WM-Tag 7, 21. August 2009

Emmanuel Kipchirchir Mutai und Wer ist Paul Spank?

Es gibt Athleten, die kaum jemand kennt, die aber genauso interessant sein können.

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Paul Spank bei einer Autogrammstunde am Nordeingang des Stadions.

Bild: Anine Hell

Heute war der Tag irgendwie nicht so besonders. Ich habe fast die ganze Schicht im Medienzelt verbracht, was bei der Kopfschmerzluft draußen gar nicht so schlecht war, aber leider war die Beschäftigung nicht allzu groß! Es laufen im Medienzelt überall Flachbildfernseher, da sitzen die Journalisten und schreiben oder chillen und schauen sich das 50 m entfernte Stadion durch die Mattscheibe an.

Ich mache mir jetzt schon Gedanken über den Marathon, also dazu stelle ich ein spontanes, persönliches Wetttippen auf m/einen Sieger auf. Dazu habe ich mich in den sogenannten pitchingholes im Zelt informiert, dort wo die schreibende Presse Infos zu den Athleten, Ergebnisse und Pressekonferenzen bekommt. Ich ziehe zwei dopelseitige DIN-A-4-Zettel über einen der Marathonläufer für morgen heraus. Emmanuel Kipchirchir Mutai. Wer ist das? Mal ehrlich, bei unserem Wissen über die schwarzen Läufer geht unser allgemeines Läuferwissen über Bekele, Haile und Komen kaum hinaus. Deswegen finde ich es wichtig sich auch mit den Athleten zu beschäftigen, die nicht immer im Rampenlicht stehen. Es werden sowieso dritte und zweite Plätze viel zu wenig gewürdigt. Der Zweitplazierte ist immer sauer, weil sich mehr ärgert als der Dritte. Der Zweite ist gerade an dem ersten Platz vorbeigeschrabt und der Dritte ist froh, dass er nicht Vierter geworden ist.

Ein Paul Spank war vor zwei Jahren auch erst Wenigen ein Begriff, jetzt gibt er gerade draußen jungen Mädels vor dem Zelt Autogramme und bekommt von unserem ZDF-Reporter eine Rolle in einer Telenovela angeboten, wenn er seine Karriere einmal beendet hat.

Ich beschließe jetzt also, dass Matai morgen den Marathon gewinnen soll und werde, da meine Arbeit hier ja auch anderweitig Früchte tragen sollte, über ihn im Kurzporträt schreiben:

Er wurde 12. Oktober 1984 geboren. Trainiert in Kaplagt, Kenia und erfüllt sich mit der Teilnahme an den WM einen Kindertraum. Er ist einer von sechs Kindern der Familie. Bei ihm haben immer die Marathonläufer im Hintergarten trainiert und er dachte, er hätte Potential und begann wie viele, realtiv jung mit dem Lauftraining. Er lief im März 2005 schon über 10 000 m 28:09:02 in Eldoret. Er wollte an die Illinois Universität, aber er konnte nicht stillsitzten und ihm dauerten die Examen zu lange, so beschloss er professionell zu laufen. Wenn man das doch in Europa auch könnte!! Er lief viele weitere gute 10-km-Rennen und Halbmarathons auch in Europa. Er versuchte sich im Bahnlauf, aber er kam nie über die Provinz hinaus, so merkte er, dass Marathonlaufen sein Job wäre. Er hat eine ziemlich steile Karriere hingelegt, macht mal hier und mal da den pace maker, den eigentlich nie jemand beachtet, wenn sie irgendwo seitlich aussteigen und sich wieder in Luft auflösen scheinen! Er rannte seinen zweiten Marathon in Amsterdam und gewann nach 2:06:29 bis jetzt den einzigen, das ist sagenhaft!

Muati will umbedingt in Berlin laufen und gibt alles für einen Podiumsplatz. Sein Manager gab ihm die Opition: Berlin oder einer der Herbstmarathons. Bei einer WM gibt es nun für die Athleten, die „Nichts“ gewinnen, kein Geld. Großes Geld gibt es bei den großen Marathons. Aber Mutai will seinem Idol Paul Tergat folgen, der für sein Land Kenia und für das Laufen von dort viel mehr erreicht hat als nur große Lauferfolge, sagt Matai.

Ich wünsche ihm von ganzem Herzen viel Glück!



Hier finden Sie die weitere Einträge im WM-Tagebuch von Volunteer Anine Hell:

Anine Hell berichtet von der Arbeit eines Volunteers vom 15. August 2009
Kaputte Kopierer und wahnsinnige 9,58 Sekunden über 100 Meter vom 16. August 2009
Mädchen mit Zahnspange schnellste Frau der Welt vom 17. August 2009

Hier finden Sie ein Dossier mit allen Informationen rund um die Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2009 in Berlin

WM-Tag 8, 22. August 2009

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