Halbmarathon Ingolstadt 2014

Das Ziel immer klar vor Augen

Leserreporterin Henriette Appel hat ihr Ziel klar vor Augen und möchte eine neue Bestzeit beim Halbmarathon Ingolstadt 2014 laufen.

Leser-Reporterin Henriette Appel beim Halbmarathon Ingolstadt 2014

Zu fix für den Fotografen: Leser-Reporterin Henriette Appel in Ingolstadt auf dem Weg zur Halbmarathon-Bestzeit.

Bild: privat

Läuferlatein warnt vor dem tückischen 13. Kilometer

Bei in etwa sieben Kilometern nach einem hastigen Schluck ISO vom Verpflegungsstand, als wir vom Auwaldseedamm zum Klenzepark zurückkamen, wurde mir auf der mit Liebesschlössern dekorierten Fußgängerbrücke schwindlig, und ich fühlte den Boden nicht mehr. Schaffte es, den Weg entlang der Donau gegenüber vom Stadttheater zu bewältigen, indem ich drei erholt aussehende Herren ansprach. Am Schlossländle Richtung Jahnstraße flutschte es wieder, und ich genoss die grandiose Stimmung und die Trommeleinlagen beim Durchlauf Kreuztor. Überholte mühelos etliche normalerweise schnellere Konkurrentinnen, die routinierte Bettina Mai, das professionell vorbereitete Duo vom Life Park Max Fitness Center, Rosa und Katrin im schwarzen Partnerlook und rosa Stulpen und Bettina Graf am Staudamm. Läuferlatein warnt vor dem tückischen 13. Kilometer. Überbrücke den gerne locker durch Minidialog, Thema Andalusienurlaub, bevor Bettina auf beiden Seiten der Strecke, wie es schien, von der halben Stadt begrüßt wurde und Händeschütteln musste. Der 11. Kilometer markierte das Aus für einige Top-20-Athleten. Andere hatten mit Seitenstichen zu kämpfen oder legten Gehpausen ein. Diese baue ich ab und zu bei Trail-und Crossläufen ein.

Die „Via Dolorosa“- Einträge bei Facebook zeugen vom Leiden von erfahrenen Assen wie Gaby, Marlies, Verena, Schlagi, Peter und Markus. Beim 20.Kilometer war gar vom Tod die Rede. Drückend-schwül, staubig, wellig, eng, scharfe Kurven und Wechsel von Kies, Asphalt und Waldwegen, also schwierige Bedingungen für die 3037 Starter, von denen 2947 die 21,1 km absolvierten. Hektisch Wasser aus Bechern und Schwämmen auf den gepeinigten Körper geschüttet und gequetscht, die neuen ODLO-Shorts von der Messe am Freitag klatschnass und vollgebieselt (intime Details schocken in englischsprachigen Laufblogs niemanden), peitschte ich an reizvoller Natur im Autopilot vorbei.

Mit eisernem Willen die letzten Kilometer

Auf den im Kollektiv als hart eingestuften letzten 6 Kilometern gehorchten meine zunehmend schweren Beine meinem eisernen Willen, das Wahnsinnshoch gekoppelt mit Kraftreserven von fetter Makrele und Riedenburger Bio-Emmerbier vom „Fest zum reinen Bier“ am Vorabend befeuerten den effizienten Trommelschritt. Einmal erkundigte ich mich bei einem asiatischen „Kollegen“ mit Namen Jo Chan nach der zurückgelegten Zeit und Distanz. Die Pulsuhr studierend, teilte er mir ganz langsam sprechend mit, dass wir fast 14,5 km hinter uns und dafür 1 Stunde und 13 Minuten gebraucht hatten. Bedankte mich freundlich mit der Erkenntnis, dass eine Forcierung meines trotz Hitze konstanten Höllentempos fatal gewesen wäre. Als Ingalena samt trabender Entourage vorbeizog, blieb ich ungerührt im Takt und spuckte das spontan zugesteckte Bonbon (Koffeindrop?) gleich wieder aus. Lutschen im Sauseschritt, wie soll das bitte funktionieren?

Die nun drohende Überschreitung der anvisierten Bestzeit juckte mich nicht, da ich nur offiziell ausgedruckten Ergebnissen Glauben schenke. Wie sich herausstellte, hatte die Pacemakerlady die 1:45 Stunden Vorgabe um fast eine Minute gedrückt! Zwischendurch entwickelte ich beim Lesen der spärlich gesäten weiblichen Vornamen auf den Startnummern Strategien, wie der Frauenanteil erhöht werden könnte. Ein Verhältnis von 621 zu 2.326 darf ja nicht heißen, dass der Schöpfer Frauen mit Stand- anstelle von Laufbeinen ausgestattet hat! Sambaklänge, Applaus und DJ Gandhi vorm Café Mohrenkopf blendete ich auf der zähen Altstadtetappe fast aus. Blickte flehentlich auf die Münsteruhr, aber ob noch 8 oder 10 Minuten bis zur Seligkeit verstreichen durften, ein Rätsel. Die überstrapazierten zwei Buchstaben „PB“ für „persönliche Bestzeit“ charakterisieren ebenso gut einen Hang zur egomanen „permanenten (Selbst-)Beweihräucherung“, den der „schneller, höher, weiter“-Fanatiker besser in der muffigen Sammelumkleide zusammen mit der Hobby- und „zwecks da Gaudi“-Mehrheit wegdduscht!

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