Simret Restle

Das Debüt im Nationaltrikot wartet

Simret Restle, seit sechs Wochen deutsche Staatsbürgerin, wurde nicht für die Cross-EM nominiert.

Simret Restle

Simret Restle darf bei der Cross-EM nicht laufen.

Bild: Thomas Zöller

Während Nationen wie Großbritannien oder die USA den Crosslauf traditionell als wichtigen Aufbau für zukünftige Topathleten erkennen und entsprechend fördern, ist dies in Deutschland nach wie vor nicht der Fall. Bei den Cross-Europameisterschaften stellen die Briten am Sonntag zum Beispiel komplette Teams, auch wenn die besten Läufer fehlen und die Starter teilweise nicht einmal in der Heimat einen Namen haben. Die USA investieren große Beträge, um komplette Teams bei Cross-Weltmeisterschaften in anderen Kontinenten an den Start zu bringen. Es war auch dieses langfristige Engagement, das die Amerikaner auf die Erfolgsspur führte, die man in Deutschland nach wie vor erfolglos sucht.

Jüngstes Beispiel für eine verpasste Chance ist Simret Restle: Nach Wunsch ist die Wettkampfpremiere als deutsche Staatsbürgerin auf deutschem Boden beim Darmstadt-Cross vor drei Wochen nicht verlaufen. „Ich bin nicht zufrieden, ich wollte beste Deutsche sein“, sagte sie, nachdem sie nur zweitbeste war. Beste Deutsche – an diese Formulierung muss sich die in Eritrea geborene Läuferin von der LG Eintracht Frankfurt noch gewöhnen. Erst seit sechs Wochen ist die 23-Jährige im Besitz der Einbürgerungsurkunde, und ihren ersten Wettkampf mit der neuen Nationalität hatte sie rund eine Woche vor Darmstadt beim Crosslauf in Tilburg (Niederlande) hinter sich gebracht.

Weil die Resultate beim Darmstadt-Cross als herausragendes Qualifikationskriterium für die Europameisterschaften am Sonntag in Spanien herangezogen wurden, stand gleichzeitig ihr Debüt im Nationaltrikot zur Disposition. Doch die junge Frau aus Wiesbaden wurde von Bundestrainer Detlef Uhlemann nicht nominiert.

Deutsche Staatsbürgerin. „Im Kopf hat sich ja nichts verändert“, sagt Simret Restle. Als „eine Perspektive“ bezeichnete der Bundestrainer den deutschen Pass von Simret Restle und bedauerte schon im nächsten Satz, dass die Möglichkeit für internationale Einsätze nicht schon vor einem Jahr bestand. Seinerzeit gehörte die mittlerweile drittbeste deutsche Langstreckenläuferin (hinter Sabrina Mockenhaupt und Irina Mikitenko) noch der Klasse der unter 23-Jährigen an.

Simret Restle, geboren in Adi Bidel/Eritrea, lebt seit fünf Jahren in Deutschland und ist mit dem Wiesbadener Jugendtrainer Tim Restle verheiratet. In der deutschen Bestenliste 2007 ist sie auf den Distanzen von 1500 bis 10.000 Meter auf den Rängen zwei beziehungsweise drei zu finden. Ihre persönlichen Rekorde verbesserte sie in diesem Jahr auf 9:05,99 (3.000 Meter), 15:47,71 (5.000 Meter), 34:05,56 Minuten (10.000 Meter) sowie auf 33:04 Minuten im 10-km-Straßenlauf. Hinter Sabrina Mockenhaupt (Köln) und Irina Mikitenko (Wattenscheid) ist die junge Frankfurterin die deutsche Nummer drei auf den mittleren und langen Laufstrecken. Schade, dass sie keine Gelegenheit hat, bei der Cross-EM zu starten.