Ezekiel Kemboi

Das Nike-Zeichen auf dem Hinterkopf

Die Sponsoren der Leichtathleten sind bei der LA-WM immer präsent und beeinflussen das Geschehen.

LA-WM in Berlin

Ezekiel Kemboi führt das Feld der Läufer über 3.000-m-Hindernis an.

Bild: Claus Dahms

Olympiastadion, Mittwoch, 22.00 Uhr: Das Rennen über 3.000-m-Hindernis wurde zur erwarteten großen Kenia-Show. Drei Läufer aus Kenia unter den ersten Vier! Nur der Franzose Bouabdella Tahri mischte sich zwischen die langen, sehnigen, schwarzen Beine. Mit 8:01,18 auf den Bronzerang vorlaufend verbesserte er seinen eigenen Europarekord. Frenetisch wurde er von seinen Anhängern gefeiert. Noch eine Stunde nach seinem Erfolg schwenkten große Fangruppen die französische Fahne, tanzten und sangen dazu.

„Ich habe 2003 in Paris Silber gewonnen, ich habe auch 2005 in Helsinki Silber bekommen und 2007 in Osaka war es schon wieder Silber. Ich bin einfach geduldig geblieben und habe jetzt hier in Berlin mein großes Ziel erreicht“, freute sich Triumphator Ezekiel Kemboi nach 8:00,43. Und dann zeigte der smarte Kenianer, der ganz und gar nicht so wirkt als würde er schon acht Jahre in der Weltklasse mitmischen, seine besondere Überraschung für seinen Sponsor: „Mein Sponsor wird sich natürlich über meine Goldmedaille freuen und jetzt kann er sich auch noch über eine Zugabe freuen“, sprach Kemboi, drehte sich um und zeigte das in seine kurzen Haaren auf seinen Hinterkopf geschnittene Nike-Firmenzeichen.

Das ist der Hinterkopf des Weltmeisters Ezekiel Kemboi. Zu erkennen – wenn auch nur bei genauerem Hinsehen – ist das in die Haare geschnittene Nike-Zeichen.

Bild: Claus Dahms

So viel Sponsorenwerbung wird den Sportartikel-Konzern sicherlich freuen. Auch wenn das sicher nicht im entferntesten mit der Reichweite zu vergleichen ist, die Konkurrent Puma erzielt, wenn Usain Bolt medienwirksam die Schuhe dieser Marke in die Kameras des Weltprogramms hält.

Zu viel Sponsorentreue verärgerte aber die deutschen Journalisten. Denn die tägliche Pressekonferenz des Deutschen Leichtathletik-Verbandes ist eine wichtige Informationsquelle bei allen großen Events. Diesmal blieben ihr viele Kollegen fern. Denn zum Wohle des DLV-Sponsors findet die Pressekonferenz in der Nike-Town statt. Das hatte einen kleinen, aber gewichtigen Nachteil: Die Nike-Town liegt im Zentrum, auf der Tauentzienstraße. Das Olympiastadion ist von hier rund 45 Minuten entfernt und wer um 9.00 Uhr in der PK saß, konnte beispielsweise nicht live miterleben, wie über 800 Meter Titelverteidigerin Janeth Jepkosgei stürzte.

Dabei steht das riesige Medienzelt und auch das speziell für Pressekonferenzen aufgestellte Zelt um diese frühe Zeit am Morgen völlig leer und nach der Pressekonferenz wären es dann nur ein paar Gehmeter zum aktuellen Geschehen auf der Bahn. Aber der DLV scheint zu sehr vom Geld des Sponsors Nike abhängig zu sein. Oder zumindest scheint er es zu glauben. "Zuerst kommen die Interessen des Sponsors, dann die Bedürfnisse der Presse", das scheint das Motto bei der Heim-WM in Berlin zu sein.

Hier finden Sie die weiteren Einträge im WM-Tagebuch von Runner's-World-Redakteur Claus Dahms:

Die Stunde der fairen Siegerinnen vom 18. August 2009
Nur acht Sekunden hinter dem Weltrekordler vom 17. August 2009
Weltmeisterin fiel hin - aber nicht durch vom 16. August 2009
Spaß statt Erfolg vom 15. August 2009
Mein Berlin-Tagebuch vom 15. August 2009

Hier finden Sie ein Dossier mit allen Informationen rund um die Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2009 in Berlin