Irina Mikitenko vor dem Berlin-Marathon

Der Master-Weltrekord ist ein toller Anreiz

Irina Mikitenko blieb 2008 beim Berlin-Marathon unter der 2:20-Stunden-Barriere. 2013 will sie einen neuen Master-Weltrekord aufstellen. Unser großes Interview vor dem Berlin-Marathon.

Irina Mikitenko

Irina Mikitenko startet am Sonntag zum vierten Mal in Berlin.

Bild: photorun.net

Irina Mikitenko wird am kommenden Sonntag beim Berlin-Marathon an den Start gehen. Bereits zum vierten Mal rennt die inzwischen 41-jährige Langstrecklerin der LG Eintracht Frankfurt in der deutschen Hauptstadt über die 42,195 km. 2007 lief sie hier ihr Marathon-Debüt und wurde dabei auf Anhieb Zweite mit beachtlichen 2:24:51 Stunden. Ein Jahr später gewann Irina Mikitenko das Rennen und stellte dabei den nach wie vor gültigen deutschen Rekord auf. Als erste und bislang einzige deutsche Läufer blieb sie 2008 in Berlin unter der 2:20-Stunden-Barriere (2:19:19). Dies ist immer noch die zehntbeste Zeit aller Zeiten. Bei ihrem dritten Rennen wurde Irina Mikitenko vor zwei Jahren in hochklassigen 2:22:18 Zweite und ließ dabei unter anderen die britische Marathon-Weltrekordlerin Paula Radcliffe hinter sich. Irina Mikitenko, die zweimal den London-Marathon gewann (2008 und 2009) sowie zweimal in der World Marathon Majors (WMM)-Serie triumphierte (2007-2008 und 2008-2009), hat am Sonntag ein neues Ziel: Sie jagt den Master-Weltrekord der Altersklasse ab 40 Jahre. Diese Zeit von 2:25:43 Stunden lief die Russin Lyudmila Petrova 2008 in New York. Irina Mikitenko gab das folgende Interview:

Wie ist Ihre Form, auch im Vergleich zu den vergangenen Jahren, und wie konnten Sie trainieren?

Irina Mikitenko: Ich möchte das nicht vergleichen, denn jede Vorbereitung läuft immer etwas anders. Besonders gilt dies für dieses Jahr, denn wir mussten, bedingt durch die große Hitze in den Sommermonaten, einiges umstellen und anpassen. Aber ich bin gesund und körperlich fit – das ist die Hauptsache. Ich konnte immer gut trainieren und hatte keine Verletzungsprobleme in der Vorbereitung auf Berlin. Ich denke, dass ich ein gutes Rennen laufen kann.

Wie schätzen Sie die Konkurrenz ein, was für eine Platzierung ist möglich?

Irina Mikitenko: Die Konkurrenz ist in Berlin sehr stark, aber man weiß vorher nie genau, wie gut die anderen wirklich in Form sind. Manches spielt sich dann auch im Kopf ab, man muss mental stark sein. Entscheidend ist, dass ich mich auf mich selbst konzentriere und mein Rennen laufe. Dann sehen wir, was am Ende für eine Platzierung herauskommt. Beim Tokio-Marathon waren im Februar auch sehr starke Konkurrentinnen im Rennen. Trotzdem bin ich Dritte geworden – das hätte ich vorher nicht gedacht.

Es ist Ihr vierter Marathon-Start in Berlin. Sie laufen gerne in der deutschen Hauptstadt – worauf freuen Sie sich dort am meisten?

Irina Mikitenko: Marathon in Berlin, das ist etwas Besonderes. Für mich passt dort einfach alles zusammen, es gibt keine Einzelheiten, die ich herausheben könnte. Die Strecke, die Unterstützung der Zuschauer und das gesamte Organisationsteam – alles ist super. Race-Direktor Mark Milde schafft für die Topathleten hervorragende Rahmenbedingungen. Ich habe schon vor einem Jahr gesagt, dass ich beim 40. Jubiläum des BMW Berlin-Marathons dort starten möchte. Es ist für mich auch eine zusätzliche Motivation bei der Vorbereitung, wenn ich weiß, dass ich in Berlin starten kann.

Welche Bedeutung hat der Master-Weltrekord für Sie?

Irina Mikitenko: Mir ist natürlich bewusst, dass ich nicht mehr unter 2:20 Stunden laufen kann. Insofern ist das für mich ein toller Anreiz. In meinem Alter muss man neue Ziele finden, für die man sich motivieren kann. Ich hoffe, dass ich den Rekord in Berlin brechen kann. Aber im Marathon kann viel passieren, man kann sich nie sicher sein. Es gibt jedoch keinen Plan B, falls es nicht klappt. Ich konzentriere mich jetzt erst einmal voll auf das Rennen am Sonntag.

Würden Sie den Master-Rekord gegebenenfalls nochmals angreifen, falls Sie die Marke verpassen? Wie weit planen Sie in die Zukunft, könnten die Europameisterschaften 2014 ein Thema sein?

Irina Mikitenko: Bezüglich des Rekordes: Das kann ich zurzeit nicht sagen. Ich plane nur noch von Wettkampf zu Wettkampf. Nach dem jeweiligen Rennen entscheide ich, wie es weiter geht. Ich habe schon Startangebote für das nächste Jahr – und es freut mich, dass ich weiter eingeladen werde. Aber ich plane nicht mehr ein Jahr im Voraus, so dass auch die Europameisterschaften zurzeit einfach noch viel zu weit weg sind.

Haile Gebrselassie hat kürzlich gesagt, dass er voraussichtlich nicht mehr Marathon laufen wird. Das Trainingspensum ist einfach zu groß. Wie schaffen Sie es, sich für die enorme Trainingsbelastung zu motivieren?

Irina Mikitenko: Meine Familie steht hinter mir, das ist ein entscheidender Punkt. Sie unterstützen mich sehr, denn sie sehen, dass ich es immer noch kann: Ich habe immer noch Erfolg. Ich habe aber gemerkt, dass mein Körper nicht mehr so schnell regenerieren kann von harten Trainingseinheiten. Die Ausdauer ist kein Problem, Tempoläufe sind dagegen schwieriger. Der Körper braucht mehr Zeit zum Erholen, aber solange mein Kopf noch sagt, ,ich will’, laufe ich weiter. Irgendwann muss natürlich auch mal Schluss sein. Der Weltrekord in der Altersklasse 45 wird kein Ziel mehr sein für mich!

Welchen Tipp können Sie Ihren jüngeren Konkurrentinnen geben, um langfristig erfolgreich zu sein?

Irina Mikitenko: Man braucht viel Disziplin und viel Geduld, um im Marathon zum Erfolg zu kommen. Wer ein paar Wochen vor dem Start in sehr guter Form ist und dann kurz vorher Fehler macht, für den ist alles schnell dahin. Wichtig ist, Vertrauen in sich selbst zu haben und zu erkennen, was der Körper braucht. Dabei sollte man auch nicht zu sehr auf andere hören. Im Wettkampf muss man die richtige Balance finden, indem man sich einerseits Grenzen setzt, andererseits aber auch nicht zu wenig Risiko eingeht.

BMW Berlin-Marathon 2012 - Bilder
40.000 bringen Berlin zum Kochen: 282 Fotos

42,195 Kilometer Volksfest: 84 Fotos

40.945 liefen durch Berlin: 254 Fotos

Berlin-Marathon 2013 - Das Weltre: