Mo Farah

Ein Weltmeister ,Made in Britain’

Der Brite zeigte im WM-Finale in Daegu, dass Europa doch noch Potential zum Gewinnen hat.

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Bild: photorun

Es war Mo Farah, der am Sonntag den Startschuss zum Great North Run in Newcastle gab. Der britische 5.000-m-Weltmeister schickte beim größten Halbmarathon der Welt 54.000 Läufer ins Rennen. Anschließend stand er noch rund eine dreiviertel Stunde lang am Start und schüttelte tausende Hände. Seine Landsleute gratulierten ihm zur Goldmedaille, die er bei der WM im südkoreanischen Daegu zwei Wochen zuvor gewonnen hatte. In einer Sonderbeilage der Zeitung „The Sunday Telegraph“, die auf Olympia 2012 abzielte, gehörten Mo Farah die ersten vier Seiten. „Born to run and made in Britain“ (Zum Laufen geboren und in Großbritannien gemacht) titelte die Geschichte über den Ausnahmeläufer, den die Briten feiern.

Mo Farah war ein Jahr vor Olympia in London bei der WM zu einem Sieg mit Signalwirkung gelaufen. Der Brite hat im 5.000-m-Finale gezeigt, dass Europas Läufer doch noch gewinnen können im vermeintlich aussichtslosen Kampf gegen die afrikanische Übermacht. Zum ersten Mal seit Dieter Baumanns Olympiasieg 1992 in Barcelona hat ein europäischer Läufer einen globalen 5.000-m-Titel gewonnen.

„Vor sechs oder sieben Jahren haben wir gedacht, dass es unmöglich für uns sein wird, die Afrikaner zu schlagen. Ich glaube, jetzt beginnt sich der Abstand zu den Afrikanern langsam zu verringern“, erklärte Mo Farah, der in Daegu eine Woche zuvor zudem als Zweiter den 10.000-m-Sieg nur knapp verpasst hatte. „Du musst an dich glauben, konzentriert bleiben und sehr hart trainieren – dann ist es möglich, die Afrikaner zu schlagen.“

Mo Farah stammt zwar auch aus Afrika. Jedoch kam er als Flüchtlingskind im Alter von zehn Jahren aus Mogadischu (Somalia) nach London und ist dort aufgewachsen. Er ist also keiner der eingebürgerten, afrikanischen Weltklasseläufer und hat in seiner Entwicklung die gleichen Voraussetzungen gehabt wie andere europäische Läufer auch. Seinem Sportlehrer Alan Watkinson fiel sein Talent auf. Er überredete ihn dazu, das Fußballspielen sein zu lassen und stattdessen mit der Leichtathletik zu beginnen. Dann brachte er ihn zum lokalen Londoner Leichtathletikverein. Vier Jahre später hieß der englische Crosslauf-Schulmeister Mo Farah. Als 18-Jähriger wurde er 2001 Junioren-Europameister über 5.000 m.

Seit Jahren suchte sich Mo Farah konsequent starke Trainingspartner. Dazu gehörten zum Beispiel Craig Mottram (Australien), Micah Kogo (Kenia) oder Bob Tahri (Frankreich). Farah trainierte in der Vergangenheit mehrmals in
Kenia, aber auch längere Zeit in Äthiopien. Über viele Jahre hinweg wurde er von Alan Storey trainiert. „Er hat mich zu einem Weltklasseläufer gemacht“, sagte Mo Farah, der sich jedoch im vergangenen Winter von dem Briten trennte. Der 28-Jährige schloss sich der Trainingsgruppe des früheren US-Marathonläufers Alberto Salazar an, der unter anderen Marathonläuferin Kara Goucher und Langstreckler Galen Rupp betreut. Mo Farah lebt daher zurzeit hauptsächlich in Oregon, was einen positiven Nebeneffekt hat. „Dort habe ich meine Ruhe“, sagte Mo Farah bezüglich des Rummels rund um Olympia in London.

Innerhalb von gut einem Jahr hat sich der frühere Crosslauf-Europameister (2006) deutlich verbessert. Im Sommer 2010 wurde Mo Farah, trotz der großen Läufer-Tradition seines Landes, als erster Brite 10.000-m-Europameister und siegte in Barcelona anschießend auch noch über 5.000 m. „Ich will mit den besten der Welt konkurrieren“, nannte er dann sein nächstes Ziel, was er in diesem Jahr eindrucksvoll erreichte. Zunächst verteidigte er seinen Titel als 3.000-m-Hallen-Europameister, dann setzte er sich mit Bestzeiten von 26:46,57 Minuten (10.000-m-Europarekord) und 12:53,11 (5.000 m/Britischer Rekord) an die Spitze der Jahresweltbestenlisten. Dazwischen gewann er zudem sein Halbmarathondebüt in New York in 60:23 Minuten. „Ich muss mich bei Alberto Salazar bedanken dafür, dass ich diesen Erfolg erreichen konnte“, erklärte Mo Farah nach seinem WM-Sieg. Der Trainer impfte ihm vor dem 5.000-m-Finale Selbstvertrauen ein und gab ihm taktische Tipps.

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