Leser-Reporter Arne Brandes in Chicago

Eine unvergleichliche Atmosphäre

Der Chicago-Marathon zwischen Terrorangst und Volksfeststimmung. Leser-Reporter Arne Brandes war mittendrin.

Leser-Reporter Chicago Arne Brandes sub

Mit stolzgeschwellter Brust im Ziel im Grant Park.

Bild: privat

Um 7.30 Uhr erfolgte der Start der ersten Welle, begleitet von fünf Helikoptern vor der aufgehenden Sonne. Bei idealen 10 Grad (später bis maximal 17 Grad) und einem für Chicago eher seltenen leichten Wind ging es auf die sehr schnelle, flache und bereits für Weltrekorde bewährte Strecke Chicagos. Die sehr langen, geraden Streckenabschnitte mit wenigen Kurven trugen dazu bei, dass es zu keinerlei Gedränge kam. Das zeigte sich übrigens über die gesamte bis ins Detail organisierte Veranstaltung hinweg, denn lästiges Warten gab es eher selten. Lange Wartezeiten hatte man lediglich vor den – wie auf allen Stadtmarathons der Welt – immer wieder zu wenigen Dixie-Klos. Und das, obwohl die Menge der optisch schön in Reihe aufgestellten Container die Skyline der Stadt bereits zu übertrumpfen vermochte.

Der Lauf war ein zügiger, stimmungsvoller Durchlauf durch 29 der insgesamt 77 Stadtteile Chicagos. Entsprechend vielfältig und kulturell gemischt präsentierten sich die Chicagoans, die ohne Übertreibung als Marathon-Publikum sämtliche Veranstaltungen toppen. Die rund 1,7 Millionen Zuschauer und Fans waren (mit sehr wenigen Lücken) entlang der gesamten Strecke versammelt und erzeugten eine Stimmung, bei der selbst Paris oder Berlin nicht mithalten können. Auch bei der Versorgung entlang der Strecke fehlte es an nichts und der Ablauf war reibungslos. Beeindruckend war die Dimensionierung der Getränkestände, die jeweils die Länge eines gesamten Häuserblocks maßen und neben Gatorade, Wasser und Bananen sogar Vaseline anboten – für diejenigen Läufer, die sich bereits wundgelaufen hatten.

Dass Chicago zu den bestorganisierten Cityläufen weltweit gehört, zeigte sich auch im Zieleinlauf wieder: Trotz der limitierten Anzahl von Zuschauern im Zielbereich, die aufgrund der Terrorsorge von Zäunen auf Distanz gehalten wurden, war die Stimmung fantastisch. Als ich nach 3:57:33 Stunden die Ziellinie überquerte, wartete auf mich nicht nur die obligatorische Finisher-Medaille. Für jeden von den Qualen befreiten Läufer gab es zunächst einen überdimensionierten, eiskalten Waschlappen zum Reinigen der gel-verschmierten Gesichter und einen mit Eiswürfeln gefüllten Beutel zum schnellen Abkühlen der angegriffenen Muskulatur. Von hochgelegenen „Observation Points“ aus hatten Sanitäter einen guten Blick auf die eintrudelnden, vorbeihumpelnden Läufer, um sicherzugehen, dass niemand in der Menschenmenge zusammenbrach und unbemerkt versank.

Zum Ausklang des Chicago-Marathons ging es anschließend auf die „Post-Race-Party“ im Grant Park. Hier lebte die bisherige tolle Stimmung entlang der Marathonstrecke erneut auf. Mit Live-Bands, Bierständen und der Skyline Chicagos im Hintergrund glich die Atmosphäre eher einem Rockfestival, auf dem jedoch (verständlicherweise) wenig oder nur mit sehr schweren Beinen getanzt wurde.

Der Bank of America Chicago-Marathon war mein Highlight in diesem Jahr und wird mir in besonderer Erinnerung bleiben. Wenngleich ich mich jetzt, irgendwo über dem Atlantik, auf Flug KL0612 von meinem „Urlaub“ zu erholen versuche, 19 Plätze vor dem Sieger meines Rennens, begleitet von neun weiteren Kenianern auf dem Weg zu unserem nächsten Lauf.

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19 Plätze vor dem Star aus Kenia