Oberelbe-Marathon Dresden 2016

Elbwärts durch die Sächsische Schweiz

Leserreporter Günter Schmidt lief beim Oberelbe-Marathon durch die herrliche Kulisse der Sächsischen Schweiz von Königstein bis nach Dresden.

Oberelbe-Marathon Dresden - Die Bilder
Günter Schmidt beim Oberelbe-Marathon Dresden

Leserreporter Günter Schmidt mit Lauffreund Uwe Gerstmann.

Bild: Günter Schmidt

Gemeinsam mit meinem Lauffreund Uwe Gerstmann besteige ich in Meißen die S-Bahn Richtung Königstein. Gute Idee, denn die Fahrt kostet nichts. Die hat der Verkehrsverbund Oberelbe, der Titelsponsor des Oberelbe-Marathons, ausgegeben. In Meißen sind noch ausreichend Sitzplätze vorhanden, in Dresden wird sich das ändern. Denn wer es noch nicht weiß: der Oberelbe-Marathon ist sehr beliebt.

Uwe hat leichte gesundheitliche Probleme – wie er es ausdrückt. Ihn hat die Hexe geschossen, beim Haare waschen. Alle, denen er das erzählt, finden das lustig. Nur er nicht. Sein Arzt wäre sicher auch nicht begeistert, dass er sich mit „Rücken“ auf die Marathonstrecke begibt. Aber es gibt auch einen, der von seinem Start profitiert - sein Apotheker.

Eine kleine Streckenbesichtigung vor dem Oberelbe-Marathon mit der Bahn

Die Zugfahrt führt uns in Dresden am Heinz-Steyer-Stadion vorbei. Dort herrscht schon reges Treiben, in einigen Stunden werden hier die ersten Läufer ins Ziel einlaufen.

In Pirna verlässt ein Teil der Läuferschar den Zug. Hier startet der Halbmarathon. Was dann folgt, könnte man als Streckenbesichtigung per Bahn bezeichnen, ab hier führt die Bahnstrecke unmittelbar am Elberadweg, also an der Marathonstrecke entlang. Ab und zu sieht man sogar die Kilometerschilder, was bei einem Mitreisenden zu arger Verwirrung führt. „Kilometer 34?“, sagt er. „Ach, wenn ich doch schon hier wäre, da wären es nur noch 8 Kilometer bis zum Ziel!“ Der wird sich wundern. Hier wird anders gezählt. Das ist nicht Kilometer 34, es sind noch 34 Kilometer bis zum Ziel.

Der Bahnhof Königstein ist kaum in der Lage, die vielen zum Start strebenden Läufer aufzunehmen. Es geht nur langsam vorwärts, im Tunnel gibt es sogar Stau. Macht aber nichts, wir haben noch Zeit.

Es ist saukalt. Ich weiß, so ein Wort sollte man im Laufbericht nicht verwenden, aber ein edleres Wort macht das Wetter auch nicht besser. Knapp über null Grad, dazu ein kalter Wind. Der schönste Platz ist eigentlich im Dixiklo. Und das an einem der schönsten Startplätze Deutschlands! Direkt neben uns schlängelt sich die Elbe, am anderen Ufer thront eines der Wahrzeichen der Sächsischen Schweiz, der Lilienstein. Und vor uns die berühmte Festung Königstein. Früher habe ich hier Wanderurlaub gemacht. Über Menschen, die durch diese wunderschöne Gegend rennen, hätte ich mich damals sehr gewundert.

Start ist um 9:25 Uhr. Wer kommt denn auf so eine eigenartige Zeit? Die Deutsche Bahn! Und da sollte man auch mal „Danke“ sagen. Denn extra für uns Läufer sperrt die Bahn alljährlich für einige Zeit die Strecke. Damit wir nicht vor geschlossenen Schranken stehen.

