Thomas Dold erfolgreich

Die Towerrunning-Saison 2012 aus deutscher Sicht

Thomas Dold war 2012 der erfolgreichste Towerrunning-Läufer der Saison. Christian Riedl war ihm dicht auf den Fersen.

Empire State Building Run Up

Thomas Dold beim Empire State Building Run Up in New York.

Bild: New York Road Runners

Was brachte die zurückliegende Treppenlauf-Saison aus deutscher Sicht? Wieder einmal war es Thomas Dold, der am Ende die Treppenlaufwelt beherrschte und mit nur sechs Rennteilnahmen einen letztlich ungefährdeten World Cup-Gesamtsieg davon trug.

Bereits im Januar konnte er sich mit einem klaren Sieg gegen ein nicht allzu starkes Feld in Sao Paulo in Führung bringen und zelebrierte dann nur zwei Wochen später seinen siebten Triumph in Serie beim legendären Empire State Building Run Up. Weitere Erfolge bei den Masters Races in London und Berlin sorgten für eine reiche Punkteausbeute. Ein weiteres Highlight ließ er beim ersten europäischen Championat in Frankfurt folgen. Mit taktischer Renneinteilung und überragender sportlicher Leistung blieben den hochklassigen nationalen und internationalen Konkurrenten beim bestbesetzen Rennen der europäischen Treppenlauf-Geschichte nur die Plätze auf der unteren Etage des Podiums.

Eine Woche später musste Dold dann der Vielzahl an Rennen in der Frühjahrssaison Tribut zollen und verlor beim Taipei 101 Run Up den Sieg um vier Sekunden an den Australier Mark Bourne. Dies war dann auch das letzte Saisonrennen von Dold. Die Großveranstaltungen der Herbstmonate in Wien, Chicago und Singapur ließ er ebenso aus wie das hochkarätige Finale in Bogota, bei dem die Weltelite ansonsten geschlossen am Start war. Weil Hauptkonkurrent Piotr Lobodzinski dort erwartungsgemäß in den Kampf um den Sieg nicht eingreifen konnte und bei einigen Rennen im Verlaufe der Saison in äußerst knappen Entscheidungen Punkte verlor, reichten die 1.158 Punkte für Dolds fünf Siege und den zweiten Rang von Taipei zum vierten World Cup-Titel in Folge.

Hinter Thomas Dold und Piotr Lobodzinksi landete mit Christian Riedl zum zweiten Mal nach 2009 ein zweiter Deutscher auf dem World Cup-Podium. Riedl stellte erneut seine Vielseitigkeit unter Beweis – auf und abseits der Treppe. Dem gebürtigen Nürnberger, der neben dem Treppensport seinen Trainingsschwerpunkt in der abgelaufenen Saison vor allem auf den Ironman richtete, genügte ein zwölfter Platz beim Towerrunning-Finale in Bogota um den Bronze-Rang in der Gesamtwertung abzusichern. Die Grundlage hierzu legte er mit einer Reihe von Top-Platzierungen in der ersten Saisonhälfte. Beim Empire State Building Run Up konnte er trotz schlechterer Startposition seine persönliche Bestzeit um 53 Sekunden verbessern und sicherte mit seinem zweiten Platz – nur acht Sekunden hinter Dold – dem deutschen Team einen grandiosen Doppelsieg. Sollte er sich 2013 noch einmal steigern können, dürfte es für Dold auf seinem Lieblingsgeläuf schwer werden, seiner Rekordserie einen achten Sieg folgen zu lassen.

Während auf den 1.576 Stufen im New Yorker Wahrzeichen vor allem Ausdauer und Durchsetzungsfähigkeit beim Massenstart gefragt sind, geht es auf der mit 542 Treppen deutlich kürzeren Sprint-Strecke in Basel um Tempohärte und Technik. In 2:36 min feierte Riedl dort seinen ersten Masters-Sieg, unterbot den Streckenrekord und erreichte eine Zeit, welche fünf Sekunden unter der schnellsten von Thomas Dold dort jemals gelaufenen lag.

Das andere Extrem bediente Riedl dann wieder in Fürth, wo er einen mehrstündigen Multi Climb mit Rundenvorsprung für sich entschied und nur einen Tag später auf der steilen Outdoor-Strecke von Bad Wildbad triumphierte. In Berlin fehlten im nur 2 Sekunden gegen Thomas Dold und bei der EM in Frankfurt gab es wiederum Platz 2 hinter seinem Landsmann. In Runde 1, dem eigentlichen SkyRun MesseTurm Frankfurt, lief Riedl die Bestzeit und gewann den Klassiker im Frankfurter Wahrzeichen. Wieder einmal war er der kompletteste und vielseitigste deutsche Treppenläufer, musste sich auf internationaler Ebene Dold bei den Saisonhighlights aber den Vortritt lassen. Mit den Doppelsiegen in New York, Frankfurt und Berlin und ihren weiteren internationalen Erfolgen legten Dold und Riedl den Grundstein für den dritten deutschen Gesamtsieg im Nationen-Ranking, der letztlich nie ernsthaft in Gefahr geriet.

