Von London bis Hamburg

Der Marathon-Monat April

Im April ballen sich die Top-Marathonläufe. Der Überblick: Welche Asse laufen wo.

Läufer London

Die Spitzengruppe passiert beim London-Marathon die Tower Bridge.

Was die Besetzung anging und oft auch die Ergebnisse, war der London-Marathon in den letzten Jahren das Maß der Dinge. Das Sieggeld für das Rennen am 13. April ist zwar mit 65.000 Dollar längst nicht das höchste, doch bei den Antrittsgagen ist das anders: Kein anderer kann so viel Startgeld investieren wie Race-Direktor David Bedford. Nirgendwo anders treten die Stars in derart geballter Form auf wie in London. So werden unter anderem der Olympiasieger Stefano Baldini (Italien) und der Weltmeister Luke Kibet (Kenia) am Start stehen. Paul Tergat, Kenias zweitschnellster Marathonläufer aller Zeiten, musste aufgrund eines Trainingsrückstands passen. Weltrekordlerin Paula Radcliffe (Großbritannien) war ebenfalls bereits verpflichtet, musste dann aber aufgrund einer Zehenverletzung absagen.

Auch aufgrund einer Pollenallergie, die ihn im vergangenen Jahr in London stoppte, startete Haile Gebrselassie im Januar in Dubai und nicht im April in der britischen Metropole. Die Jahresweltbestzeit des Äthiopiers von 2:04:53 Stunden dürfte 2008 kaum zu verbessern sein. Der Mann, dem man dies zurzeit vielleicht am ehesten zutrauen kann, startet allerdings in London: Der Halbmarathon-Weltrekordler Sammy Wanjiru (Kenia), der in Fukuoka im Dezember 2007 sein Marathon-Debüt in hochklassigen 2:06:39 Stunden gewann. Wanjiru trifft in London unter anderem auf den Vorjahressieger und New-York-Gewinner 2007, Martin Lel (Kenia). Beide wollen sich für das kenianische Marathon-Olympiateam qualifizieren.

London markiert in diesem Jahr auch den Saisonauftakt der World Marathon Majors (WMM). Zu der Serie hatten sich vor gut zwei Jahren die Rennen von Boston, London, Berlin, Chicago und New York zusammengeschlossen. Der Mann und die Frau, die über zwei Jahre hinweg die meisten Punkte sammeln, teilen sich einen Jackpot von einer Million Dollar. In der laufenden Serie 2007-2008 führen Martin Lel (50 Punkte) und Gete Wami (Äthiopien/55), die die erste Serie 2006-2007 gewonnen hatte. Beide werden in London starten. Das trotz der Radcliffe-Absage stärkstbesetzte Frauen-Rennen des Frühjahres hat sich Irina Mikitenko (TV Wattenscheid) ausgesucht. Nach ihrem beeindruckenden Debüt in Berlin 2007 in 2:24:51 Stunden darf man gespannt sein, inwieweit sie sich in London verbessern kann.

Dass die WMM-Rennen von London, Chicago und Berlin seit Jahren immer wieder die spitzensportlichen Höhepunkte produzierten, dokumentiert sich in der Top-10-Liste der besten Zeiten aller Zeiten. Lediglich eine der jeweils zehn Zeiten wurde nicht bei einem der WMM-Rennen gelaufen: Dubai bei den Männern und Peking bei den Frauen sind je einmal vertreten.

Das zweite WMM-Rennen des Frühjahres wird acht Tage nach London in den USA gestartet: Der 112. Boston-Marathon findet am traditionellen Montags-Termin statt. Hier geht der Sieger der ersten WMM-Serie, Robert Kipkoech Cheruiyot (Kenia), als Titelverteidiger an den Start. Bei den Frauen kommt es zum Marathon-Comeback der Kursrekordlerin Margaret Okayo (Kenia/2:20:43).

Zieleinlauf beim Boston-Marathon.

Ein Rennen, das qualitativ bei den Männern immer wieder zu den besten des Jahres gehört, ist der Rotterdam-Marathon. Gleich elf Läufer mit persönlichen Bestzeiten von unter 2:08 Stunden stehen auf der Startliste – in dieser Hinsicht übertreffen die Holländer sogar den London-Marathon. Dreimal wurden auf der flachen Rotterdamer Strecke Weltrekorde gelaufen: Carlos Lopes (Portugal) lief 2:07:12 (1985), Belayneh Densamo (Äthiopien) rannte 2:06:50 (1988) und Tegla Loroupe (Kenie) kam 1998 nach 2:20:47 ins Ziel.

Über 20.000 Läufer werden am letzten April-Sonntag in Hamburg erwartet, nachdem das Meldelimit auf 25.000 aufstockt worden war. Erstmals starten die Marathonis direkt hinter der Kreuzung Millerntorplatz, eingangs der Reeperbahn. Anschließend geht es auf die bekannten Marathon-Kilometer, bevor die Finisher die eindrucksvolle 600 Meter lange Zielgerade auf der Glacischaussee erreichen. Wilfred Kigen könnte der Mann sein, den es zu schlagen gilt. Im vergangenen Jahr unterlag der Kenianer erst auf den letzten Metern in einem Sprintduell seinem Landsmann Rodgers Rop, der nun in Rotterdam laufen wird. Der dreifache Frankfurt-Sieger Kigen wird in Hamburg allerdings auf den spanischen Kursrekordler Julio Rey (2:06:52) treffen. Die Olympianormen von 2:13 beziehungsweise 2:31 Stunden sind das Ziel von Falk Cierpinski (SG Spergau) und Marathon-Europameisterin Ulrike Maisch (LAV Rostock).

Eröffnet wird die Serie der großen April-Marathonrennen am kommenden Sonntag in Paris: Dort werden gut 30000 Läufer erwartet. Darunter sind der Japaner Takaoka Toshinari (Bestzeit: 2:06:16) und die Äthiopierin Worknesh Tola (2:25:42). In der internationalen Bedeutung weiter nach vorne geschoben hat sich in den letzten Jahren der Wien-Marathon, der am 27. April zum 25. Mal stattfindet. Alle Laufwettbewerbe zusammengezählt, liegen für Österreichs größtes Laufevent schon jetzt über 25.000 Meldungen vor. In Wien wird die Japanerin Tomo Morimoto (Bestzeit: 2:24:33), die die Olympia-Qualifikation ganz knapp verpasst hatte und als Ersatzläuferin für Peking nominiert ist, auf die Vorjahressiegerin Luminita Talpos (Rumänien/Bestzeit: 2:27:32) treffen.

Namen und Daten zu Top-Rennen im April

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