Halbmarathon Newcastle

Dibaba siegte in ihrem ersten Halbmarathon

Gleich bei ihrem ersten Halbmarathon gelang es Tirunesh Dibaba, die Konkurrenz hinter sich zu lassen. Beim Bupa Great North Run siegte sie in 67:35 Minuten.

Wilson Kipsang

Wilson Kipsang gewann den Great North Run.

Bild: photorun.net

Tirunesh Dibaba hat ihr Halbmarathon-Debüt beim Bupa Great North Run im englischen Newcastle gewonnen. Die 26-jährige äthiopische 10.000-m-Olympiasiegerin von London setzte sich gegen hochkarätige Konkurrenz durch und lief mit 67:35 Minuten die siebtschnellste Zeit des Jahres. Es war eines der schnellsten Debüts über die 21,0975-km-Distanz aller Zeiten. Für Tirunesh Dibaba war dies ein entscheidender Schritt zu einer möglicherweise außerordentlichen Straßenlaufkarriere. Im kommenden Jahr möchte sie ihr Marathondebüt laufen.

Die 26-jährige Doppel-Olympiasiegerin von Peking 2008 (5.000 und 10.000 m) setzte sich gegen hochkarätige Konkurrenz durch. Marathon-Weltmeisterin Edna Kiplagat (Kenia) wurde Zweite mit 67:41, die Marathon-Olympiasiegerin von London, Tiki Gelana (Äthiopien), folgte in 67:48. Beide liefen persönliche Bestzeiten.

Bei den Männern setzte sich in einem knappen Sprint-Finish der Marathon-Olympiadritte Wilson Kipsang (Kenia) mit 59:06 Minuten vor seinem Landsmann Micah Kogo (59:07) durch. Kipsang, der Sieger des London- und des Frankfurt-Marathons, erzielte die fünfschnellste Zeit des Jahres. Dritter wurde der Äthiopier Imane Merga, der mit 59:56 ein erstklassiges Debüt lief. Rund 55.000 Läufer hatte für den Great North Run gemeldet, etwa 40.000 gingen bei guten Wetterbedingungen mit am Ende leichtem Regen an den Start.

Tirunesh Dibaba war beim längsten Lauf ihrer Karriere deutlich schneller als die britische Marathon-Weltrekordlerin Paula Radcliffe und die aktuelle Halbmarathon-Weltrekordlerin Mary Keitany (Kenia) bei ihren Debüts über diese Strecke. Radcliffe war 1999 in Newcastle 69:37 Minuten gelaufen, Keitany rannte 2006 in Sevilla 69:06. „Es war mein erstes Rennen über diese Distanz, deswegen bin ich vorsichtig gelaufen und habe erst auf der letzten Meile das Tempo verschärft“, erklärte Tirunesh Dibaba, die sich lange Zeit im Rennen zurückhielt und rund 20 Kilometer lang am Ende der Spitzengruppe lief.

Es war die frühere New York-Marathon-Siegerin Jelena Prokopcuka (Lettland), die bis über die 15-km-Marke hinaus die Spitzengruppe anführte. Zusammen mit Edna Kiplagat, Tiki Gelana und Tirunesh Dibaba passierte sie den 15-km-Punkt nach 48:33 Minuten. Als dann Weltmeisterin Edna Kiplagat nach 17 km das Tempo etwas forcierte, war Jelena Prokopcuka geschlagen. Während Kiplagat und Gelana an der Spitze fast nebeneinander liefen, hielt sich Tirunesh Dibaba weiter zurück. Erst 800 Meter vor dem Ziel trat sie an. 200 Meter später war Gelana geschlagen und weitere 200 Meter später schließlich auch Kiplagat.

Hinter Dibaba (67:35), Kiplagat (67:41) und Gelana (67:48) folgten Jelena Prokopcuka (68:09) und die Britin Jo Pavey (69:20) auf den Rängen vier und fünf. „Ich hatte mich nicht speziell auf dieses Rennen vorbereitet, daher ist das für mich ein guter Wettkampf gewesen. Immerhin habe ich eine persönliche Bestzeit aufgestellt“, erklärte Olympiasiegerin Tiki Gelana. Befragt nach Tirunesh Dibaba und was sie von ihr im Marathon in der Zukunft erwartet, antwortete Gelana: „Tirunesh wird eine große Marathonläuferin. Sie könnte eines Tages sogar den Weltrekord brechen.“ Die Marke von Paula Radcliffe steht seit 2003 bei 2:15:25 Stunden.

„Wenn ich bei meinem nächsten Halbmarathon auf einer schnellen Strecke laufe, ist der Weltrekord mein Ziel“, erklärte Tirunesh Dibaba nach ihrem Sieg in Newcastle. Die Halbmarathon-Bestmarke von Mary Keitany steht bei 65:50 Minuten.

Ein schnelles Rennen entwickelte sich bei den Männern: Der frühere 10-km-Weltrekordler Micah Kogo und sein kenianischer Landsmann Emmanuel Bett machten das Tempo. Gemeinsam mit Mike Kigen (Kenia), Imane Merga und Wilson Kipsang hatten sie sich frühzeitig abgesetzt und erreichten die 10-km-Marke nach 28:02 Minuten. Kipsang hielt sich dabei lange Zeit zurück und lief am Ende der Gruppe. Schließlich kam dieses Rennen nur fünf Wochen nach dem olympischen Marathon. „Nach der ersten Hälfte fühlte ich mich gut“, erklärte Wilson Kipsang, der dann nach rund 12 km zusammen mit Micah Kogo die Initiative ergriff. Die beiden lösten sich und liefen schnell einen entscheidenden Vorsprung heraus.

Während der Streckenrekord von 58:56 Minuten auf der letzten Meile nicht mehr in Reichweite war, entwickelte sich auf der langen Zielgerade an der Nordseeküste ein dramatischer Kampf um den Sieg. Zunächst war es Kipsang, der auf einem abfallenden Stück einige Meter Vorsprung herauslief. Dann kam jedoch der Konter von Kogo, der 100 Meter vor dem Ziel wie der Sieger aussah. Aber irgendwie konnte Wilson Kipsang auf den letzten Metern noch einmal beschleunigen und schob sich an seinem Kontrahenten vorbei. „Die Lücke war nicht so groß, so dass ich mir sagte: Gebe jetzt noch einmal alles, du kannst noch gewinnen“, erklärte Wilson Kipsang und fügte hinzu: „Ich habe mich nach dem olympischen Marathon gut erholt, denn das Rennen in London war nicht so schnell. Vielleicht starte ich im Herbst noch einmal bei einem Marathon.“

Hinter Kipsang, Kogo und Merga belegten die Kenianer Mike Kigen (60:18) und Emmanuel Bett (60:56) die Ränge vier und fünf. Ein gutes Rennen zeigte der Brite Chris Thompson, der als Sechster nach 61:00 Minuten im Ziel war.