Cross-WM in Edinburgh

Das einmalige Six-Pack von Kenenisa Bekele

Keiner siegte bei einer Cross-WM so oft wie Kenenisa Bekele. Sein Trainer Jos Hermens zieht Bilanz.

Bekele

Kenenisa Bekele gewann Cross-WM-Gold Nummer sechs über die 12-km-Strecke.

Bild: photorun.net

In Edinburgh schaffte der Äthiopier damit ein Novum. Von 2002 bis 2006 hatte Kenenisa Bekele zuvor diesen Titel gewonnen. Team-Medaillen hinzugerechnet, hat der erst 25-Jährige nun bereits 27 Cross-WM-Medaillen gewonnen, so viele wie kein anderer bei diesen Meisterschaften.

„Für die Äthiopier haben die Cross-Weltmeisterschaften eine hohe Bedeutung. Dass Bekele im vergangenen Jahr nicht gewonnen hatte, war eine Katastrophe“, erzählte Jos Hermens, der holländische Manager des 10000-m-Olympiasiegers und Weltrekordlers. Durch die Aufgabe Bekeles war auch das Team in der Mannschaftswertung aus dem Rennen. Hier setzten sich die Kenianer durch.

Die Cross-WM und deren hoher Stellenwert in Äthiopien ist auch der Grund, warum Kenenisa Bekele bei der Hallen-WM Anfang März in Valencia seinen 3000-m-Titel nicht verteidigte (oder nicht verteidigen durfte?). „Kenenisa hatte gut trainiert“, sagte Jos Hermens und fügte hinzu: „In meinen Augen hätte er ohne Probleme auch in Valencia starten können – vor zwei Jahren hat er ja auch beides gewonnen, Halle und Cross. Das Problem ist, dass die Hallen-WM in Äthiopien nicht viel bedeutet. Die Funktionäre haben keine Ahnung von dem Wert dieser Titelkämpfe und können das nicht einschätzen.“

Bekele jagt gerne Superlative. Darunter sind auch die Weltrekorde seines ,Vorgesetzten’ Haile Gebrselassie. Erst im Februar verbesserte er dessen Hallen-Weltbestzeit über zwei Meilen in Birmingham. Das Crosslaufen war nicht die Domäne des Haile Gebrselassie. Hier herrschte zuvor Paul Tergat mit fünf WM-Siegen in Folge auf der Langstrecke (1995 bis 1999). Diese fünf Siege schaffte Bekele auch: von 2002 bis 2006. Das Mittelstrecken-Gold nahm er dabei jeweils ,nebenbei’ mit. Doch nun übertraf er mit Langstrecken-Sieg Nummer sechs endgültig Paul Tergat.

„Wenn Kenenisa gut trainieren kann und dadurch gut in Form ist sowie zusätzlich verletzungsfrei bleibt, dann kann er alles gewinnen“, sagt Jos Hermens, der auch erzählt, dass sich Bekeles psychologische Situation aufgrund seiner Heirat im November 2007 beruhigt habe. Im Januar 2005 war seine damalige Verlobte während eines gemeinsamen Joggings im Wald zusammengebrochen und an Herzversagen verstorben. Schon im März verteidigte er damals seine Titel bei der Cross-WM, doch das Trauma verfolgte Kenenisa Bekele noch lange.

Im Olympiajahr wird Kenenisa Bekele voraussichtlich am 24. Mai in Hengelo auf die Bahn zurückkehren. „Vielleicht läuft er dann erst einmal die 5000 Meter. Aber das werden wir bald besprechen“, sagt Jos Hermens und fügt hinzu: „Von mir aus könnte Kenenisa in Peking auch einen Doppelstart über 5000 und 10000 Meter machen.“

Wann Kenenisa Bekele anfangen wird, auch im Straßenlauf Weltrekorde zu jagen und dabei speziell die Marathon-Bestleistung von Haile Gebrselassie steht noch nicht fest. „Ich persönlich fände es gut, wenn er damit bis nach den Olympischen Spielen von London 2012 warten würde“, sagt Jos Hermens, der auch Haile Gebrselassie betreut und diesem möglicherweise die Hauptdarstellerroller im Marathon noch eine Olympiade lang lassen möchte. „Aber ich kann mir vorstellen“, sagt Hermens, „dass Kenenisa in zwei Jahren einen Marathon laufen möchte.“

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