Wüstenquerung in Südamerika

Die letzten Kilometer und die Gedanken an zu Hause

22. Juni 2015 - 414,5 km - Iquique - Atacama - Salar de Uyuni - 24 kg Gepäck - gesamte Versorgung mit Wasser und Nahrung auf dem Rücken - 5 Tage und 14 1/2 Stunden

Steven Rau liegt in der Wüste

Auf dem salzigen Untergrund liegt es sich mehr oder weniger gut.

Bild: privat

Es ist geschafft was noch niemals geschafft wurde. Endlich wieder etwas liegend finde ich auch schon bald in den Schlaf. Der Körper ist erschöpft und der Kopf ist leer. Doch auch diese Ruhepause soll nicht lange halten. Bereits nach zwei Stunden liege ich wieder hellwach in meinem Schlafsack und blicke in die Sterne. Ich überlege kurz noch etwas zu schlafen aber ich bin kein wenig müde und packe im Ergebnis dann doch meine Sachen zusammen und entschließe mich diese Tour endlich zu beenden. Die nächtliche Kälte hat einen großen Vorteil denn sie sorgt dafür, dass der Körper nicht schwächelt und mein Geist klar bleibt.

Ein paar Minuten benötige ich nach den Ruhepausen immer, um wieder in meinen Rhythmus zu gelangen, da doch schon einige Blasen und Wunden meine Füße zieren. Zudem ist die Orientierung nachts immer etwas schwieriger, da es an markanten Punkten in der Ferne fehlt und ich mich noch stärker konzentrieren muss keinen falschen Schritt zu tun. Glücklicherweise gibt es auf dem harten Salz nicht wirklich viele Möglichkeiten zu stolpern.

Geduldig die letzten Kilometer bis zum Ziel

Je näher ich auf diesem Lauf meinem Ziel komme, desto schneller werden meine Schritte. Ich muss mich jetzt teils schon zügeln um es nicht zu übertreiben. Auch beim Marathon gibt es immer wieder Läufer, welche noch bei Kilometer 40 aufgeben müssen. Das soll mir nach Tagen harter Arbeit nicht passieren. In schnellem Schritt sind bereits schon wieder 35 km verstrichen und es geht mir körperlich noch bestens. Im Schein des Mondes ist es auf dem Salar de Uyuni fast taghell und so macht es mir aktuell keine Probleme zu laufen, vielmehr genieße ich diese Ruhe und diese Impulsanz des Salar de Uyuni. Wirklich ein einmaliges Gefühl.

Steven Raus Füße warfen schon während des Laufs Blasen.

Bild: privat

Ein einzigartiges Projekt geht zu Ende

Auf diesen letzten Kilometern begleiten mich immer wieder die Gedanken an zu Hause, an die vergangenen Qualen, an das bevorstehende Ziel und an das Gefühl, es endlich geschafft zu haben. So ist es dann am 22. Juni um 6.30 Uhr, als ich meinen Lauf nach 414,5 km beende. Für diesen Lauf benötigte ich fünf Tage und 14,5 Stunden und beende damit dieses bisher einzigartige Projekt erfolgreich.

Es war für mich eine einzigartige Erfahrung und eine wirkliche Qual. Ich nehme so viel von diesem Lauf mit in Bezug auf meine eigene Entwicklung, die sportliche Belastbarkeit, die Planung solcher Projekte aber auch in Bezug auf die menschliche Psyche. Für diese Erfahrung bin ich sehr dankbar und ich bin dankbar dafür, dass ich dieses Projekt mit euch teilen durfte und ihr mich so wunderbar unterstützt habt. Ein besonderes Danke geht an meine Familie, ohne die solche Touren nicht möglich wären, an meine Freundin, die mich hat gehen lassen und an meine Begleitung Gino, der immer auf mich geachtet hat. Danke!

22. Juni 2015 - 414,5 km - Iquique - Atacama - Salar de Uyuni - 24 kg Gepäck - gesamte Versorgung mit Wasser und Nahrung auf dem Rücken - keine Versorgungspunkte - 5 Tage und 14 1/2 Stunden

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