Das erste Mal Berlin-Marathon

Das Tooooor

Kilometer 40: Ein Krampf klopft an an, lässt sich aber gut zureden. Immer noch Reserven. Feuere das Publikum an, dem man die vierkomma-x Stunden allmählich ansieht. Was für Heroes! Dann: Unter den Linden! Das Tooooor. Toooor! Toooor! Das Ziel. Das Ziel. Das Ziel! Ich werde schon wieder – äh – sentimental. Diesmal richtig. Aber das Wichtigste: immer noch keine Schmerzen! Wer hat eigentlich erzählt, dass der erste Marathon etwa so brutal ist, wie vier Stunden nonstop Dieter Bohlen zu hören?

Das Tor. Davor. Drunter. Durch. Musik. Mein Gott, so viel Glück, so viel Glück! So viel. Das Ziel. Laufe durch. Bin durch. Bin durch. Durch. Marathon. Ein Marathon! Habe einen Marathon gefinisht! 42 Kilometer, 60 000 Schritte. 4:28:44 Stunden. Mit fast 100 Kilo. Jawoll! Ich schlage meine Hände vor das Gesicht. Irgendjemand hängt mir ein Stück Blech um, auf dem jemand drauf ist, von dem ich noch nie in meinem Leben gehört habe.

Egal. Jetzt erst mal ein Weizen. Triff einen Laufbuddy. Er erkennt mich noch. Guter Mann. Meine Beine sind etwas hart, aber – kurz mal checken, bitte ­warten: He, ich könnte glatt noch weiterlaufen. Ist das zu fassen? Ich bin so froh, dass ich diesen Lauf nicht zu einem Rennen gemacht habe, sondern die Sache in aller Ruhe und mit festem Ver­gnügungswillen angegangen bin! Ich begegne Leuten, die sich nur zufällig ins Tageslicht verirrt zu haben scheinen, und anderen, die aussehen, als würden sie es so schnell nicht wieder sehen können: Nee, soo möchte ich einen Marathon niemals finishen müssen. Ischwör! Dann lieber fünf Stunden brauchen.

Und später? In der U-Bahn setze ich mich so hin, wie Kamele aufstehen. Die Leute auf der Bank gegenüber zwinkern mir zu. Abendessen. Party. Schlafen (aber richtig). Aufstehen. Stadtbummel. Vom Kudamm bis zum Alex. Zu Fuß. Geht noch! Geht doch! Leute räumen die Absperrungen weg. Im Tiergarten hängen noch einige Heliumballons von gestern in den Büschen. Ich sammle ein paar.

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Das Erlebnis