Erfahrungsbericht Ken Ider

Den Mann gestanden beim Tough Mudder Hamburg

Über Wände klettern, durch Schlamm robben und unter elektrisch geladenen Drähten hindurchgleiten: Ken Ider bewältigte alle Hindernisse beim Tough Mudder in Hamburg.

Tough Mudder Hamburg 2014 - Die Bilder
Ken Ider

Ken Ider startete beim Tough Mudder 2014 und bewältigte die Hindernisse.

Bild: privat

Früher wurde ich beim Sport immer als letztes gewählt. Doch eine Trennung brachte mich zum Laufen – wahrscheinlich, um Frust abzubauen. Ich verlor etliche Kilos und wurde fit. Dann lernte ich Körpergewichtstraining in Form von Freeletics kennen und wurde noch fitter. Als vorher sehr unsportlicher Typ war das ein völlig neues Körpergefühl. Da lag es nah, sich mit dem neuen Körper zu beweisen. Aber bei welcher Sportart sollte man sich messen, ohne vorher irgendwelche Techniken erlernen zu müssen?

Seitwärtsrollen auf nassem Rasen zum Aufwärmen

Außerdem war es mir wichtig, gleichzeitig Kraft, Kondition und Koordination einzusetzen. Zum Glück kam gerade der Trend „Hindernislauf“ auf. Also meldete ich mich ein halbes Jahr vor dem Tough-Mudder-Event in Hamburg an und holte noch drei Freunde mit ins Boot. Ab diesem Moment trainierte ich auf ein Ziel hin – das Tough-Mudder-Event! Und das ist wirklich das beste Training, ein Training mit einem Ziel vor Augen. Der Tough Mudder war schnell da und wir machten uns auf den Weg nach Gut Basthorst. Dort angekommen waren wir mehr als erstaunt. Das ist keine kleine Veranstaltung, das ist ein richtig großes, perfekt koordiniertes Event.

Überall laufen Gleichgesinnte herum, die einfach mal ihren Mann stehen wollen. Interessanterweise waren es nicht nur durchtrainierte Athleten, sondern auch die Mutter von nebenan und der Busfahrer mit dem Bierbauch. Und das macht dieses Event auch aus. Es geht primär um den Spaß, egal ob man schnell oder langsam unterwegs ist. Bevor man die Startlinie – oder besser gesagt die Starthinderniswand – passieren darf, wird man ordentlich durch einen Trainer an der Strecke aufgewärmt. Dieser lässt einen Seitwärtsrollen auf nassem Rasen machen. Das war schon reichlich ungewohnt. Als Kind bekommt man schließlich beigebracht, sich nicht so dreckig zu machen. Aber es sollte noch viel schlimmer kommen.



Nach dem Aufwärmen ging es ab auf die Bahn. Ich werde nie eines der ersten Hindernisse vergessen. Es war einfach, aber als Einstieg perfekt. Eine etwa zehn Meter lange Spur aus Matsch überspannt mit einem Draht auf Kniehöhe. Nun ging es darum, durch den Matsch zu gleiten. Und ich muss sagen, es fühlte sich richtig gut an. Es erinnerte mich an Kindsein und meine Bundeswehrzeit zugleich. Mit Matsch im Gesicht und am ganzen Körper ging es weiter.

Tough Mudder 2014: Strom und Wasser machten aus großen Männern kleine Jungs

Zum Glück folgte schnell ein Wasserhindernis, welches einen wieder sauber waschen sollte. Aber dieses Hindernis war so furchteinflößend, dass das Wieder-sauber-sein total nebensächlich war. Es war eine mit Eiswürfeln gefüllte Wasserwanne, die es zu durchqueren galt. Dabei musste noch unter einem Balken durchgetaucht werden. Dagegen ist jede kalte Dusche ein Witz. Der Kreislauf ging merklich in den Keller, ein bis dato für mich unbekanntes Gefühl. Danach hieß es nur noch: Laufen, laufen, laufen, denn der Körper musste sich schnell wieder aufwärmen.