Bei den Damen holte wieder einmal Marie-Fee Breyer die größte Punkteausbeute. In Basel sicherte sie sich den 2. Platz hinter der überlegenen World Cup-Gesamtsiegerin Suzanne Walsham (AUS) – noch vor der späteren Weltranglisten-Zweiten Kristin Frey (USA). Auch in Frankfurt war es der Tag der zweiten Plätze für Marie-Fee Breyer. Zunächst gelang ihr die zweitbeste Zeit hinter Walsham beim SkyRun MesseTurm Frankfurt. Im EM-Finale war es dann die Sensations-Europameisterin Melanie Albrecht, der sich Breyer in einer knappen Entscheidung geschlagen geben musste.

Ihren einzigen Saisonsieg feierte Marie-Fee Breyer im österreichischen Hall. Mit nur drei Rennen schaffte sie es mit einem soliden 8. Rang erneut in die World Cup Top 10. Melanie Albrecht stellte ihr aussichtsreiches Talent leider nicht bei weiteren Rennen unter Beweis, sodass es am Ende nur Gesamtrang 18 wurde. Überhaupt war es abgesehen von der Europameisterschaft, wo man die internationale Konkurrenz auf Distanz halten konnte, eine schwache Saison für die deutschen Damen. Nur sechs von ihnen schafften den Sprung in die Top 70 der Welt.

Noch schlechter sind allerdings in der Breite die Zahlen für die deutschen Herren. Nur vier von Ihnen erreichten einen Platz unter den besten 70. Enrico Gäbe, der zwischen 2009 und 2011 stets an den Top 10 schnupperte, konnte in der abgelaufenen Saison nur einmal für ein Highlight sorgen als er in Köln die starke Konkurrenz kontrollierte. Bei den Masters Races waren die Ergebnisse durchwachsen. Auch wenn er im Herbst bei international besetzten Rennen die eine oder andere einstellige Platzierung vorweisen konnte, reichte es am Ende vor allem angesichts der exzellenten Leistungen anderer europäischer Athleten nur zu Gesamtrang 20.

Es bleibt dabei, dass den deutschen Towerrunning-Herren die Nachwuchstalente fehlen, sodass nach der Ära Dold und Riedl finstere Zeiten für den deutschen Treppenlaufsport drohen. Auch die jungen Treppenlauftalente im Damenfeld können aufgrund fehlender Förderung nicht näher an die Weltspitze herangeführt werden. Verglichen mit den Netzwerken in den USA, Österreich und Osteuropa sind die Strukturen in der deutschen Towerrunning-Szene bislang äußerst rudimentär. Dies zeigt auch ein Blick auf die Treppenlauf-Landkarte in Deutschland. Abseits der Masters Races in Berlin und Frankfurt, wo dank des einzigartigen Engagements von Race Director Michael Lederer ein spektakuläres und medial herausragend angenommenes Europameisterschafts-Turnier auf die Beine gestellt werden konnte, sind keine Veranstaltungen von internationaler Relevanz in Sicht.

Die Zahl der Rennen sank im Vergleich zur Vorsaison von 20 auf 19 Events. Der Faktoren-Schnitt im Towerrunning World Cup als Maß für die Qualität der Veranstaltungen und der Teilnehmerfelder fiel erneut von 0,63 auf 0,59. Während es in den USA in nahezu jeder größeren Stadt mindestens einen Treppenlauf gibt, sind viele Gebiete in Deutschland noch komplett unerschlossen und die existierenden Events haben selten eine dreistellige Teilnehmerzahl.

Für 2013 stehen die Zeichen allerdings günstiger. Unter dem Dach der neu strukturierten Towerrunning World Association, der seit Beginn des Jahres der Deutsche Sebastian Wurster als Präsident vorsteht, wird endlich auch ein deutscher Treppenlaufverband seine Arbeit aufnehmen. Eine Towerrunning Germany-Serie nach österreichischem und tschechischen Vorbild soll die bestehenden Events vernetzen, neue Veranstaltungen integrieren und die Grundlage für eine Ausweitung der Medienpräsenz darstellen. Bei mehr als 20 Veranstaltungen werden dann wie beim World Cup auch auf nationaler Ebene die besten Allrounder gekürt. Für die Spezialisten sind auf drei verschiedenen Distanzen deutsche Treppenlaufmeisterschaften geplant, sodass für ambitionierte Athleten und Hobbyläufer ein attraktives Umfeld zum sportlichen Vergleich entsteht.

Towerrunning:

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