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Der Trail des Marcaires 2012 in den Vogesen

Leser-Reporter Wolfram Brunnmeier berichtet von seiner Herausforderung und einmaligen Erlebnissen beim Trail des Marcaires 2012 in den Vogesen.

Trail des Marcaires 2012 – Die Bilder
Leserreporter Trail des Marcaires

Der Trail des Marcaires fand dieses Jahr bereits zum 4. Mal statt.

Bild: Wolfram Brunnmeier

Wenn in den Vogesen ein Landschaftslauf angeboten wird, kann man davon ausgehen, dass diese Läufe sehr anspruchsvoll sind. Wenn auf der Ausschreibung Trail darauf steht, dann ist auch ein Trail drin. Hier vereinen sich Berg-, Landschafts- und Erlebnislauf zu einer Komponente. Was die Streckenführung anbelangt, ist für jeden, der gerne im Gelände läuft etwas dabei. Es handelt sich bei diesem Lauf um einen Ultratrail. Die Strecke ist ca. 54 Kilometer lang und es müssen dabei 2.500 Höhenmeter bewältigt werden. Da ich ziemlich regelmäßig in den Vogesen zu Gast bin, wusste ich im Vorfeld schon, was da auf mich zukommt. Ich liebe diese Trails und werde weiterhin an diesen schönen Landschaftsläufen teilnehmen. Aber Achtung, um an diesem Lauf teilnehmen zu können, ist ein ärztliches Attest notwendig.

Nachdem ich am 18. März 2012 am Trail du petit Ballon teilgenommen hatte, wollte ich in diesem Jahr eigentlich auch an allen anderen Ultratrails in den Vogesen teilnehmen (Defi des Seigneurs, Trail du Wurzel, Trail du pays Welche und Trail des Marcaires). Das es nur der Trail des Marcaires am 16. September wurde, lag daran, dass ich durch einen Leistenbruch pausieren musste.

Am Samstag, den 15. September fuhren Marita und ich in die Vogesen ins Munster Tal (bekannt durch seinen Käse) nach Muhlbach sur Munster. Hier am Center de sportif befindet sich das Start- und Zielgelände. Nachdem ich mich nachgemeldet und das ärztliche Attest abgegeben hatte, erhielt ich meine Startunterlagen. Nur sechs Wochen nach meiner Leisten OP und viel zu wenigen Trainingsläufen, wollte ich das Risiko wagen, an einem 54 Kilometer langen Trail mit 2.500 Höhenmeter teilzunehmen.

An wirklich steilen Passagen wurde schnell gewandert.

Bild: Wolfram Brunnmeier

Am Sonntagmorgen stehe ich also mit 140 anderen Läufern unter dem Startbogen bei frischen 8 Grad. Über den Tag verteilt, sollen die Temperaturen aber noch bis auf 25 Grad bei sonnigem Wetter ansteigen. Nach erfolgtem Start geht es an der Sportanlage vorbei in ein kleines Wäldchen hinein und hinüber zur Ortschaft Metzeral. Der kleine Ort wird fast komplett durchlaufen, um am Ende auf den Wanderweg GR 5 einzubiegen. Hier geht es dann bergab. Der Weg wird schmaler und es geht durch dichten Wald hinüber zur Ortschaft Mittlach. Hier gilt es kleine Bäche auf schaukligen Holzbrückchen zu überqueren. Ab hier wird lange schnell gewandert, denn es müssen knapp vier Kilometer hinauf zum Le Hohneck (1362 müNN) was ca. 900 Höhenmeter bedeuten.