Ken Ider

Bild: privat

Im Ziel bei Tough Mudder Hamburg.

Nach einigen Kilometern Laufen und kleineren Hindernissen kam ein weiteres furchteinflößendes Hindernis. Eigentlich ähnlich dem ersten Hindernis, mit dem kleinen Unterschied, dass diesmal ein elektrischer Draht ein flaches Wasserbecken überspannte, durch das man gleiten musste. Strom und Wasser sind eine ekelige Kombination und so wurden hier aus großen Männern plötzlich ganz kleine Jungs. Einer aus meinem Team, ein begeisterter Crossfitter und ein Hüne von einem Mann, kniete vor diesem Hindernis und konnte sich einfach nicht überwinden. Er blockierte eine ganze Bahn, wir anderen hatten das Hindernis mittlerweile alle überwunden. Auf unsere und die Zurufe des Publikums wagte er es doch und glitt mit schmerzverzerrtem Gesicht durch das Hindernis. Wir erwarteten ihn auf der anderen Seite und halfen ihm auf die Beine. Das war für ihn definitiv das härteste Hindernis überhaupt.

"Wir hätten den Parcours gleich nochmal laufen können!"

Wir waren ein tolles Team – und nur im Team macht so ein Event auch richtig Spaß. Aber im Endeffekt waren alle, die dort mitgemacht haben, ein großes Team. Das wurde mir bewusst, als ich als recht kleiner Mann alleine vor der "Berlin Wall" stand. Das waren etwa fünf Meter hohe Hinderniswände, die es zu überqueren galt. Ein drahtiger, schwarz gekleideter Mann kam auf mich zu. Er war mit mehreren Tough-Mudder-Stirnbändern ausgestattet und zwinkerte mir zu. Dann machte er eine Räuberleiter und half mir so über die Wand. Danach lief er an der Wand vorbei und machte sich wieder auf dem Weg. Er hatte also das Hindernis schon überwunden und war dann umgekehrt, um anderen zu helfen. Das nenne ich mal Einsatz.

Es gab so viele klasse Hindernisse, die alle mit einer gewissen Grundfitness überwindbar waren. Kein Hindernis schien unmöglich zu sein, als Team schon gar nicht. Zuletzt möchte ich von meinem Lieblingshindernis, dem "Funky Monkey", berichten. Hierbei handelte es sich um zwei spitz zulaufende Leitern, die über einem tiefen Wasserbecken aufgestellt waren. Wie ein Äffchen musste man dann über das Wasserbecken hangeln. Das machte richtig Spaß und erforderte Kraft und Geschick zugleich. Ich habe dieses Hindernis gut überwunden und meine Freundin hat ein tolles Video davon aufgezeichnet. Dieses Video habe ich mir nach dem Event noch dutzende Male angeschaut.

Vor dem Ziel erwartete uns noch ein letztes Stromhindernis, welches unseren Hünen wieder zu Fall brachte. Aber das war es wert, denn nun gab es das begehrte Stirnband und ein kühles Helles für uns. Man mag es kaum glauben, aber wir hätten den Parcours gleich nochmal laufen können. Und weil wir es so klasse fanden, haben wir uns mittlerweile zur Krass Fit Challenge und zum nächsten Tough Mudder angemeldet.

Hindernisläufe 2017:

Beim Mud Masters neue Leidenschaf...

Alles über den Lauftrend

Wäre ein Hindernislauf einfach, hieße es Fußball

Hindernisläufe erfreuen sich großer Beliebtheit
Hindernisläufe sind in. StrongmanRun und Co. werden immer... mehr

Tough Mudder Hamburg 2014

Kein Rennen sondern eine Herausforderung

Tough Mudder Hamburg
6.000 Läufer stellten sich auf dem Gut Basthorst der Herausforderung... mehr