Ein Dampfer begleitet auf der Elbe die Läufer beim Oberelbe-Marathon

Gleichzeitig mit uns startet der Schaufelraddampfer „Meißen“ in Richtung Dresden. An Bord des zur „Weißen Flotte“ gehörenden Schiffes sind zumeist Angehörige der Läufer, die sich bequem bei einem Gläschen Bier – besser vielleicht Grog - ansehen können, wie wir uns quälen. Ich habe keine Angehörigen dabei, würde für sie auch nichts bringen. Es ist schon traurig, selbst so ein alter Dampfer aus dem Jahre 1885 ist schneller als ich.
Die ersten zwei Kilometer geht es unterhalb der Bahnlinie direkt am Ufer der Elbe entlang. Das Feld zieht sich langsam auseinander, ein schöner Anblick. Vor allem auch für jene, die den Anblick vom Dampfer aus genießen können.

Ich habe gedacht, das Wetter kann eigentlich nur noch besser werden. Ein Trugschluss. Wir sind noch gar nicht lange unterwegs, da fängt es auch noch an zu graupeln. Mein erster Wintermarathon in diesem Jahr. Geplant war der nicht.

In Rathen passieren wir die beiden Bahnübergänge. Ich bin gut, die Schranken sind noch geöffnet. Im Bahnhof steht eine S-Bahn. Für die Reisenden kam bestimmt die Durchsage: „Auf Grund einer Marathonveranstaltung verzögert sich unsere Weiterfahrt um einige Minuten.“ Als ehemaliger Zugführer sehe ich die Gesichter der Reisenden vor mir. Ich denke, die können uns nicht so richtig leiden.

Der Kurort Rathen ist der schönste Abschnitt der Strecke beim Oberelbe-Marathon

Der Abschnitt um Rathen gehört zu den schönsten der gesamten Strecke. Zudem ist man hier noch frisch, um die Landschaft genießen zu können. Das ist schon was fürs Auge. Der Kurort Rathen wird überragt von den Bastei-Felsen. Und jedem möchte ich einen Besuch der idyllisch gelegenen Felsenbühne Rathen empfehlen. Es muss ja nicht während des Marathons sein, das würde etwas knapp werden, denn das Ziel schließt 5:45 Stunden nach dem Start. Außerdem hat die Saison für „Winnetou“ und „Die Zauberflöte“ noch nicht begonnen.

„Ich dachte, der Elberadweg ist flach“, wundert sich ein Läufer neben mir. Ist er auch, nur im Bereich der Sächsischen Schweiz ist er ab und an etwas hüglig. Aber es hält sich im Rahmen, wer einigermaßen trainiert hat, kommt ohne Gehpause durch.

Vor mir taucht etwas auf, was ich hier nicht erwartet hätte – ein Pferd. Ein Wanderer hat darauf sein Gepäck verstaut. Ich würde schon gern nach dem woher und wohin fragen. Aber der Mann ist sichtlich schlecht gelaunt. „Muss mich denn jeder von euch fotografieren“, schimpft er, da habe ich die Kamera noch in der Hülle. Ja, das müssen wir. Die beiden sind nun mal ein schönes Motiv, mit dem keiner rechnen konnte. Denn der Elberadweg ist heute für den Nichtläufer-Verkehr gesperrt. Wenn ich es genau nehme – auch für Pferd…

Cheerleader warten auf uns in Pirna

Langsam verabschieden wir uns vom Elbsandsteingebirge. Die Felsformationen an der Elbe verschwinden, die Hügel auf dem Elberadweg auch. Es geht ins flache Land, wir nähern uns der Kreisstadt Pirna. Hier auf dem Markt war in den vergangenen Jahren die Stimmungshochburg, heute hält sich die Zuschauerzahl in Grenzen. Nur die Cheerleader lassen es richtig krachen. Sie haben sich von der Kälte nicht vertreiben lassen, Bewegung macht warm.

Kurz nach Pirna ist Halbzeit. Wir laufen auch hier, abgesehen von einem kurzen Abschnitt, ständig an der Elbe entlang. Die Landschaft ist nicht mehr so spektakulär wie im Elbsandsteingebirge, hat aber trotzdem ihren Reiz.

