s-Runden ein hohes Tempo vor, Verfolger Yannick Stubbe (TV Waldstrasse Wiesbaden) verlor zunächst ein bis zwei Sekunden pro Runde. Nach der sechsten Runde verlor Schreiner ein wenig Tempo. Noch später konnte sich Stubbe an ihn heranarbeiten und sich vor ihn setzen - blieb aber in Griffweite. Von den Zuschauern angefeuert, kam es zu einem Fotofinish: beide legten eine furiose letzte Runde hin, zehn Sekunden schneller als der Schnitt, liefen parallel auf die Ziellinie zu und wurden letztlich nur durch zwei Zehntel auf der Ziellinie getrennt. Yannick Stubbe gewann die erste Nacht der Zehner in 30:28,20 Minuten.

So viel Adrenalin lag in der Luft, dass manch einer sich an das alter Hammer-Park-Leichtathletik-Meeting erinnert fühlte, das hier bis 2003 stattgefunden hatte. 91 Läufer nahmen an den fünf Bahnläufen über 10.000 Meter teil, was vermutlich ein Höhepunkt dieser Disziplin in Hamburg seit etlichen Jahren ist. 66 Läufer nahmen am 10-km-Parklauf teil.

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