Leser-Reporter Gunther Hörichs

Der Malerweg legt den Trailrunnern viele Steine in den Weg

Mit Blicken in die unberührte Natur geht es für Gunther Hörichs dem Malerweg weiter nach Königstein.

Der höchste Punkt der Tour

Nach ein paar Kilometer durchs Kirnitzschtal verlassen wir das Tal und erklimmen die nächsten 200 Höhenmeter durch die Mühlschlüchte um nach weiteren anspruchsvollen Berg- und Talpassagen endlich den nächsten markanten Punkt, das Zeughaus zu erreichen. Am Zeugaus kennt sich Egi durch den vorangegangenen Trainingslauf bestens aus und gönnt uns mit seinem Besuch des stillen Örtchens eine kleine Verschnaufpause. Dies tut uns gut, steht uns doch als nächstes Ziel mit dem Großen Winterberg der höchste Punkt der Tour (556 m) bevor. Nach ca. 70 km kommen wir gegen 14:30 Uhr auf dem Gipfel an. Hier verlässt uns Marco und gönnt sich einen schönen großen Eisbecher als Belohnung. Dafür kommt uns Gerd entgegen, der es im Elbtal nicht mehr erwarten konnte und zur Erwärmung die 400 m Höhenmeter erklommen hat. Trotz Gelenkprobleme lässt er es sich nicht nehmen uns bis nach Pirna zu begleiten. Wie er erzählt, hatte er sich in den letzten Tagen extra massenweise mit Schmerzmittel einbalsamiert.

Für uns heißt es jetzt 400 Höhenmeter die längste Passage bergab über rutschige Wege, unendlich viele Stufen und Treppen nach Schmilka ins Elbtal. Hier stehen schon die nächsten Überraschungsgäste mit warmer Brühe und weiteren Leckereien bereit. An dem Punkt haben wir quasi den Rennsteigultra mit 73 km einschließlich 2.000 Höhenmeter hinter uns gebracht. Für Veronika ist es nach sieben Stunden der letzte Versorgungseinsatz und sie kann alles an Bianca und Stefan vom Förderverein Nationalpark weiterreichen.

Lagebesprechung.

Bild: privat

Mit der Fähre über die Elbe und weiter in Richtung Tafelberge

Um ehrlich zu sein, wir können nicht alles zu Fuß schaffen. Für die 100 m Elbequerung bevorzugen wir dann doch die Fähre. Viel Ruhe war ist nicht gegönnt, dürfen wir doch gleich die nächsten Höhenmeter nach Schöna erklimmen. Oben angekommen überraschen uns Carola und Andrea noch einmal mit einem nicht zu übersehenden Motivationsbanner und lautstarkem Rasseln sowie Selbstgebackenem. Beim Lauf durch den Ort fängt Egi auf einmal an zu singen. „Stimmt alles noch?“

Langsam werden die Beine schwer. Ein Marathon mit 1.500 Höhenmetern steht uns noch bevor. Selbst sanfte Aufstiege werden spürbar anstrengender. Als nächster Versorgungspunkt ist Reinhardtsdorf geplant. Kaum zu glauben, hat sich am Treffpunkt neben Bianca und Stefan eine ganze Schaar unseres Wolfsrudels als begeisterter Fanblock eingefunden. Der Informationsaustausch untereinander klappte demnach hervorragend. Von da ab werden wir aller paar Kilometer von unseren Sportfreunden überrascht. Mit dieser regen Anteilnahme haben wir absolut nicht gerechnet und sind schlicht überwältigt.

Über einfache Wanderwege und wenig anspruchsvollen Passagen peilen wir die nächsten Höhepunkte im wahrsten Sinne des Wortes an. Der Papststein grüßt mit seinen 451 m schon aus der Ferne. Durch bizarre Felseinschnitte und interessante Kletterpassagen schrauben wir uns langsam in die Höhe. Knapp 90 km sind nun geschafft und diesmal steht in der Wirtschaft auf dem Gipfel eine zünftige Portion Spagetti an, die uns ebenfalls von den Betreibern gesponsert werden.

Uli am Gohrisch

Bild: privat

Papststein, Gohrisch und Pfaffenstein stellen auf der Strecke eine große Herausforderung dar.

Bei Einbruch der Dunkelheit sind 100 Kilometer geschafft

Bergab dürfen wieder Eisenleitern und etliche Stufen einschließlich mit rutschigem Sandstein gepflasterten Wegen genutzt werden. Gleich danach ist der Gohrisch zu erobern. Dieser ist zwar immerhin 3 m niedriger als davor der Papststein, lässt sich aber auch nichts schenken. Also wieder Kraxeletappen, Stufen und Leitern hoch und gleich wieder runter. Inzwischen freuen sich die Läufergliedmassen über jede Möglichkeit höhere Stufen zu vermeiden. Zwischendurch eine kleines Fotoshooting mit dem örtlichen Pressefotograf. Die vielen ungeplanten Stopps halten uns ganz schön auf und es wird bald dunkel.

Die anschließenden paar Kilometer bis zum Pfaffenstein haben wenig Profil und wir kommen endlich wieder auf ein vernünftiges Tempo. Papststein, Gohrisch, Pfaffenstein, uns werden ganz schön viele Steine in den Weg gelegt über die es nur mit interessanten Kraxelpassagen, Eisensleitern und anderen Überraschungen geht. Das Tageslicht verabschiedet sich nun und gibt der Dunkelheit den Vorrang. Von weitem leuchtet schon die Festung Königstein.

Uli stapft im Dunkeln. Er hat seine Stirnlampe noch im Begleitfahrzeug liegen. Wir versuchen nebeneinander zu laufen, das geht aber bei dem mit Wurzeln und jungen Felsen bespickten Weg nicht. Also bleibt Uli dicht hinter mir und ich versuche kritische Stellen mit auszuleuchten und plötzliche Bremsmanöver zu vermeiden.

Zwischendurch bimmelt ständig sein Handy, weil sich Sportfreunde nach unserem Wohlbefinden erkundigen wollen. Uli ist von der ständigen Bimmelei genervt. Egi hat Probleme mit seinen Gelenken und kann kaum noch vernünftig traben. Er denkt aber nicht ans Aufgeben. Zeit spielt für uns keine Rolle. Irgendwie geht alles gut und wir erreichen wohlbehalten das Städtchen Königstein. Hier erwartet uns der nächste Fanblock nebst Ulis Töchter Theresa und Luise, die nun die Nachtschicht für das Catering übernehmen.

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Nach 24 Stunden ist das Ziel erreicht