Panorama pur

Eindrucksvoller Lauf auf der Seiser Alm

Auf der Seiser Alm fand ein 12,7-Kilometer-Lauf statt: Mit ebenso eindrucksvoller Dolomiten-Kulisse wie anspruchsvoller Laufstrecke.

Seiser-Alm-Lauf 2012 - Die Bilder

Es ist kein Geheimtipp mehr: Die Seiser Alm in Südtirol reiht sich mittlerweile in die Liste der namhaften Orte in den Alpen ein, die Hobby- und Leistungssportler für ein Höhentraining nutzen. Und touristisch putzt sich das Hochplateau im Norden Italiens auch im Sommer fein raus – bei Skiläufern längst bekannt, bietet die nach eigenen Angaben „größte Hochalm Europas“ auch für Sommersportler ein breites Angebot. Speziell für Läufer ist der Seiser Alm Running-Park installiert: Seit zwei Jahren können Läufer auf 20 beschilderten Rundstrecken unterschiedlicher Längen- und Schwierigkeitsgrade trainieren. Insgesamt 180 Kilometer auf Feld- und Wanderwegen, hügelig oder steil stehen zur Verfügung; acht Strecken sind am Fuße der Seiser Alm rund um die Dörfer Kastelruth, Seis und Völs (Running Park Seiser Alm). 12 Strecken sind auf dem Hochplateau selbst, also auf einer Höhe zwischen 1.800 und 2.200 Metern: Einen guten Test dieses Trainings-Eldorados bietet der offizielle „Seiser Alm Running“, der stets im Juli stattfindet.

Die 12,7 Kilometer lange Strecke des Panoramalaufs weist 379 Höhenmeter auf. Und da sie durchgängig auf einer Höhe von mehr als 1800 Höhenmetern absolviert wird, wird die Luft schon mal dünn – im wörtlichen Sinne. In diesem Jahr fiel der Startschuß am 23. Juli, und bessere Laufbedingungen hätte der Laufsonntag nicht bieten können, mit frischem Wind und nur gelegentlich von einzelnen Wolken unterbrochenem Sonnenschein. Unterschätzt hat die Strecke wohl keiner der Starter: Wer auf die Seiser Alm mit dem Auto oder der Gondel fährt – von Völs am Schlern fährt eine Kabinenbahn ganzjährig auf das Plateau – erhält auf den sich steil den Berg hoch windenden Serpentinen einen Eindruck in die Landschaftscharakteristik. Oben angekommen ergibt sich ein atemberaubender Blick auf das von saftig grünen Wiesen bestimmte Hochplateau und die steil aufragenden Dolomitengipfel. Das spektakuläre Bergmassiv des Schlern thront wie ein Epos aus Stein über der Seiser Alm.

Der Panoramalauf hat seinen Namen verdient: Hier die Läufer beim Anstieg zur Laurin Hütte, im Hintergrund das Schlern-Massiv.

Bild: Urs Weber

Panoramalauf mit Sternchen

Als Laufstrecken stehen zwei Distanzen zur Wahl. Der Publikumslauf wird zwar als Genusslauf angekündigt, führt aber auf seinen acht Kilometern auch über 200 Höhenmeter; Genuss ist relativ. Die ersten gut drei Kilometer teilt er sich mit dem Seiser Alm Running – und hier sind gleich über 150 Höhenmeter zu absolvieren. Nach dem Start in Compatsch – bis hierher gelangt man auf die verkehrsfreie Seiser Alm auch noch mit dem Auto - geht es nach wenigen Asphaltmetern gleich in Richtung Schlern auf herrlichen Wanderwegen, rechts und links saftige Wiesen, dazwischen die ein oder andere Holzhütte: So stellt man sich eine Alm vor. Allerdings spüren Flachland-Läufer hier nicht nur jeden Höhemeter, sondern auch die Höhenlage: Von 1.850 Höhenmetern geht es auf über 2.000 Meter, die Atmung wird schneller, der Puls rast.

Das Läuferfeld zieht sich auseinander und ähnelt schon nach einer halben Stunde einer sehr locker aufgereihten Perlenschnur. Wanderer spenden ehrfürchtig Beifall, sogar von der Sonnenterrasse auf der Laurin-Hütte schauen kurz die Stockwanderer von ihren Südtiroler Köstlichkeiten hoch. „Am ersten Berg hatte ich ja noch Kontakt zur Spitzengruppe“, erzählt Dennis Pyka später, immerhin Deutscher Marathonmeister von vor zwei Jahren. „Aber da habe ich schon gespürt, dass das Laufen in der Höhe etwas ganz anderes ist. Und dann kommt noch der unebene Boden dazu, die Südtiroler scheinen da irgendwie drüber zu fliegen, vor allem bergab!“ Auf der zweiten Hälfte sind zwei kürzere Passagen, auf denen es steil bergab geht – und wo die technisch geübten Läufer, meist Einheimische, doch deutlich im Vorteil sind.

Ein paar Mal geht es über ein Kuhgatter, dann durch eine Wiese, steil hinunter ins Tal eines rauschenden Alpbaches, über eine schmale, wippende Holzbrücke und dann gleich wieder steil hinauf, auf dem nächsten Kilometer warten noch einmal fast 70 Höhenmeter. So kommen insgesamt 379 Höhenmeter zusammen, die den Bergläufern ein schwaches Grinsen abverlangen, den Flachlandläufern aber ordentlich in die Beine gehen. Dennis Pyka wird nur Achter. Sieger wird Gabriele Abate in neuer Streckenrekordzeit von 47:28 Minuten, dicht dahinter der Lokalmatador Hermann Achmüller, der zwei Wochen zuvor den Jubiläumsmarathon in Stockholm gewinnen konnte. Bei den Frauen waren die Lokalfavoritinnen vorn, hier gewann Mirella Bergamo aus Valsugana in 58:07 Minuten von Nina Kunz und Christine Zemmer vom LG Schlern.

Mit Schuhtest

Viele Starter haben sich aus dem Urlaub in Südtirol spontan für einen Start entschlossen, zudem konnten sie in diesem Jahr auch noch von der „Running Shoe Experience“ profitieren: Acht Schuhhersteller boten ihre Schuhe zum Testen im Gelände an. Dennis Pyka ist gleich noch ein paar Tage auf der Seiser Alm geblieben, „ich habe gerade mit dem Training für einen Herbstmarathon begonnen, da kommt das hier sehr gelegen.“ Allerdings fügt er an: „Am Tag zuvor bin ich meinen ersten langen Lauf über 35 Kilometer gelaufen – danach hätte ich mir 12,7 Kilometer ehrlich gesagt viel leichter vorgestellt. Die Berge sollte man eben nicht unterschätzen.“ Aber sein strahlendes Gesicht zeigt, dass er alles andere als enttäuscht ist von dem Lauf, „so einen Lauf muss man als Erlebnislauf sehen, er heißt ja schließlich auch Panoramalauf.“