Jessica Koten beim Barbarossa-Berglauf

Der Weg zur Gipfelstürmerin

Blauer Himmel, Sonne, 17 Grad - bei perfektem Laufwetter ging Leser-Reporterin Jessica Koten an den Start des Barbarossa-Berglaufs, einem Halbmarathon mit 340 Höhenmetern.

Leser-Reporterin Jessica Koten nach dem Barbarossa-Berglauf

Leser-Reporterin Jessica Koten sichtlich gelassen nach ihrem ersten Halbmarathon, dem Barbarossa-Berglauf am 18. Mai 2014 in Göppingen.

Bild: privat

Vom 5-km-Lauf zum Barbarossa-Berglauf

Dass Laufen definitiv zu meinen Lieblingssportarten gehört, weiß ich schon ein paar Jahre. Vor allem in der Zeit meines Abiturs hat es mir enorm geholfen, Stress abzubauen und die Ruhe zu bewahren. Doch dass sich daraus eine echte Leidenschaft entwickeln würde, das ahnte ich damals noch nicht. Angespornt durch meine Lieblingstante Ramona, die selbst schon jahrelange Lauferfahrung und bereits einige Halbmarathon-Wettkämpfe hinter sich hat, begann ich, mir neue Ziele zu setzen. Die Läufe wurden länger, abwechslungsreicher und intensiver und so entschied ich mich dann für einen ersten 5-Kilometer-Wettkampf im Februar dieses Jahres, den ich in überraschend guter Zeit meisterte.

Schnell entwickelte sich der Drang nach „mehr“ und ich informierte mich über Laufveranstaltungen im Landkreis Göppingen. Natürlich – es gibt den einen großen Lauf hier, von dem die Medien jedes Jahr berichten, den hier jeder kennt: Der Barbarossa-Berglauf. Zugegeben, ich hätte mir für meinen ersten Halbmarathon wirklich eine einfachere Strecke aussuchen können, aber umso größer war der Reiz, zusätzlich zu 21,4-km-Streckenlänge geschlagene 340 Höhenmeter zu überwinden und den Gipfel des Hohenstaufens zu erklimmen.

Da ich selbst ein Wettkampf-Neuling war, wollte ich nicht einfach so darauf los trainieren, sondern schloss mich der Laufgruppe des AST Süßen an, die speziell für den Barbarossa-Berglauf ein Bergtraining anbot. „Ich laufe jeden Halbmarathon mit dir, aber auf den Hohenstaufen bringen mich keine zehn Pferde, das kannst du vergessen!“, beschwor mich meine Tante anfangs noch, doch schließlich wurde auch ihre Angst vor Bergaufläufen kleiner, sodass sie sich gemeinsam mit mir zum Barbarossa-Berglauf 2014 anmeldete. Während unserer Trainingsläufe wurden wir optimal auf die bevorstehende Belastung vorbereitet und schon bald war ich mir sicher, den Barbarossa-Berglauf gut meistern zu können.

Zwangspause nach Sturz

Wie so oft im Leben, läuft auch bei einem Training nicht alles nach Plan. So kam es, dass ich vier Wochen vor dem Barbarossa-Berglauf auf einem Schotterweg schwer stürzte und mir mein Knie und Schienbein aufschlug. Zwei Wochen lang musste ich daraufhin eine Laufpause einlegen. Ganz toll! Das wars dann mit dem Vorsatz „eine gute Zeit laufen“, dachte ich mir. Doch unterkriegen ließ ich mich davon nicht, schließlich lagen bereits etliche Kilo- und Höhenmeter hinter mir und das sollte nicht umsonst gewesen sein.

So kam es dann, dass ich am Vorabend des 18. Mai 2014 die letzten Vorbereitungen traf, meine Energieriegel zurecht legte und voller Vorfreude dem Barbarossa-Berglauf entgegenfieberte. Endlich war es dann soweit. Blauer Himmel, Sonne, ca. 17 Grad- das perfekte Laufwetter! Allein das Gefühl, die Startnummer anzubringen, ließ den Adrenalinspiegel in die Höhe schnellen. Zusammen mit ca. 500 anderen Läufern, davon etwa 100 Frauen, einschließlich meiner Tante, stand ich dann an der Startlinie und zählte die Sekunden bis zum Startschuss.