Und einige Höhepunkte architektonischer Art haben wir ja noch vor uns. Zum Beispiel Schloss Pillnitz, 1720 unter August dem Starken erbaut. Das liegt genau bei dem Schild, das uns sagt, dass wir noch 14 Kilometer vor uns haben. Nur habe ich den Verdacht, den meisten ortsunkundigen Läufern wird dieses Schloss entgangen sein. Ja, nicht immer stur auf den Asphalt schauen, man sollte den Kopf auch mal nach links, oder wie hier nach rechts drehen. Schloss Pillnitz liegt etwas versteckt hinter einer stark bewaldeten Flussinsel auf der anderen Elbseite.

Ankunft in Dresden über die Loschwitzer Brücke

Die Elbwiesen werden jetzt immer breiter. Dresden ist erreicht, die Stadtteile Kleinzschachwitz und Laubegast nehmen uns auf. Hier lässt es sich nicht nur schön laufen, hier wohnt man sicher auch schön. Für Freunde moderner Architektur zeigt sich auf der anderen Elbseite der Fernsehturm. Wer es gern etwas älter hat, der schaue auf die drei Elbschlösser. So etwas hat nicht jede Stadt zu bieten.

Vom Gefühl her bin ich immer in Dresden, wenn ich die Loschwitzer Brücke durchquert habe. Wer diese Eisenbrücke aus dem Jahre 1893 nicht kennt, ich lasse auch den anderen Namen gelten: Blaues Wunder! Unter dieser Bezeichnung ist die Brücke schließlich eines der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt.

Nach einer Weile wieder eine Brücke, erst vor wenigen Jahren fertiggestellt, die Waldschlösschenbrücke. Nicht minder bekannt, weil sie viel Geld gekostet hat. Und dem Elbtal den Unesco-Welterbetitel. An der Waldschlösschenbrücke sind es etwa noch fünf Kilometer bis zum Ziel. Ich komme mit einer Läuferin ins Gespräch, die Petra Meier heißt und sie erzählt mir, dass sie ihren ersten Marathon läuft. Und dass sie nun endlich im Ziel sein will. Und dass sie nicht mehr auf die Uhr schaut, weil sie doch unter 5 Stunden bleiben möchte. Das wird sie, da könnte sie sich sogar noch eine Weile auf die Wiese legen.

Zusammen mit Petra das Ziel vom Oberelbe-Marathon im Stadion erreicht

Gemeinsam laufen wir dann auch den Abschnitt unterhalb der Brühlschen Terrassen mit Blick auf Hofkirche, Residenzschloss und Semperoper. Mein Gott, wie schön ist Dresden! Das denke ich in dem Moment nicht, das Heinz-Steyer-Stadion wäre mir lieber! Das erreichen wir kurze Zeit später und ich merke, mit Petra gehen die Gefühle durch. „Das ich das geschafft habe, ich bin so froh“, ruft sie auf den letzten Metern Tartanbahn. Sie ist einfach nur glücklich. 4:45:09 Stunden zeigt die Uhr. Ich freue mich mit ihr. Wenn man im Jahr 25 Marathons läuft, lässt dieses Gefühl leider etwas nach. Schade.

Ich überquere den Zielstrich, lasse mir die Medaille umhängen und weil ich einmal so in Schwung bin, laufe ich gleich noch weiter bis Meißen. Hört sich gut an, stimmt aber nicht. Ich hole mir meine Portion Nudeln, suche Uwe (er war mal wieder 20 Minuten schneller als ich) und fülle die Wasserflaschen auf.

Und dann? Na habe ich doch schon gesagt, dann laufen wir nach Meißen. Knappe 30 Kilometer. Denkt da jemand, die sind doch bescheuert? Ja, das sind wir. Wo wir doch kostenlos hätten mit dem Zug fahren können…