Cross in Neukirchen

Deutscher Cross-Nachwuchs überzeugt

Bei der Team-Challenge in Grevenbroich-Neukirchen siegten die Deutschen in drei Cross-Wertungen.

Julia Viellehner

Bild: Tomas Ortiz Fernandez

Die deutschen Nachwuchsläufer zeigten sich bei der Team-Challenge im Grevenbroicher Stadtteil Neukirchen eigentlich als "schlechte Gastgeber", denn in drei von vier Wettbewerben hieß der Sieger Deutschland. Lediglich bei den unter 20-jährigen Junioren setzte sich mit der Schweiz eine der Gastmannschaften durch.

Bei der vierten Auflage der Team-Challenge mussten die Verantwortlichen dabei einen merklichen Rückschlag verkraften, denn die traditionell starken Crossländer England, Holland und Belgien waren diesmal nur vereinzelt und mit schwachen Teams vertreten. Auf dem nach Regen- und Schneefällen crossigem Geläuf im großzügen Gelände des Sportzentrums der "Energiestadt Grevenbroich" startete auch die Neuauflage des Deutschen Cross-Cup nicht mit dem erhofften Erfolg, denn nur wenige der deutschen Spitzenläufer wollten das zusätzliche Wettkampfangebot annehmen, so dass bis auf den amtierenden Crossmeister Stefan Hohl (Huchenfeld) durchweg Nachwuchsläufer die begehrten Punkte für den Cross-Cup sammeln konnten.

Im zahlenmäßig gut besetzten Männer- und Juniorenrennen über 8.500 m lief der aus Kenia stammende Hassan Mamboob vom Start weg einen souveränen Sieg in 29:06 Minuten heraus. Dahinter duellierten sich Stephan Hohl und Zelalem Martel bis in die Schlussrunde hinein, ehe sich der amtierende Crossmeister doch noch klar von seinem hartnäckigen Konkurrenten in 29:23 Minuten und sechs Sekunden Vorsprung absetzen konnte. Für Zelalem Martel gab es nicht nur einen beachtlichen dritten Rang im Gesamteinlauf, sondern auch den Tagessieg in der Klasse der unter 23-Jährigen. "Ich hatte seit der dritten Runde starke Seitenstiche und ständig überlegt, ob ich nicht besser aussteigen sollte. Aber letztlich bin ich froh, dass ich es nicht getan habe. Zumal ich gewusst habe, dass auch Zelalem am Limit läuft", freute sich Stephan Hohl über seinen zweiten Rang hinter Hassam Mamboob. Der für Bahrain startende 26-jährige Langstreckler mit einer 10.000 m-Bestzeit von 27:56 Minuten hatte seine Läuferkarriere im kenianischen Hochland in Kipsabet nahe Eldoret unter dem Namen Sillas Kirui begonnen und lebt nach dem Wechsel seines Managements nun in Belgien.

Eine starke Vorstellung zeigte als bester Läufer der unter 20-Jährigen und Gesamt-Siebenter der Leverkusener Alexander Hahn, der nach 30:28 Minuten ins Ziel kam. "Technisch anspruchsvollere Strecken wie diese hier in Neukirchen liegen mir wesentlich besser als flache und schnelle Strecken wie bei der EM in Toro. Nun kann ich mit Zuversicht an die Titelverteidigung in Ohrdruf gehen", freute sich Alexander Hahn, der Cross-EM-Siebente von 2006.

Lange Zeit sah es im Frauen- und Juniorinnenrennen über 5.100 m nach einem klaren Erfolg für die Vorjahreszweite Julia Viellehner aus, ehe in der Schlussrunde die Neu-Passauerin Probleme hatte und letztlich nur Dritte wurde. "Ich habe nach guten Rennen beim Silvesterlauf in Peuerbach und den Crossläufen in Edinburgh und Breda wohl im Training etwas übertrieben und war am Ende saft- und kraftlos", gestand Julia Viellehner ein. Den Tagessieg holte sich überraschend die Juniorin (unter 23 Jahre) Heike Bienstein, die sich erst in der Schlussrunde an der Spitze zeigte und konsequent ihr hohes Tempo bis ins Ziel hinein halten konnte. Mit 19:45 Minuten lag sie am Ende doch deutlich vor der holländischen 3.000-m-Hindernismeisterin Andrea Deelstra (19:50) und Julia Viellehner (19:56). Hinter der 19-jährigen Belgierin Barbara Maveau setzte sich in der "deutschen Gruppe" vor allem Susi Lutz und Carolin Lang gut in Szene. Eine gute Rolle spielten auf der ungewohnt langen Distanz die 18-jährige Julia Weniger, die als Elfte des Gesamteinlaufes mit 20:59 Minuten die Wertung der unter 20-Jährigen dicht gefolgt von ihrer 17-jährigen DLV-Teamkollegin Maria Heinrich (21:03) gewinnen konnte.

"Das war bei der 15. Auflage unseres Crosslaufes die bislang beste Besetzung", freute sich Adam Rosenbaum von der veranstaltenden SG Neukirchen-Hülchrath. "Dieses Jahr hatten wir immerhin 12 Nationen am Start." Und Detlef Uhlemann, der DLV-Langstreckentrainer ergänzte: "Ich finde es toll, dass unser Nachwuchs in Neukirchen eine derartige Bühne findet, um sich entsprechend zu präsentieren. Unsere Athleten haben uns angesichts der schwierigen Bodenverhältnisse wacker geschlagen und drei Teamwertungen gewinnen können. Aber, man darf dabei nicht verkennen, dass die Cross-Ergebnisse lediglich Momentaufnahmen unseres Leistungsvermögens darstellen. Nicht mehr und nicht weniger."

Text: race-news-service.de / Wilfried Raatz