Leser-Reporter

Der Trail du Petit Ballon 2012 in den Vogesen

Unser Leser-Reporter Wolfram Brunnmeier freute sich beim Trail du Petit Ballon in den Vogesen über Weinberge, Landschafts-Panoramen und heftige Anstiege.

Trail du Petit Ballon
Trail du Petit Ballon

Nebel umhüllte teilweise die Gipfel, die die Läufer beim Trail du Petit Ballon erklommen.

Bild: Wolfram Brunnmeier

Das Elsass erstreckt sich auf rund 200 km Länge zwischen dem Rhein und dem Vogesenkamm. Der Gebirgszug der Vogesen, der das Elsass im Westen begrenzt, weist kein einheitliches Landschaftsbild auf. Im Norden und Süden ist es knapp 600 Meter hoch. Der mittlere Teil ist bis zu 1.400 Meter hoch.

In diesem Gebiet finden von März bis Oktober Trail-Läufe der besonderen Art statt. Alle diese Landschaftsläufe haben eines gemeinsam: sie sind schwer, schön und spektakulär. Es handelt sich um Marathon- und Ultramarathonstrecken.

Am 18. März 2012 nahm ich am „Trail du petit Ballon“ im Süden der Vogesen teil. 47 Kilometer und 1800 Höhenmeter müssen dabei bewältigt werden. Dies ist ein Landschaftslauf der Extraklasse und auch nur für Läufer mit Marathon und Ultramarathonerfahrung im bergigem Gelände geeignet.

Das alte Rathaus von Rouffach, in dem es die Startunterlagen gibt, findet man in der malerischen Altstadt schnell. Da der Lauf in diesem Jahr zum Europacup der Ultramarathons zählt, standen mehr als 150 Teilnehmer aus Deutschland um 9.00 Uhr bei nur 6° C am Start neben dem Park de Jardin. Um 9.00 Uhr geht es dann los und man ist schnell in den Weinbergen. Im ständigen Auf und Ab geht es hinüber ins Dörfchen Westhalten. Hier im Waldgebiet des „Foret de Westhalten“ geht es sofort wieder bergan, was bis zum Gipfel des Petit ballon anhalten soll. Wenig später erreicht man bei Kilometer 11,5 den Ort Osenbach, den man bei Kilometer 34 nochmals durchlaufen muss. 894 Höhenmeter auf 11,5 Kilometern müssen abgearbeitet werden.

Der zu belaufende Untergrund wechselt ständig, es geht durch dichten und lichten Wald. Mal sind die Pfade breit, mal sind es Singletrails mit unter Laub versteckten Wurzeln und Steinen. Bei Kilometer 20 am Boenlesgrab gilt es an der dortigen Verpflegungsstation Energie nachzutanken. Auf einer Länge von 3 km, im unwegsamen Gelände, müssen bis zum Gipfel des „Petit Ballon“ noch 407 Höhenmeter bewältigt werden.

Schnelles Wandern auf schwierigen Pfaden mit Schneeresten und matschigem Untergrund ist angesagt. Je höher es geht, umso kälter und windiger wird es. Auf dem 1272 Meter hohen Gipfel steht kein Kreuz, an dem man vorbeilaufen muss, sondern eine Madonnenstatue auf einem Steinsockel. Trotz des schlechten Wetters hat man einen fantastischen Ausblick über den Naturpark Ballons des Vosges.

Bergauf und bergab ging's für die Teilnehmer auf schönen Wegen.

Bild: Wolfram Brunnmeier

Der läuferische Höhepunkt folgt unmittelbar, denn die zweite Streckenhälfte ist mit Abstand der schönere Teil des Trail du petit Ballon. Es geht die gleichen Höhenmeter hinab, wieder zur Versorgungsstation Boenlesgrab. Dies erfordert höchste Konzentration und Trittsicherheit. Es wird eine große, unebene und steile Bergwiese überlaufen, bevor es in den Wald hinein geht. In langen und kurzen Serpentinen geht es auf einem schmalen und unebenen Hangweg in unterschiedlichem Gefälle stark bergab. Gelegentlich müssen querliegende Baumstämme übersprungen werden - ein Traum für Geländeläufer. Nachdem diese heikle Abwärtspassage überstanden ist, kann man sich an der Versorgungsstation mit warmem Tee erholen. Der folgende Streckenabschnitt ist flacher und angenehmer zu laufen, was aber nur von kurzer Dauer ist, denn wenig später verschwindet man erneut im Wald.

Der folgende Abstieg über 4 Kilometer entfacht bei mir Jubelstürme, denn es geht auf einen traumhaften Singletrail. Die Strecke bietet alles, was das Trailerherz begehrt. Über unebene Waldpfade vorbei am Dörfchen Wintzfelden, auf leicht welligen Feld- und Wirtschaftswegen erreicht man bei Kilometer 34 zum zweiten Mal den Osenbach und den vorletzten Versorgungspunkt. Am Ortsausgang von Osenbach leitet ein Ordner uns Läufer bergan in einen Wald. Etliche Höhenmeter müssen erklommen werden, bevor man an die Vogesenausläufer gelangt. Im ständigen Auf und Ab auf einem schmalen und schönen Singletrail, immer am Hang, gelangt man bei Kilometer 39 an den letzten Verpflegungspunkt am Notre Dame de Schauenberg.

Was man dort erblickt, lässt einen erstarren, denn der folgende Anstieg in Serpentinen zeigt fast senkrecht nach oben. Nachdem wir diese Kletterpassage geschafft habe, erreichen wir eine Streckenpassage, die es in sich hat. Ein sehr profilierter, schmaler Waldpfad direkt am steilen Berghang erfordert höchste Konzentration. Immer wieder ist Hüpfen und Springen über große und kleine Felsen angesagt. Etliche Steinstufen in unterschiedlicher Tritthöhe müssen gemeistert werden. Die schöne Aussicht ins Tal und hinüber in die Rheinebene und zum Schwarzwald kann man nicht zu sehr genießen, denn der Blick sollte den herrlichen und stellenweise auch gefährlichen Hangweg nicht verlassen. Bei der kommenden steilen Gefällstrecke hinab in die Weinberge von Rouffach kann es durchaus zu Stürzen kommen. Der Weg durch die Weinberge ist nicht mehr allzu steil und man erreicht kurz darauf den Ort und das Ziel am Jardin de Ville.

Trail du Petit Ballon

Bild: Wolfram Brunnmeier

In der Läuferschlange auf zum Gipfel.

Fazit: Dies ist ein schöner und herausfordernder Landschaftslauf in den Vogesen mit einem tollen Panorama. Hier und heute war es aber stellenweise sehr schwer. Weitere schöne Läufe in den Vogesen habe ich bei den vielen Ausschreibungen, die im Rathaus auslagen, gefunden. Von diesen werde ich ebenfalls berichten.


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