Berlin, Chicago, Frankfurt und New York

Die Marathon-Höhepunkte im Herbst 2012

Am 30. September beginnt mit dem BMW Berlin-Marathon der spannende Marathon-Herbst. Unser ausführlicher Ausblick auf die Rennen in Berlin, Chicago, Frankfurt und New York.

Tiki Gelana

Olympiasiegerin Tiki Gelana läuft in New York.

Bild: photorun.net

Im vergangenen Jahr lief Berlin einmal mehr vorneweg. Der aktuelle Streckenrekord, den der Kenianer Patrick Makau 2011 mit 2:03:38 Stunden aufstellte, ist nach wie vor auch der Weltrekord. Es war bereits die achte globale Bestmarke, die in der deutschen Hauptstadt beim Berlin-Marathon aufgestellt wurde.

Die Zeit von Patrick Makau nun in Berlin zu unterbieten, das ist das Ziel von Geoffrey Mutai. Der Kenianer hatte 2011 in Boston für eine Sensation gesorgt, als er das Rennen in 2:03:02 Stunden gewann. Als Weltrekord konnte sein Ergebnis jedoch nicht anerkannt werden, da die Strecke in Boston nicht die nötigen Voraussetzungen erfüllt. Wenn Geoffrey Mutai in Berlin seine Weltrekordjagd startet, wird Patrick Makau in Kenia vor dem Fernseher das Rennen verfolgen. Er will vier Wochen später beim BMW Frankfurt-Marathon entweder zum Gegenschlag ausholen oder aber seinen eigenen Rekord ins Visier nehmen.

Beide Kenianer mussten mit der Enttäuschung leben, von den kenianischen Verbandsfunktionären bei der Olympianominierung übergangen worden zu sein – zumindest bei Patrick Makau geschah dies auf fragwürdige Art und Weise, nachdem man ihm einen Startplatz zunächst zugesichert hatte. Beide Athleten werden nun besonders motiviert sein, auf den schnellen deutschen Strecken sehr schnell zu laufen, um den Funktionären zu zeigen, dass die Olympia-Nominierung ein Fehler war.

Dass die beiden weltweit besten Marathonläufer der Jahre 2010 und 2011 in Deutschland starten, ist als großer Erfolg für die Veranstalter von Berlin und Frankfurt zu sehen. Makau und Mutai gaben den US-Rennen von New York und Chicago einen Korb. Das wäre in früheren Zeiten undenkbar gewesen und zeigt den spitzensportlichen Wert der zwei Veranstaltungen.

Dass der Frankfurt-Marathon im Gegensatz zu Berlin sowie Chicago und New York nicht zu den World Marathon Majors (WMM) gehört, ist am Spitzenfeld kaum zu erkennen – und an den gelaufenen Zeiten der letzten Jahre schon gar nicht. Bei den Größen der Läuferfelder ist der Unterschied freilich noch enorm. Auch hier hat sich Frankfurt aber gut entwickelt. Das Teilnehmerlimit von 15.000 Läufern dürfte am Main bald erreicht sein.



Geoffrey Mutai will in Berlin den Kursrekord brechen – und damit auch den Weltrekord.

Bild: photorun.net

Berlin: Mutais schärfste Konkurrenten könnten Newcomer sein

Wenn Geoffrey Mutai am 30. September in Berlin am Start steht, kennt er die Strecke bereits. Vor zwei Jahren belegte er hier knapp geschlagen den zweiten Platz. In einem spannenden Duell der beiden Kenianer siegte Patrick Makau damals im strömenden Regen mit nur zwei Sekunden Vorsprung in 2:05:08 Stunden. Gewinnt Geoffrey Mutai jetzt im zweiten Anlauf in Berlin, hat der Kenianer auch die World Marathon Majors (WMM)-Wertung vorab für sich entschieden. Als Sieger der WMM-Serie 2011-2012 würde er sich eine halbe Million US-Dollar als Prämie sichern. Bei den Frauen bleibt es dagegen in der WMM-Wertung voraussichtlich bis zum letzten Rennen in New York spannend.