Mittlerweile besteht der Pfad nur noch aus Steinen, Wurzeln und roter Erde. Zwischendurch wird es mal flacher, was aber nur von kurzer Dauer ist. Immer felsiger und schmaler wird es von nun an. Wir befinden uns auf dem Sentier de Wormsa. Erste Schuttfelder müssen am steilen Berghang überlaufen werden, wo der sichere Tritt zunehmend gesucht werden muss. Mittlerweile besteht der Pfad ausnahmslos aus Steinen und bemoosten Felsen. Ab und An geht es über Lichtungen mit schönen Ausblicken auf die Berge der Vogesen. Immer mehr Naturstufen und Holzbrückchen an diversen kleinen Wasserfällen müssen bewältigt werden. Ist der erste mühsame Anstieg geschafft, läuft man plötzlich an einen der drei Karseen, dem „Lac de Fischboedle“ vorbei. Danach geht es sofort wieder an einem Wildbach vorbei bergan, zum nächsten See, dem Lac de Schiessrothried. In seinem klaren Wasser spiegeln sich wunderschön die bewaldeten Berge der Vogesen. Im weiteren Verlauf kommen sogar die Hände an besonders steilen Stellen beim Aufstieg zum Petit Hohneck (1289 MüNN) zum Einsatz. Nach Erreichen der Baumgrenze geht es über eine Almwiese hinauf zur ersten Versorgungsstation an der Auberge Schiessroth. Beim weiteren Aufstieg zum Le Hohneck (1362 MüNN), dem höchsten Punkt des Trails, müssen abertausende Felssteine bezwungen werden. Hier muss mal ein Bach gewesen sein.

Kurz vor dem Le Hohneck habe ich einen phantastischen Ausblick auf den Karsee de Schiessrotried und hinunter ins Munster Tal. Mit Erreichen der Auberge auf der Spitze ist der schwierigste Teil der Strecke abgearbeitet. Die weiteren An- und Abstiege sind moderat und lassen sich wesentlich leichter bewältigen, was aber nicht heißen soll, dass es einfacher wird. Auf den baumlosen Höhen kann man sich dann von der ersten Strapaze erholen, denn es geht nun etliche Kilometer wellig zum Le Kastelberg dahin. Anschließend folgt ein steiler Abstieg in Serpentinen durch schönen Wald zum dritten Karsee, dem Lac de Altenweier. Nach Überlaufen der Staumauer geht es weiterhin steil bergab bis zur zweiten Versorgungsstation bei Kilometer 23.

Leserreporter Trail des Marcaires

Bild: Wolfram Brunnmeier

Der Traillauf hat ein Profil von 2.500 Höhenmetern auf einer Strecke von 54 Kilometern.

Von nun an geht es wieder bergauf. Es geht hoch zur Route des Cretes, auf der fortan gelaufen wird. Es geht vorbei am Rothenbachkopf, dem Col du Herrenberg, dem Schweissel, um am Col d`Hahnenbrunnen die Route des Cretes wieder zu verlassen. Auf kaum erkennbaren Pfaden, über Stock und Stein geht es wieder bergab, um in der Talsohle auf den Wanderweg GR 532 zu gelangen. Hier ist der Weg breit wie eine Autobahn und es geht in langen Serpentinen hinauf auf den 1329 Meter hohen Klintzkopf. Mittlerweile weiß ich nicht was mehr schmerzt, hoch oder runter! Es gibt keinen Vergleich zu irgendwelchen Trailläufen in Deutschland. Die Steine und Felsen sind unerträglich. Man klettert, man bremst bei steilen Abstiegen und die dritte Versorgungsstation kommt erst bei Kilometer 45. Die Spitze endlich erreicht, geht es flacher weiter zum Langenberg (1290 müNN) und zum Hilsenfirst (1270 müNN). Ein recht steiler Anstieg über Blockgestein führt dann zur Westseite des Petit Ballon auf dem ich schon im März stand. An der Auberge geht es dann schließlich die letzten neun Kilometer bis ins Ziel nur noch bergab. Allerdings bremsen immer wieder kleine Anstiege den flotten Lauf. Das nun einsetzende regnerische Wetter erschwert die letzten Kilometer noch sehr. Der Rest der Strecke bis ins Ziel am Centre de Sportiv ist glücklicherweise flach. Stolze 8:40:16 Stunden habe ich für die gesamte Strecke in den Vogesen benötigt.

Fazit: Der Trail ist einfach klasse! Hier ist alles drin. Es geht über Bäume, neben Elektrozäunen lang, durch Geheimwege, über Dick (Steine) und Dünn (Kuhfladen). Wem so ein Extremlauf gefällt, findet unter www.trophee-des-vosges.fr oder im Berglaufjournal weitere Informationen.


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