Und los ging´s! Ich hatte mir geschworen, mich nicht zu übernehmen – durchhalten und ankommen – das war das einzige, was ich wollte. So ließ ich es also zu Beginn eher gemütlich angehen. Es machte meinem Ego auch nichts aus, dass ich zunächst von hunderten Läufern überholt wurde, die scheinbar um ihr Leben rannten. „Wir sehen uns auf dem Berg“ dachte ich mir nur, denn wenn man nach 14 km endlich oben ist, muss man auch noch die Kraft besitzen, die restlichen sieben Kilometer wieder zurück zu laufen. Bereits nach drei Kilometern seilte ich mich von der Laufgruppe meiner Tante ab und versuchte, meinen Puls relativ niedrig zu halten, was angesichts der Temperaturen nicht ganz einfach war. Zu meiner eigenen Überraschung, konnte ich jedoch ein ordentliches Tempo anschlagen, ohne dabei den Spaß und die Kraft für den Lauf zu verlieren.

Leser-Reporterin Jessica Koten

Bild: privat

Leser-Reporterin Jessica Koten bereitete sich zusammen mit ihrer Lieblingstante und gleichzeitig Laufpartnerin Ramona auf den Barbarossa-Berglauf vor.

Es war unbeschreiblich! An jeder Ecke standen Zuschauer, die einen anfeuerten und für die ich immer ein Lächeln übrig hatte, es pushte mich regelrecht weiter. So nahm ich auch jede Wasserversorgungs-Station mit, die alle lobenswert gut organisiert waren und strahlte kurz vor dem Gipfel immer noch wie ein Honigkuchenpferd. Als die letzten Meter nach oben geschafft waren, war ich wirklich mehr als glücklich, denn ich wusste, jetzt würde ich es ganz sicher auch bis ins Ziel schaffen.

Ich genoss jede einzelne Sekunde des Barbarossa-Berglaufs, jeden Meter, die atemberaubende Landschaft, die freundlichen Helfer und Zuschauer, die keuchenden Mitläufer, die Blaskapelle kurz vor dem Gipfel und die Sonne auf meiner Haut – ich fühlte mich so frei und glücklich wie schon lange nicht mehr – ein echtes „Runner's High“!

Auch wenn das bergab Laufen teilweise echt schmerzhaft war für die Knie, gelang es mir gegen Ende noch einige Läufer zu „angeln“ und hinter mir zu lassen. Mein größter Triumph: Ich konnte sogar ein paar männliche Mitläufer überholen. Ihren Ärger darüber, von einer Frau geschlagen zu werden, konnte ich regelrecht spüren, was mich noch weiter anspornte. Als ich auf den letzten 300 Metern endlich um die Ecke gebogen und der Zieleinlauf in Sicht kam, einschließlich Musik und großem Rahmenprogramm, gab ich noch einmal Gas und rannte wie berauscht von meiner eigenen Leistung und den 1.000 neuen Empfindungen mit einer Zeit von 2:22 Stunden als 55. Frau und Neunte in meiner Altersklasse ins Ziel. Niemals hätte ich mir erträumt, unter 2:30 h einzulaufen, zumal wir im Training immer deutlich langsamer unterwegs waren.

Es war ein absolut atemberaubendes Gefühl, als man mir die Finisher-Medaille um den Hals hängte und den Transponder vom Schuh entfernte, denn jetzt wusste ich: Ich habe es wirklich geschafft! Weder ein aufgeschlagenes Knie noch sonst irgendetwas hatten mich davon abhalten können, meine eigenen Grenzen zu überwinden und den Barbarossa-Halbmarathon zu laufen. Als einige Minuten später auch meine Tante ins Ziel kam, fielen wir uns überglücklich in die Arme und ließen den Lauf gemeinsam mit den anderen Teilnehmern beim Fest im Göppinger Stauferpark ausklingen.

Ich bin froh, so gesund zu sein, dass meine Beine mich 21,4 Kilometer weit bis über den Hohenstaufen tragen konnten und strahle noch jetzt übers ganze Gesicht, wenn ich an meine Glücksgefühle während des gesamten Laufs zurückdenke. Jetzt werde ich mir ein neues Ziel setzen, denn da ich den Barbarossa-Berglauf geschafft habe, weiß ich, dass ich jeden anderen Halbmarathon, der keine Berge beinhaltet, erst recht schaffen kann!