Leser-Reporter Gunther Hörichs

Das Ziel ist nicht mehr weit

Gemeinsam stampfen Gunther Hörichs und seine Mitstreiter nach 24 Stunden Trailrun ins Ziel in Pirna.

Leser-Reporter Gunther Hörichs nach ca. 100 km

Leser-Reporter Gunther Hörichs bei Einbruch der Dunkelheit. Bis zum Ziel sind es noch 20 Kilometer.

Bild: privat

Noch 20 Kilometer zum Ziel

Nur noch 20 km bis Pirna dafür aber stockdunkel. Ellen und Andreas wollen uns bis zur Festung hinauf begleiten. Beide sind ausgeruht und stürzen mit unseren zwei Jungspunden und Gerd los. Im Übereifer jagen Sie unterhalb der Festung an der Malerwegausschilderung vorbei und erreichen relativ schnell das Parkhaus, wo wir gar nicht hinwollen. Egi, Uli und ich kommen wesentlich langsamer voran, nehmen aber dafür den richtigen Weg. Gerd, Stefan und Heiko müssen nun ein Stück zurück und finden uns bald wieder.

Nächster planmäßiger Versorgungstreff ist kurz nach der Festung. Hier warten neben dem Fanblock in kompletter Trailausrüstung schon Thomas, der Vater von Stefan und Heiko, und Wolfi, um uns durch die Nacht zu begleiten und sicher ins Ziel zu bringen. Uns war es Recht, ist doch Thomas Arzt und kennt sich in der Gegend bestens aus. Wolfi war eigentlich nur zu Besuch gekommen und hat sich wenige Stunden zuvor auf dem Weg von München nach Pirna für das Event entschieden. Mit flinken Füßen ist nicht mehr viel los. Wir gehen fast nur noch, was unseren geschundenen Körpern aber auch dem aufkommenden Nebel und damit eingeschränkten Sichtverhältnissen geschuldet ist.

Es sieht schon gespenstisch aus, wie acht Gestalten in der Finsternis mit Stirnlampe bewaffnet durch Thürmsdorf und Weißig ziehen. Nach Weißig steuern wir den Raunstein an. Im Gänsemarsch erklimmen wir wieder über Stufen und Eisenleitern die Höhe. Oben ist die Orientierung schwierig. Beim Probelauf vor einem Monat im Hellen hatten wir die falsche Richtung eingeschlagen und standen in einer Sackgasse von dem Abgrund. Also, leicht rechts halten. Die Richtung stimmt. Auf dem Kamm über Felsen und durch Felsen, alles nicht so einfach. Wir stochern weiter im Nebel rum und bleiben dicht zusammen. Wer hier zurück bleibt bekommt ein Problem.

Kurz vor Pötzscha, ein kräftiger Hieb vor dem Kopf. Da liegt doch tatsächlich ein Baumstamm quer über dem Weg, den ich bei meiner Konzentration auf den Weg nicht sehen konnte. Alles aber halb so schlimm.

In Pötzscha schläft alles. Jetzt steht der letzte größere Anstieg nach Naundorf an. Der Weg ist zwar steil und zieht sich lang hin, dafür mit relativ wenigen Hindernissen bespickt. Die insgesamt 3.500 Höhenmeter haben wir jetzt erreicht. In Naundorf ist unser vorletzter Verpflegungspunkt. Theresa und Luise kümmern sich mütterlich um uns.

Nach 24 Stunden erreichen Leser-Reporter Gunther Hörichs und seine Mitstreiter das Ziel am Prinaer Marktplatz.

Bild: privat

Nach 24 Stunden erreichen die Fünf Trailrunner das Ziel

Frisch gestärkt gehen wir den letzten kritischen Teilabschnitt an. Der Pfad von Naundorf zur Königsnase oberhalb von Obervogelgesang ist durch den Regen noch aufgeweichter als sonst. „Normalen Wandereren“ wird wegen der schlechten Wegbeschaffenheit von einer Begehung abgeraten. Für uns ist er noch einmal ein richtiges Trailabenteuer. Rechts geht es mehrere Meter steil ab und vor uns ist durch den Nebel kaum was zu sehen. Matschstellen zu umlaufen ist sinnlos, also voller Genuss gerade durch. Ab und zu Kopf einziehen, über Baumstämme kraxeln und andere Hindernisse bewältigen. Ich denke nur „Männer allein im Wald“ und kann mir ein Lächeln nicht verkneifen.

Runter nach Obervogelgesang geht es wie gehabt über viele steile Sandsteinstufen, worüber sich die Knie und Oberschenkel besonders freuen. Am letzten Verpflegungspunkt stoßen noch Günter und Philippa zu uns. Sie warten schon über eine Stunde und freuen sich gewaltig über unser Ankommen und begleiten uns ebenfalls bis Pirna. Auf dem Elbradweg bis Ortseingang Pirna können wir langsam zum Endspurt ansetzen. Selbst Egi kommt richtig in Fahrt und stimmt vor Freude wieder ein Liedchen an. Das überrascht mich nun nicht mehr. Über den crossigen Canalettoweg laufen wir unterhalb vom Schloss Sonnenstein die letzten Kilometer gen Stadtzentrum Pirna. Vor dem letzten kleinen Abstieg kurzes Einsammeln aller Läufer und ab geht es durch die historische Altstadt zum Markt. Es sieht beeindruckend aus, wie zehn Stirnlampen durch die Gassen wackeln. Genau nach Egis Plan erreichen wir pünktlich morgens 03:00 Uhr nach 24 Stunden und 118 km das Ziel. Hier werden wir von mindesten 20 Wolfsrudel-Sportfreunden mit frenetischem Applaus begrüßt. Überglücklich und von der großen Anteilnahme überwältigt liegen wir fünf Trailrunner, die die gesamte Strecke geschafft haben, uns in den Armen und müssen alles erst einmal verdauen.

Neben Muskelkater habe ich als einzige Blessur mir nur den Mund an heißer Brühe leicht verbrannt, was aber auch im normalen Leben passieren kann.

Fazit: Der Malerweg bietet sehr anspruchsvolle Trails mit wunderschönen landschaftlichen Eindrücken. Für eventuelle Wettkämpfe fast zu schade, da dann der Genuss verloren geht.

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118 Kilometer und 3.500 Höhenmeter an einem Tag