Wer könnte Geoffrey Mutai in Berlin schlagen? Gemessen an den persönlichen Bestzeiten käme am ehesten Jonathan Maiyo dafür in Frage. Der Kenianer steigerte sich in diesem Jahr in Dubai als Vierter auf 2:04:56 Stunden. Vier Plätze hinter ihm folgte der Äthiopier Deressa Chimsa (2:05:42 Stunden), der ebenfalls in Berlin starten wird. Auch Nicholas Kamakya (Kenia), der sich im vergangenen Jahr in Amsterdam auf 2:06:34 steigerte und damit dort Vierter wurde, wird in Berlin im Rennen sein.

BMW Berlin-Marathon

Bild: PHOTORUN/SCC EVENTS

2011 stellte der Kenianer Patrick Makau beim BMW Berlin-Marathon mit 2:03:38 Stunden einen neuen Weltrekord auf.

Doch vielleicht können auch zwei kenianische Newcomer überraschen: Dennis Kimetto und Geoffrey Kipsang. Kimetto trat erst in diesem Jahr international in Erscheinung. Der 28-Jährige gewann zunächst den hochklassigen Halbmarathon in Ras Al Khaimah (Vereinigte Arabische Emirate), triumphierte dann beim Berliner Halbmarathon mit einer Verbesserung auf 59:14 Minuten und stellte schließlich in Berlin bei den BIG 25 einen Weltrekord über die 25-km-Distanz auf (1:11:18). Dennis Kimetto ist zeitweilig ein Trainingspartner von Geoffrey Mutai.

Der andere Debütant ist erst 19 Jahre alt: Geoffrey Kipsang hat ebenfalls beste Erinnerungen an Berlin. Im vergangenen Jahr gewann er den Halbmarathon überraschend mit 60:38 Minuten. Nachdem er in Berlin 2011 und Rotterdam 2012 jeweils als Marathon-Tempomacher mitgelaufen ist, will er nun die komplette Distanz absolvieren. Geoffrey Kipsang soll in guter Form sein und bereit für ein sehr schnelles Rennen. Er kommt aus einer Trainingsgruppe, aus der ein Läufer vor kurzem für eine Sensation sorgte: Stephen Kiprotich (Uganda) wurde in London Olympiasieger. Vielleicht ist das auch ein gutes Zeichen für Geoffrey Kipsangs Rennen in Berlin.

Von Zeitbereichen unter 2:10 Stunden können die besten deutschen Marathonläufer zurzeit weiter nur träumen. Es hat sich nicht viel entwickelt in den vergangenen Jahren. In Berlin wird Jan Fitschen (TV Wattenscheid) einen neuen Anlauf nehmen, um seine Bestzeit von 2:15:40 Stunden zu unterbieten. Wenn er zehn Minuten nach dem Sieger ins Ziel käme, wäre dies wohl schon ein Erfolg.

Mit Aberu Kebede kehrt die Titelverteidigerin nach Berlin zurück. Damals siegte die Äthiopierin mit 2:23:58 Stunden. Am letzten September-Sonntag wird sie deutlich schneller laufen wollen. Nach einer Steigerung beim Dubai-Marathon auf 2:20:33 in diesem Jahr, dürfte es für die 23-Jährige ein Ziel sein, die 2:20-Stunden-Barriere zu durchbrechen. Neben ihrer Landsfrau Ashu Kasim (Bestzeit: 2:23:09) sollten vor allen drei Kenianerinnen eine Rolle spielen. Philes Ongori (2:24:20), Valentine Kipketer (2:28:02) und die Debütantin Caroline Chepkwony. In einem relativ ausgeglichenen Feld wird auch Fate Tola (Äthiopien/2:26:35) zu beachten sein. Die zweimalige Wien-Marathon-Siegerin ist die Trainingspartnerin der deutschen Marathon-Rekordlerin Irina Mikitenko. Währenddessen hofft die in Berlin sicherlich stärkste deutsche Läuferin, Anna Hahner (Run2Sky), in ihrem zweiten Marathonrennen auf ihre erste Zeit unter 2:30 Stunden. In Düsseldorf lief die erst 22-Jährige im April ein gutes Debüt mit 2:30:14.

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